Vom Findling bis zum tragbaren Kreuz

Kirchen & Kunst
Die Pandemie-Jahre haben Künstlerinnen und Künstler stark eingeschränkt. Darunter hat auch der Dialog zwischen Kunst und Kirche gelitten. In Freiburg wird nun mit der Ausstellung Kunst:Raum:Kirche dieser Dialog neu gefördert. An 17 Orten wird deutlich, wie sehr Kunstschaffende Kirchen als Ausstellungsorte schätzen. Besucherinnen und Besucher können die Kunstwerke noch bis Ende Juli entdecken.
„926 913 g“ ist auf dem Sockel unter dem Findling zu lesen. Man sieht dem Findling, der unscheinbar auf dem Platz vor der Freiburger Ludwigskirche liegt, nicht an, dass er fast eine Tonne wiegt. „In Umraum Langsamkeit“ nennt der Künstler Jochen Kitzbihler sein Werk. Vor 340 Millionen Jahren ist der Findling entstanden. Er steht für das Zeitlos-Dauerhafte, ein Stück Ewigkeit. An seinem jetzigen Ort ist der Stein aus Quarzdiorit einem permanenten Erosionsprozess ausgesetzt. Wind und Wetter, Luft und die tobenden Kinder der benachbarten Kindertagesstätte (KiTa) werden dafür sorgen, dass sich von den 926 913 Gramm kleine Steinchen lösen und die Form sich wandelt. Ist das ein Bild für Gott, den Ewigen, der zugleich einem steten Wandel unterliegt?
Was beide Kunstwerke verbindet: Sie gehören zum Ausstellungsprojekt Kunst:Raum:Kirche. Kunstschaffende wurden auf Initiative der Evangelischen Erwachsenenbildung Freiburg und Kurator Prof. Dr. Martin Flashar eingeladen, sich mit ihren Werken auf unterschiedlichste Orte kirchlicher Präsenz in der Stadt zu bewerben. „Das Projekt hat offensichtlich einen Nerv getroffen: knapp 100 Bewerbungen sind eingegangen! Ein voller Erfolg“ zeigt sich Schirmherr Ulrich von Kirchbach, Erster Bürgermeister der Stadt Freiburg, angetan. Stadtdekanin Angela Heidler weist auf den beiderseitigen Gewinn des Dialogs von Kunst und Kirche hin: „Kunst regt an, deutet Lebenswirklichkeit, weitet den Blick und bringt ins Gespräch. Kirchen als Ausstellungsräume ermöglichen dabei nochmal einen neuen Deutungsraum, Kunstwerke und die Frage nach dem Leben und nach Gott in Beziehung zu bringen. Ich freue mich über diese Impulse für die Evangelische Kirche in Freiburg!“
„Zur Nachahmung empfohlen“ ist auch das Votum vieler beteiligter Künstlerinnen und Künstler. Sie schätzen Kirchen als besondere Ausstellungsorte, die mit ihrer Prägung die Werke in ein besonderes Licht rücken. Es sollten aber nicht nur klassische Sakralräume zum Zuge kommen. Die vielen Formen kirchlicher Präsenz repräsentieren im Ausstellungsprojekt eine KiTa, ein Second-Hand-Kaufhaus und ein Mehrgenerationenhaus.
Die 93 Bewerbungen sprechen für das Interesse der Kunstschaffenden. In einem zweistufigen Verfahren hat die Jury daraus 19 Werke von hohem künstlerischem Niveau ausgewählt, die ein breites Spektrum künstlerischer Formen, darunter Malerei, Stickereien, Skulpturen und Video-Präsentationen umfassen. Die meisten Werke sind noch bis 27.07.2022 zu sehen, einige auch länger.
Weitere Informationen und der Werkkatalog sind abrufbar unter www.ekifrei.de/kunst

