Kirche mit Schaufenster

Blick durchs Schaufenster der Pop-Up-Kirche in die Fußgängerzone

Glaube & Spiritualität

Kirche statt Leere heißt es für zwei Monate in der Tauberbischofsheimer Innenstadt. Aus einem ehemaligen Sportgeschäft wurde eine Pop-Up-Kirche. Im Juni und Juli 2022 lässt sich durch die offene Tür und das Schaufenster beobachten, was Kirche und Diakonie so macht. Für Stadtpfarrerin Heike Kuhn ein gelungenes Experiment.

Hier ein Sportgeschäft, ein paar Häuser weiter eine Bäckerei, am Ende der Straße das traditionsreiche Bekleidungshaus für Männer und Frauen. Anfang des Jahres stehen alle drei Geschäfte leer. Heike Kuhn hat die Situation in der Tauberbischofsheimer Innenstadt beschäftigt, schon als Mitglied im Stadtrat und ehemalige Bürgermeisterstellvertreterin und jetzt als Stadtpfarrerin.
 
"Innovative Pop-Up-Kirche in Tauberbischofsheim eingeführt" - ein Videobeitrag der Fränkischen Nachrichten
 
Sie findet einen verständnisvollen Vermieter. Zum ortsansässigen Schulmöbelhersteller hat sie gute Kontakte, er leiht ihr moderne Möbel. Beide unterstützen das Experiment der Evangelischen Kirche und des Diakonischen Werkes. Die Pop-Up-Kirche kann im Juni starten.
 
Es wird ein Krabbelgottesdienst gefeiert
In der Pop-Up-Kirche wird ein Krabbelgottesdienst gefeiert.

Quelle: Heike Kuhn

„Wir haben kein fertiges Konzept. Eigentlich machen wir, was wir immer machen, aber an einem anderen Ort“, sagt die Pfarrerin strahlend. Was Gemeinde und Diakonie „immer“ machen, ist eine ganze Menge: Krabbelgottesdienst, Chorproben und kleine Segensfeiern. Auch die Sekretärin ist einmal in der Woche hier. Das Diakonische Werk führt Schwangerschafts- und Sozialberatung durch.
 
Der neue Ort bringt auch neue Formate hervor, zum Beispiel den Talk auf der blauen Couch. Dieses Mal spricht die Journalistin Heike von Brandenstein mit älteren Menschen und einer Frau, die aus der Ukraine geflüchtet ist, über ihre Kriegserfahrungen.
 
„Die Arbeit in der Pop-Up-Kirche tut auch mir gut“, spürt Pfarrerin Heike Kuhn schon nach wenigen Wochen. Sie genießt die Gespräche im Laden und in der Fußgängerzone. „Die Leute laufen vorbei, bleiben stehen, schauen oder kommen rein. Wir sind näher dran an den Menschen.“ Besonders freut sie sich darüber „wie positiv von Kirche geredet wird“. Ihrer Ansicht nach vermittelt die Pop-Up-Kirche Offenheit, Leichtigkeit und „dass Kirche Spaß macht.“
 
Gesprächsrunde auf dem blauen Sofa
Gesprächsrunde auf dem blauen Sofa

Quelle: Heike Kuhn

Statt über den Leerstand in der Tauberbischofsheimer Innenstadt zu klagen, haben Kirche und Diakonie eine Chance ergriffen: sie sind jetzt mitten in der Fußgängerzone zu finden. Und die Menschen in der nördlichsten Kreisstadt Baden-Württembergs haben einen neuen Treffpunkt, mindestens bis Ende Juli, vielleicht ja auch darüber hinaus.
 
 
  

Heike Kuhn

Pfarrerin in Tauberbischofsheim