Potential zur Versöhnung

Portrait von Christian Besau

Landeskirche & Ökumene & Religionen

„Alles, was die Menschen in diesen politisch schwierigen Zeiten zusammenführt, muss man machen. Im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) stecken enorme Ressourcen, Leute an einen Tisch zu bringen, die sonst nicht miteinander reden würden.” Deshalb und „aus Liebe zu den Menschen“ übernahm Christian Besau gerne das Amt des Delegierten für die Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe. Er geht „mit seinem eigenen protestantischen Gewissen“ an den Start.

 
Sein gutes Englisch und viel Erfahrung im Umgang mit internationalen Gästen haben zur Ernennung beigetragen, ebenso wie der Wunsch nach einem „open minded Delegierten“, meint er augenzwinkernd. Der Sachgebietsleiter Hörfunk und Beauftragter für den Privatrundfunk bei der Landeskirche fühlt sich geehrt.
 
Dileep Kumarn Kandula (CWM) and the Rev. Kyu Hee Choi (National Council of Churches of Kenya) ask questions of stewards John Njenga (Greek Orthodox Patriarchate of Alexandria and All Africa) and Rev. Jackline Makwa (Methodist Church in Kenya)
In Karlsruhe findet vom 31. August bis 08. September die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) statt.
 
Optimistisch stürzt sich Christian Besau ins ökumenische Getümmel und das randvoll gefüllte zweiwöchige Programm. Seine Ambitionen dabei: Er will dazu beitragen, die kirchliche Welt für alle verständlich darzustellen, die gespaltene Gesellschaft zu harmonisieren und „ein Korrektiv in ganz kleinem Rahmen sein“. „Herzensbildung“ ist sein Anliegen. „Das leistet Kirche, wer sonst? Ob ich streng orthodox bin oder liberal, spielt keine Rolle, es geht um mitmenschliche Werte, die allen Kirchen gemein sind.“
 
Das Motto der Vollversammlung lautet „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“. Es dient den Delegierten als Kompass bei ihren Beratungen.
 
Christian Besau ist blind. Deshalb hat sein ÖRK-Engagement auch eine inklusive Seite. Wenn es um Teilhabe am kirchlichen Leben geht, ist seine Perspektive gefragt. Er räumt ein, dass es theologische Lehren gibt, die Behinderung als göttliche Strafe sehen. Er wünscht sich Standards, die überall verwirklicht werden.
 
352 Kirchen sind Mitglied im ÖRK – sie vertreten ca. 580 Millionen Gläubige in 120 Länder.
 
Dass die katholische Kirche bei der Versammlung der weltweiten Kirchen nur als Beobachterin teilnimmt, stimmt ihn nachdenklich. „Wenn man die Einheit der Christenheit sieht, dann müssten alle Christen dabei sein.“ Umso mehr, da für viele Menschen im Westen die Konfession keine Rolle mehr spiele. „Wir problematisieren Unterschiede, die die Öffentlichkeit gar nicht wahrnimmt.“ Für die meisten sei der ÖRK abstrakt. „Viele Errungenschaften des ÖRK, etwa zu Frieden und sozialer Gerechtigkeit, kommen in der breiten Öffentlichkeit kaum an. Das gilt auch für aktuelle Resolutionen im Zusammenhang mit der Vollversammlung.“ Ihn bekümmern die enormen Ängste zum Beispiel vor Antisemitismusvorwürfen. Mögliche Konsequenz sei es, Dinge nicht angemessen beim Namen zu nennen und zu reden, ohne Notwendiges zu sagen. „Ich wünsche mir, dass es gelingt zu zeigen, wieviel Potential zur Versöhnung in dieser unglaublich großen Organisation ÖRK steckt, wenn man sich traut.“
 
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Wenn Menschen aus Kirchen aus der ganzen Welt zusammenkommen, sind kontroverse Diskussionen zu erwarten. Lesen Sie hierzu auch ein Interview von Landesbischöfin Heike Springhart mit dem EPD-Südwest
 
Informationen zum Rahmenprogramm finden Sie unter www.karlsruhe2022.de
 
Informationen zur Vollversamlung des ÖRK finden Sie unter