Mut und Vertrauen

Ilka Sobottke
Um Grenzen zu überwinden, braucht es Mut und Vertrauen
Für viele gehört das im Urlaub dazu: über Grenzen gehen, in andere Länder fahren, auch persönliche Grenzen überschreiten.
Die Geschichte eines ganz besonderen Grenzgängers ist mir in diesem Urlaub begegnet.
Es geht um Thor Heyerdahl.
Zuerst habe ich eine Reportage gehört und gedacht, ach der war auch Norweger! Dann habe ich in Oslo ein wunderschönes kleines Museum entdeckt, extra für ihn und seine Grenzen überwindende Geschichte.
Vor 75 Jahren ist Thor Heyerdahl mit einem Floß aus Balsaholz 101 Tage lang über 6.980 Kilometer auf dem Humboldtstrom von Peru bis nach Polynesien getrieben. So hat er bewiesen, dass Menschen schon vor Kolumbus über die Ozeane segeln konnten und dass die Südseeinseln von den Inka besiedelt sein könnten.
Thor Heyerdahl hat einen Satz gesagt, der mich sehr berührt hat und der für unsere Zeit vielleicht wichtiger ist als je: „Grenzen? Hab ich nie gesehen. Aber ich habe gehört, dass sie in den Köpfen mancher Menschen bestehen.“
Im Kon-Tiki-Museum, da kann man dieses Floß, eben die Kon Tiki, heute noch besichtigen. Mich hat daran beeindruckt, wie viel Mut und Vertrauen Thor Heyerdahl damals hatte. Er ist ohne technisch hochgerüstete Begleitschiffe losgefahren. Gerade mal sechs Leute waren die Mannschaft. Sie waren nur mit einem Kompass, einem Sextanten und vier Funkgeräten ausgestattet. Kokosnüsse, Obst, Kürbisse, Wasser und Survivalnahrung hatten sie als Proviant dabei. Am Ende haben sie vor allem von frisch gefangenem Fisch und Regenwasser gelebt. Sie sind Monsterwellen und einem Walhai begegnet und haben Schlangenmakrelen entdeckt.
Grenzen – Thor Heyerdahl hat sich geweigert, sie zu sehen, wohl auch für sich selbst.
Er hat dafür auf Sicherheiten verzichtet und damit die Grenzen des Denkbaren verschoben. Diesen Mut und dieses Vertrauen, Grenzen zu überwinden, die wünsche ich mir auch für unsere Zeit.