Angekommen und angenommen

Blauer Hintergrund mit Logo der Interkulturellen Woche

Politik & Gesellschaft

Bis geflüchtete Menschen in Deutschland richtig ankommen, dauert es. Um den "Kulturschock" abzufedern, braucht es Begegnungen mit Menschen, die hier leben. Die Kapellengemeinde in Heidelberg ist so ein Ort der Begegnungen. Pedram Badakhshan ist 2011 als Geflüchteter aus dem Iran nach Deutschland gekommen und fand dort die „willkommene und begrüßende Atmosphäre“ einer badischen Kirchengemeinde.


Portrait von Pedram Badakhshan
Pedram Badakhshan
Durch seinen Onkel lernte er die Kapellengemeinde kennen. Gottesdienstbesucher und -besucherinnen kümmerten sich um ihn, hatten Geduld und beantworteten ihm seine Fragen. Der gemeinsame Glaube habe die sprachlichen Barrieren überwunden, so Pedram Badakhshan. „Die Kapelle war meine erste Anlaufstelle, wo ich zur Ruhe kommen konnte.“ - Auch Skepsis begegnete ihm, ob er zurecht Asyl beantragen dürfe, „aber niemals Zweifel an mir als Person“.

Pedram Badakhshan war in seinem Heimatland Künstler. Die Kapellengemeinde habe ihm ermöglicht, dass er sich mit seiner Kunst im Gottesdienst präsentieren konnte. „Ich bekam danach einen Riesenapplaus. Das tat gut“ so Badakhshan. Er habe gemerkt, „wenn ich der Gesellschaft etwas von mir zeige, werde ich angenommen. Das hat mich gestärkt.“
 
Willkommensgrüße von Mitgliedern der Kapellengemeinde
2015 stieg die Zahl der geflüchteten Menschen in Deutschland wieder an. Zu diesem Zeitpunkt hat Pedram Badakhshan studiert. „Ich fragte mich, was kann ich tun, damit andere hier gut ankommen können?“ Schließlich gründete er gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas Hillecke und dem Vorstandsteam der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. das Psychosoziale Zentrum Nordbaden für geflüchtete Menschen. Heute engagieren sich dort über 20 Mitarbeitende, die ca. 170 geflüchtete Menschen betreuen.
 
Badakhshan ist sich sicher: „Wenn ich nicht diese Willkommensbegegnungen in der Kapellengemeinde gehabt hätte, hätte ich mich komplett isoliert. Wenn ich mich isoliert hätte, hätte ich wahrscheinlich kein Studium geschafft und hätte nicht die Kraft gehabt, mich für andere Geflüchtete zu engagieren.“

„Interkulturelle Woche“ startet bundesweit in Heidelberg

Seit vielen Jahren wird unsere Gesellschaft durch Flucht und Migration vielfältiger. Menschen nicht in Schubladen zu stecken, sondern sie mit ihren individuellen Kompetenzen, Stärken und Bedürfnissen wahrzunehmen - so möchte die Interkulturellen Woche seit vielen Jahren das Zusammenleben fördern.
 
Die bundesweite Eröffnung der "Interkulturellen Woche" ist am Sonntag (25.09.2022) um 10.30 Uhr auf dem Karlsplatz in der Heidelberger Altstadt. Der Open-Air-Gottesdienst wird unter anderem von der badischen Landesbischöfin Heike Springhart, dem Freiburger Erzbischof Stephan Burger, Bischof Emmanuel von Christoupolis (Sfiatkos), dem Vikarbischof der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und Pastor Konstantin von Abendroth von der Vereinigung Evangelischer Freikirchen gestaltet. Beteiligt sind außerdem Vertreterinnen und Vertreter anderer Religionsgemeinschaften. Die Bestseller-Autorin Florence Brokowski-Shekete leitet durch den Gottesdienst, die musikalische Gestaltung übernehmen zwei Chöre.
 
Die jährlich stattfindende „Interkulturelle Woche“ möchte seit Mitte der 70iger Jahre Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen ins Gespräch bringen.
 
Weitere Veranstaltungen in der Landeskirche im Rahmen der „Interkulturellen Woche“ sind abrufbar unter www.ekiba.de/infothek/arbeitsfelder-von-a-z/flucht-migration-2/interkulturell/interkulturelle-woche/