Dankbar

Junge geht durch Getreidefeld

Glaube & Spiritualität

Wenn die Kirchen mit prächtigen Kürbissen, Broten, Obst und Gemüse geschmückt werden, dann wird Erntedank gefeiert. Auch wenn wir kaum selbst ernten und Lebensmittel in der Regel das ganze Jahr über verfügbar sind, ist es eines der beliebtesten Feste im Kirchenjahr.

Erntefeste gibt es in allen Kulturen und Religionen. Die ersten christlichen Erntedankfeste in der Kirche sind ab dem 3. Jahrhundert überliefert. Das Fest erinnert daran, dass wir alle vom Wachsen und Gedeihen der Natur leben und Nahrungsmittel nichts Selbstverständliches sind.
 
Aber Erntedank ist kein Überbleibsel aus einer Zeit, in der die meisten Menschen Bauern und Landwirte waren und den Zusammenhang von Saat und Ernte unmittelbar erfahren haben. Im Gegenteil: es ist brandaktuell, denn es bietet auch Raum für die großen ökologischen Fragen, wie wir mit der Natur und der Umwelt umgehen, wie wir fair und nachhaltig produzieren.

Dankbarkeit üben

Dass alles, was wir zum Leben brauchen, nicht nur erwirtschaftet und von uns Menschen gemacht ist, sondern geschenkt wird – für diese Sicht wirbt der Erntedanktag. Und dass wir dafür dankbar sein können.
Dankbarkeit fällt jedoch nicht vom Himmel. Sie kann aber geübt werden. Dass sich das lohnt, belegen viele Studien. Auch Ursula Bank, die landeskirchliche Beauftragte für Psychologische Beratung kann das bestätigen: „Dankbarkeit ist zwar kein Königsweg oder gar Allheilmittel, aber wer Dankbarkeit aus dem Herzen erfährt, fühlt sich zufriedener, verbundener mit anderen und dem Leben überhaupt, ist hilfsbereiter und zuversichtlicher. Dazu lassen sich kleine Übungen in den Alltag integrieren, wie zum Beispiel ein Dankestagebuch, in das ich am Ende eines Tages notiere, was heute war und wofür ich dankbar sein kann.“ Je nach Prägung sind die Anlässe sich dankbar zu fühlen, sehr unterschiedlich, aber für Ursula Bank ist Dankbarkeit „etwas Kostbares, das zum Leben von uns Menschen gehört, weil wir stets auch Empfangende von Gaben sind, die wir uns nicht selbst schenken können.“

Auf der Suche

Die Dürre des Sommers, der anhaltende Krieg in der Ukraine – nur zwei Beispiele dafür, dass es momentan gar nicht so einfach ist, dankbar zu sein. Wo Pfarrerin Nina Roller der Dankbarkeit näher kommt, sehen Sie hier:
 

Mensch, Natur und Gott

Mit dem Erntedankfest erinnern evangelische und katholische Christ:innen an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur. Es soll deutlich machen, dass der Mensch die Schöpfung Gottes nicht unter Kontrolle hat, sondern selbst Teil der Schöpfung ist.
Erntedank wird in der Regel am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Lange Zeit gab es keinen einheitlichen Festtermin, weil die Ernte nicht überall zur selben Zeit eingebracht wurde.
In vielen Gemeinden sind Kinder in das Erntedankfest einbezogen. So kommen die Zyklen des Jahreslaufes und der Nahrungsproduktion auch für sie in den Blick.