Worte finden

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Thomas Weiß

Über Wortfindungsstörungen und Gottes Wort zur rechten Zeit

Kennen Sie das auch, so … Dings – so, ähm … na … so, ach ja: Wortfindungsstörungen?
Hab ich manchmal. Wenn mir was auf der Zunge liegt, aber partout nicht davon runter will; wenn ich („Moment, ich hab’s gleich!“) einfach nicht drauf komme, was ich gerade sagen wollte („Nee, fällt mir im Moment nicht ein!“) – und es sind nicht mal schwierige, komplizierte Fremdworte („a posteriori“, „Dysphorie“, „Quisquilie“), sondern oft genug die Dinge des Alltags: „Ich muss das mal zuschneiden, du, haste mal ‘ne … Dings?“
 
Es ist schrecklich, peinlich, mühselig und ich frag mich ab und an, ob die Altersdemenz langsam einsetzt (Was nicht lustig ist für die, die’s wirklich trifft.)? Gerne wäre ich in jeder Situation, bei allen Gelegenheiten um Worte nicht verlegen, aber bin es doch immer wieder.
 
Wortfindungsstörungen – kenn ich noch in ganz anderer Weise: Wenn ich Bibel lese – was der Mensch ja ab und an gerne tut – finde ich da Worte, die mich stören.  Worte, die mich aufrütteln, die mich mahnen, die mir den Perspektivwechsel empfehlen. „Kehrt um!“ zum Beispiel, oder: „Sag ja, sag nein, alles andere tut nicht gut!“. Ihnen fallen da bestimmt auch Worte ein, die ganz schön treffen, irritieren oder herausfordern können; die Sie nicht in Ruhe lassen.
 
Und diese Art von Wortfindungsstörungen gibt es auch: Bisweilen findet mich, wenn mein Leben zutiefst gestört ist, ein Wort: „Fürchte dich nicht!“, „“Hoffnung ist nicht umsonst!“, „Sei getrost!“. Das sind Worte, die Gott für mich findet, wenn mir die Angst die Brust eng macht, wenn ich zu verzweifeln drohe, wenn ich untröstlich bin.
 
Gott hat das ganz offensichtlich nicht: Wortfindungsstörungen. Er spricht das rechte Wort zur rechten Zeit. Mal brauch ich Wegweisung, mal eine Ermutigung, ab und zu eine Kopfwäsche, hin und wieder eine kleine Erinnerung. Gott wird nicht müde, mich mit seinen Worten zu bedenken – und zu beschenken; denn, was immer er zu sagen hat: Es hilft. Und er sagt’s fast nie durch die Blume, sondern grad heraus. Und ich muss irgendwie umgehen damit. Vielleicht macht das das Studium biblischer Worte manchmal so aufreibend: Sie sind gewichtig, können sogar bissig sein, konkret sind sie und fordern mein Mitdenken und Nachsinnen – das mag mühsam sein, aber es sind doch Worte, die was taugen.
Und ich darf auch Worte suchen und finden, wenn mich etwas stört an ihm, an Gott und seinen Worten: Fragen, Klagen, Vorwürfe gar. So sprechen Freundinnen und Freunde miteinander.