Ich mache da nicht mehr mit!

trennung impossible zu im possible

Wibke Klomp

Veränderungen beginnen bei mir

Am 3. November 1918 haben Matrosen in Kiel die Beendigung des 1. Weltkrieges gefordert. Junge Männer haben gegen den Krieg und die bestehenden Machtverhältnisse gemeutert. Ihnen war klar, dass ihre Niederlage nur noch eine Frage von Tagen oder Stunden ist. Weiterzukämpfen - weiter zu sterben, dazu waren sie nicht bereit. Das hat mich als Schülerin im Geschichtsunterricht beeindruckt, denn ihr Protest ist nicht ohne Risiko gewesen. Der „Kieler Matrosenaufstand“ hat sieben Tote gefordert, zahlreiche Verletzte dazu. Aber der Aufstand der Kieler hat damals Wellen geschlagen und andere ermutigt zu protestieren. Er ist ein Baustein auf dem Weg zum Kriegsende am 11. November gewesen.
 
Ich wünsche mir, dass an den Kriegsschauplätzen unserer Zeit Männer wie Frauen auf beiden Seiten ihre Waffen ablegen oder auf die Straße gehen und sagen: „Es reicht! Wir haben erkannt, dass das, was wir gerade miteinander tun, sinnlos ist. Da machen wir nicht länger mit!“. Um sich aus einer Sache, die am Laufen ist, herauszuziehen, muss man meiner Erfahrung nach ganz schön mutig sein und auch etwas riskieren. Das ist nicht ohne, da mache ich mir nichts vor. Manchmal resigniert man auch. Das gilt im großen Weltgeschehen wie im Alltag vor meiner eigenen Tür. „Das isch halt so!“ sagt man im Südbadischen, wenn ein Zustand nicht veränderbar scheint. Ich merke, dass ich mich mit diesem „isch halt so“, je älter ich werde, immer schwerer tue. Manches möchte ich anders haben, anders leben, auch wenn es auf den ersten Blick schwer zu ändern scheint.
 
Ich habe mir vorgenommen, etwas mutiger durch mein Leben zu gehen. Ich möchte mehr auf meinen inneren Kompass hören als es anderen rechtzumachen. „Sei getrost und unverzagt. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht“, heißt es in der Bibel (Josua 1,9). Dieses Wort gefällt mir; ich will es mir zu Herzen nehmen und beginnen, es im Kleinen umsetzen. Denn Veränderungen beginnen bei mir, ich kann sie nicht von anderen einfordern. Mit den Fingern auf andere zu zeigen, ist leicht, selbst etwas wie die Kieler Matrosen zu wagen, ist etwas ganz anderes.
 
 
  

Wibke Klomp

Dekanin im Kirchenbezirk Wertheim