Trauer und Trost

rote rose und Bäume

Es ist ein grauer Novembernachmittag. Neblig und nasskalt, einer der ersten wirklich kalten Tage in diesem Herbst. Auf dem Weg in die Stadt mache ich an einer Coronatest-Station Halt. Denn ohne tagesaktuellen Negativtest darf ich nicht in die Klinik. Ich will meinen Onkel Karlheinz besuchen, der dort schon seit sieben Wochen schwerkrank liegt. Ich weiß, dass es der letzte Besuch sein wird. Es ist nicht das erste Mal, dass ich das erlebe und vielleicht ist es Ihnen auch schon so ergangen. 

Auf den 20 Minuten Fahrt in die Stadt kommen mir alle möglichen Gedanken. Ich erinnere mich an das quälend lange Sterben meines Vaters, an das laute Aufschluchzen meiner Mutter als die Bestatter den Sargdeckel schlossen und den Sarg aus dem Haus trugen. Die Tränen schießen mir in die Augen.  
 
Ich überlege, was mich getröstet hat in dieser schweren Zeit und was ich vielleicht meinen Cousinen mit auf den Weg geben kann, die gerade im Begriff sind ihren Vater zu verlieren. Ich war froh, dass ich nicht allein war mit meinem Schmerz und dass wir in der Familie alle füreinander da waren und uns gegenseitig trösten konnten.  
 
Doch noch etwas Anderes war wichtig: Wir konnten in einer Trauerfreier Abschied nehmen. Angehörige, Freunde und Bekannte waren da. Trauerkränze, Blumengebinde und viele Kerzen schmückten die Trauerhalle. Der Pfarrer erzählte aus dem Leben von Papa. Die Trauergemeinde hat gemeinsam gebetet. Für mich war das sehr tröstlich.  
 
Doch was ist mit den Verstorbenen, die keine Angehörigen mehr haben oder deren Familie sich keine aufwändige Beerdigung leisten kann? Für sie bleibt meistens nur die sogenannte anonyme Bestattung. Dabei wird die Urne in einem Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof beigesetzt. Nur die Bestatter sind dabei. Kein Kreuz. Kein Grabstein. Nur die Friedhofsverwaltung kennt die eigentliche Grabstätte.  
 
Um anonym Bestatteten zu gedenken und Angehörigen und Bekannten, die Möglichkeit zu geben, sich zu verabschieden, gestalten die evangelischen und katholischen Kirchen in Mannheim viermal im Jahr eine Gedenkfeier. Im Filmbeitrag sehen Sie, wie Pfarrerin Anne Ressel eine solche Andacht gestaltet. Besonders bewegt hat mich das Interview mit einer Frau, die sich hier von ihrer verstorbenen Mutter verabschiedet hat.   
 
 
Auch in vielen anderen Orten in Baden finden solche Gedenkfeiern statt.  
 
Onkel Karlheinz ist am Tag nach meinem Besuch im Beisein seiner Lieben verstorben. In der nächsten Woche wird er beerdigt.  Die ganze Familie und viele Freunde werden dabei sein und ihm das letzte Geleit geben.  
 
Unter www.trauernetz.de können Sie Verstorbenen online gedenken und Gedenkseiten anlegen. Trauernetz ist ein Angebot der Evangelischen Kirche.