Zuhören und sensibel sein

Lebensfragen & Lebenformen
Die Zahl erschreckt mich. Jede dritte Frau ist in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Also mehr als zwölf Millionen Frauen. Was kann ich tun, wenn sich mir jemand anvertraut oder ich selbst Opfer werde? Anregungen finde ich bei Instagram.
Menschenrechte sind auch im 21. Jahrhundert kein selbstverständliches Gut. Eine der am häufigsten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen der Welt ist Gewalt gegen Frauen. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen am 25. November wurden folgende Zahlen veröffentlicht: alle 45 Minuten wird eine Frau in Deutschland durch ihren (Ex-)Partner gefährlich körperlich verletzt. Jeden dritten Tag tötet ein Mann seine (Ex-)Partnerin. Und das sind nur die bekannten Fälle, die Dunkelziffer wird als hoch eingeschätzt.
Formen der Gewalt
„Gewalt beginnt nicht erst mit Schlägen“, sagt Christiane Schuhen. Sie ist Fachreferentin für Frauen und Gesundheit bei den Evangelischen Frauen in Baden. Gewalt kann auch psychisch (Drohungen, Beleidigungen, Demütigungen) oder sozial (Verbot bzw. Kontrolle von Kontakten) ausgeübt werden. Zu sexualisierter Gewalt gehören auch frauenfeindliche Sprache und anzügliche Blicke. Die Formen digitaler Gewalt über Handy oder Internet und per E-Mail nehmen zu.
Die UN-Kampagne „Orange The World“ macht seit 1991 auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam. Die Evangelischen Frauen in Baden beteiligen sich in diesem Jahr mit einer Social-Media-Kampagne bei Instagram und Facebook. Sie zeigen zehn Möglichkeiten, sich gegen Gewalt an Frauen und Mädchen einzusetzen.
Was kann ich tun?
Zuhören und das glauben, was mir erzählt wird. Das ist der erste Schritt. „Sensibel sein für die Anzeichen von Gewalt und vorsichtig nachfragen“, hält Christiane Schuhen ebenfalls für besonders wichtig. „Die Anzeichen zu erkennen ist aber nicht leicht, weil sie sehr individuell sind.“ Wenn eine Freundin sich immer weiter zurückzieht, kann das ein Hinweis sein oder „Wenn sie immer von ihrem Freund oder Mann angerufen wird, sobald wir gemeinsam unterwegs sind.“
Kostenlose Beratung rund um die Uhr bietet das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (0800116016) Betroffene und Angehörige aller Nationalitäten können sich telefonisch und per Chat melden. Bei unmittelbarer Gefahr ist die Polizei über die kostenlose Notrufnummer 110 erreichbar.
Und ich? Ich kann auch etwas verändern, indem ich mit Familienmitgliedern, Freund:innen und Kolleg:innen spreche und diskutiere. Schließlich soll die leuchtende und optimistische Farbe Orange auch wirklich für eine Zukunft frei von Gewalt gegen Frauen und Mädchen stehen.
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