Es ist Donnerstagabend, halb sechs. „Willst du noch Brot zur Suppe?“ Teller, Gläser, Tassen und Besteck werden auf dem großen runden Esstisch hin- und hergeschoben, Stühlerücken, „Kommt ihr bitte auch zum Essen?“
Gemeinsames Abendessen in einer warmen Umgebung. Die fünf Kinder und drei Erwachsenen sitzen nicht zu Hause am Esstisch, sondern im DiakoniePunkt Dillweißenstein. Hier gibt es seit kurzem alle zwei Wochen den „Suppenabend mit Spiel und Begegnung“ – einer von vielen Orten im #wärmewinter von Evangelischer Kirche und Diakonie.
#wärmewinter - Ein Beispiel aus Pforzheim

Beratung & Seelsorge & Diakonie
Yasmin ist mit ihren Kindern da. Sie kennt schon einige Familien-Angebote des DiakoniePunktes. „Als ich gehört hab, dass es das gibt, war mir sofort klar: da gehe ich hin. Da wusste ich noch gar nicht, dass es sogar kostenlos ist. Ein Abend ohne Kochen und hinterher das Geschirr versorgen müssen: perfekt!“ Während die einen noch essen und manche schon im Nebenraum spielen, öffnet sich immer wieder mal die Tür. „Wir rücken zusammen, hier ist noch Platz am Tisch.“ „Oh ja, gerne!“ oder „Nein danke, wir gehen an den Tisch da drüben.“
Gasverbrauch senken, Energie sparen, Kosten senken - wenn die Temperaturen fallen, wird es für viele ein Winter, der kälter wird als in den vergangenen Jahren. Unter der Überschrift #wärmewinter wollen Kirche und Diakonie mit gemeinsamen Aktivitäten und Angeboten vor Ort ein sichtbares Zeichen gegen soziale Kälte und für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe setzen. Eines dieser lokalen Angebote ist der „Suppenabend“ in Dillweißenstein, ein Stadtteil von Pforzheim.
Wer mit wem am Tisch zusammensitzt, ist jedes Mal anders. Daraus ergeben sich auch die Gesprächsthemen: „Wo ist eigentlich dein Sohn?“ „Der war krank und ist noch nicht fit genug.“ Die Kinder am Tisch erzählen, wie viele Kinder bei ihnen in der Schule oder im Hort im Moment nicht kommen können - so viele sind krank. Die Preise auf dem Weihnachtsmarkt, die für Familien mit Kindern nicht machbar sind, Coronatests und die Frage danach, wer eigentlich die Anträge auf die Zahlung des Kinderbonus verstehen soll: die Themen am Esstisch bringen auf den Tisch, was die Menschen im Stadtteil bewegt.
Sebastian, einer der Ehrenamtlichen an diesem Abend, nennt einen der Gründe für die Angebote des DiakoniePunktes: „Es wohnen 6.000 Menschen hier im Stadtteil, aber wo sieht man mal jemanden?“ Im Supermarkt, in den anderen Geschäften, die es hier im Stadtteil noch gibt, und in den Vereinen begegnen sich Menschen. Aber eine Befragung im Stadtteil habe gezeigt: die Menschen wollen noch mehr Begegnungsräume, sich austauschen, über die Themen, die für sie wichtig sind.
„Warum kommt ihr eigentlich hierher?“ Die Kinder rufen Antworten quer durch den Raum: „Weil es hier was zu essen gibt!“, „Weil ich mit Freunden spielen kann“, „Weil Sebastian hier ist.“, „Weil es Spaß macht.“ Für Yasmin sind die Abende hier wie „Familienabende unter Freunden“. Alle am Tisch sind sich einig: sie hätten gerne, dass es „Suppenabend mit Spiel und Begegnung“ auch im nächsten Jahr gibt.
Ein Kennzeichen der Arbeit in den DiakoniePunkten geschieht hier am großen runden Esstisch fast schon nebenbei: wer reinkommt erkennt erst mal gar nicht, wer hier mitarbeitet und wer „zu Besuch“ ist. Alle sitzen gemeinsam an den Tischen und tauschen sich zu den unterschiedlichsten Themen des Abends aus. Hier werden nicht nur Angebote für Menschen geschaffen, sie werden mit den Menschen entwickelt. So wird auch gemeinsam über die Fortsetzung der Suppenabende diskutiert. Wenn die Suppenabende weiter gehen sollen: wen gibt es im Stadtteil, der auch mal Suppe kochen könnte? Wer könnte wen fragen? Weiß jemand, ob es noch Projektgelder beim #wärmewinter gibt?
Die vielen Themen des Abends – es gibt nicht für jede offene Frage gleich eine Lösung. Aber am Ende der zwei Stunden sind alle satt. Die Kinder nutzen den Platz zum Toben und haben viel Spaß zusammen. Die Erwachsenen können sich austauschen, über das, was sie im Alltag beschäftigt und gemeinsam nach Möglichkeiten suchen, im Stadtteil etwas zu verbessern. Das kalte Winterwetter draußen, die Krankheitswelle, der Krieg, die Energiekrise und die großen und kleinen Probleme im Stadtteil sind nicht weg. Aber den #wärmewinter spüren alle, auch nachdem die heiße Suppe schon lange gegessen ist.
In den Pforzheimer DiakoniePunkten gibt es eine enge Kooperation zwischen Diakonie, Pfarrgemeinde und weiteren Akteuren, um bedarfsorientiere Angebote für die Menschen im Stadtteil umzusetzen: www.diakonie-pf.de/abteilung-gemeinwesendiakonie
Weitere Aktionen im Rahmen des bundesweiten #wärmewinter finden Sie unter www.diakonie.de/waermewinter/#c25260

