Wer mehr weiß, hat weniger Vorurteile

Kennen Sie eine Jüdin oder einen Juden? Was wissen Sie über ihren Alltag? Das Projekt „Meet a Jew“ des Zentralrates der Juden in Deutschland ermöglicht persönliche Begegnungen und Einblicke in die Vielfalt des jüdischen Lebens in Deutschland. Wer Jüdinnen und Juden schon einmal persönlich getroffen hat, ist weniger anfällig für antisemitische Vorurteile. Davon sind die Verantwortlichen von „Meet a Jew“ überzeugt. Als der Gengenbacher Pfarrer Moritz Martiny zufällig einen Zeitungsartikel über „Meet a jew“ liest, ist ihm klar: „Das ist etwas für uns.“
Es ist der Tag, an dem die Vorschlagsfrist für die Verleihung der Hermann-Maas-Medaille endet. Mit der Verleihung einer Medaille in Erinnerung an Prälat Hermann Maas würdigt die Evangelische Kirchengemeinde Gengenbach seit 1994 das Engagement von Menschen oder Institutionen, die sich um die Verständigung und Versöhnung zwischen Religionen und Völkern – insbesondere zwischen Deutschen und Israelis bzw. Juden und Christen verdient gemacht haben.
Die Jury ist sich schnell einig, dass „Meet a jew“ die Medaille erhalten soll.
Im Dezember 2022 kommt es dann endlich zu einer Begegnung mit zwei jungen jüdischen Frauen aus Stuttgart und Rastatt und einer Gruppe von Konfirmandinnen und Konfirmanden in Gengenbach.
Die beiden Mitzwanzigerinnen kommen einfach so: ohne Gebetsbuch oder anderes Anschauungsmaterial.
„Jetzt ist eure Chance, Fragen zu stellen“, eröffnen sie die Runde. Und die Konfis stellen Fragen. Viele Fragen. Zum koscheren Essen beispielsweise, oder zur Vereinbarkeit von Arbeitszeiten mit den jüdischen Feiertagen. Ob sie auf viele Vorurteile treffen oder ob man Nachteile hat, als Jüdin in Deutschland. Alle Fragen werden geduldig beantwortet. „Die Konfirmandinnen und Konfirmanden haben alles, was die beiden erzählt haben, förmlich aufgesogen. Es war toll.“ sagt Moritz Martiny. Auch die Konfirmandeneltern und andere Menschen aus der Gemeinde seien sehr daran interessiert, mehr über jüdisches Leben in Deutschland im 21. Jahrhundert zu erfahren. Deshalb plant er schon die nächsten Begegnungen.
Zur Person:
Hermann Maas wurde 1877 als Sohn des damaligen evangelischen Pfarrers in Gengenbach geboren. In seiner Zeit als Pfarrer an der Heiliggeist-Kirche in Heidelberg wurde er zwischen 1933 und 1945 unter großem persönlichen Einsatz zum Helfer und Retter für zahllose jüdische Menschen. Dafür wurde er 1950 als erster Deutscher nach dem Krieg vom Staat Israel eingeladen. Bis zu seinem Tod 1970 engagierte er sich für die Versöhnung zwischen Juden und Christen. In der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erinnert der erste Baum in der „Allee der Gerechten“ an das mutige Eintreten des badischen Pfarrers für die Menschlichkeit.
Hermann Maas wurde 1877 als Sohn des damaligen evangelischen Pfarrers in Gengenbach geboren. In seiner Zeit als Pfarrer an der Heiliggeist-Kirche in Heidelberg wurde er zwischen 1933 und 1945 unter großem persönlichen Einsatz zum Helfer und Retter für zahllose jüdische Menschen. Dafür wurde er 1950 als erster Deutscher nach dem Krieg vom Staat Israel eingeladen. Bis zu seinem Tod 1970 engagierte er sich für die Versöhnung zwischen Juden und Christen. In der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erinnert der erste Baum in der „Allee der Gerechten“ an das mutige Eintreten des badischen Pfarrers für die Menschlichkeit.
Die Hermann-Maas-Medaille wurde am 26. Januar 2023 in der evangelischen Kirche in Gengenbach verliehen. Die Laudatio hielt Landesbischöfin Heike Springhart. Mehr dazu lesen Sie in der Pressemeldung:
Junge Menschen begegnen dem jüdischen Glauben - Verleihung der Gegenbacher Hermann-Maas-Medaille an "Meet a jew"
Junge Menschen begegnen dem jüdischen Glauben - Verleihung der Gegenbacher Hermann-Maas-Medaille an "Meet a jew"
„MEET A JEW“ IN WEINHEIM
Im Frühjahr 2022 waren Miriam und Benny von „Meet a jew“ im Religionsunterricht der 9. Klasse der Friedrich-Realschule in Weinheim zu Gast.
Sehen Sie im Videobeitrag Eindrücke von ihrem Besuch bei den Schülerinnen und Schülern in Weinheim.
Weitere Informationen zu "Meet a jew"
