Aufräumen

Staubsauger mit durchsichtigem Behälter

Wibke Klomp

Das Leben auf Vordermann bringen

Sie werden es kaum glauben: Ich habe ein Lieblingshaushaltsgerät. Das ist unser Staubsauger. Wir haben so ein Modell, bei dem alles, was eingesaugt wird, auch von außen zu sehen ist. Manchmal staune ich nur, was da so alles zusammenkommt, wenn ich unter den Sofas und den Teppichen sauge. Neben Bergen von Staub auch jede Menge Keks- und Chips-Krümel, gerade nach den Feiertagen, vorher war das alles gar nicht so sichtbar. Manchmal würde ich gerne mit dem Staubsauger nicht nur das Wohnzimmer saugen, sondern auch das Leben. Aller Schmutz und Dreck, alle Probleme wären Rucki Zucki weg.  
 
Naja, letzten Endes bleibt ein Staubsauger ein Staubsauger. Das Leben, vor allem mein Leben, muss ich schon selbst auf Vordermann bringen. Es nützt nichts, wenn ich glaube, dass andere für mich die Dinge angehen, die sich in meiner Seele aufstauen. Die Probleme auf der Arbeit, der Streit in der Familie, der Ärger mit der Freundin – sie lösen sich nicht von allein auf.  Vielleicht weiß der ein oder andere gar nicht, das ich da ein Problem habe.  Hier und da unter den eigenen Seelenteppich zu schauen, lohnt sich. 
Dass alle miteinander nur ein Herz und eine Seele sind, ist meiner Erfahrung nach unrealistisch.  Dazu sind wir Menschen zu unterschiedlich. Es ist normal und im Grunde auch gut, dass man sich auch einmal streitet. Wir sind eben verschieden, ticken ganz und gar unterschiedlich. 
 
Die Zwillinge Jakob und Esau haben nach der biblischen Überlieferung schon vor der Geburt kräftig miteinander gerangelt und noch als erwachsene Männer. Es hat lange gebraucht, bis sie ihr Miteinander geklärt haben. (1. Mose 25-28)
Ich finde es gut, wenn man es wagt, solche Situationen anzusprechen.  Im besten Fall gelingt es, das, was gewesen ist, gemeinsam anzuschauen, und kann es klären. Hier und da stellt sich dann raus, etwas wurde vielleicht einfach falsch verstanden, anderes war leider genauso gemeint. 
 
Dieses offene Ringen miteinander kann hilfreich sein. Ich lerne mich selbst in einem Streit immer auch ein wenig besser kennen. Und wenn es zu keiner Klärung kommt? Dann habe ich es probiert, mehr geht nicht. Denn wenn man Konflikten ausweicht, sie einfach nur unter dem eigenen Teppich lässt, fällt man selber darüber.
 
  

Wibke Klomp

Dekanin im Kirchenbezirk Wertheim