Humor in der Kirche?

Sie kennen das wahrscheinlich auch: Wenn es um die Fastnacht, den Karneval oder Fasching geht, scheiden sich die Geister. Da gibt es die überzeugten Närrinnen und Narren, die bis zum Aschermittwoch aus dem Schunkeln und Feiern gar nicht mehr herauskommen und die „Fastnachtsmuffel“, die dem närrischen Treiben kopfschüttelnd zusehen. Viele evangelische Christinnen und Christen halten nichts von den ausgelassenen Feiern, wie sie zum Beispiel im katholisch geprägten Rheinland üblich sind. Das mag daran liegen, dass der Reformator Martin Luther den Fasching seinerzeit sogar verboten hatte. Aber wie sieht es denn überhaupt aus, mit dem Humor in der evangelischen Kirche?
Mit der Fastnacht kann auch Theo Leonhard wenig anfangen: zu derb und zu alkoholgeschwängert sei sie. Humor und Fröhlichkeit in der Kirche dürfen aber sein, das ganze Jahr über. Für Menschen, die den pensionierten Pfarrer kennen, ist er ein Experte in Sachen Humor.
In seiner Zeit in Bretten hat Leonhard sogar einen Humorausschuss in seiner Gemeinde gegründet. Durch ein Missgeschick hat er erkannt, dass Humor einen Gottesdienst positiv beeinflussen kann. „Ich habe bei einer Konfirmation meine Bibel zuhause vergessen. Natürlich hätte ich mir schnell irgendwo eine Bibel organisieren können. Aber ich habe mich entschlossen, das zuzulassen. In der Begrüßung im Gottesdienst habe ich mich an die Konfirmanden gewandt: Stellt Euch vor was mir heute passiert ist, so oft habe ich mit Euch geschimpft, wenn ihr was vergessen habt und ausgerechnet heute habe ich meine Bibel vergessen. Diese Kleinigkeit hat sehr viel zu einem entspannten und geradezu fröhlichen Gottesdienst beigetragen. Deshalb habe ich irgendwann beschlossen, gezielt Humor und Fröhlichkeit im Gottesdienst zu fördern.“
Leonhard geht es dabei nicht ums „Witze reißen“. Er ist überzeugt davon, dass schon kleine Formulierungen zur Fröhlichkeit beitragen können, ohne dass dabei der Tiefgang des Gottesdienstes verlorengeht.
Dazu gehört für ihn auch, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Stattdessen lieber authentisch und spontan zu reagieren: „Heute ist so oft die Rede von professioneller Distanz. Aber wenn man in einem Gottesdienst seinen Glauben vertritt, ist es schwierig distanziert aufzutreten.“
Eine weitere Erfahrung hat ihn in seinem Weg bestärkt. Seit er Humor und Fröhlichkeit zulässt und gezielt einsetzt, empfindet er andererseits auch Trauer stärker: „Authentisch in der Freude und im Schmerz sein, hat dem Humor und der Empathie auch in schwierigen Lebenslagen gutgetan.“
Es gibt allerdings auch Situationen, in denen Humor nicht angebracht ist, etwa angesichts der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und in Syrien. „Wenn ich in so einer Situation krampfhaft Humor in den Gottesdienst bringen will, ist das zynisch.“
Spaß hat seine Grenzen, findet Leonhard. Wenn Menschen diskriminiert werden, hört der Humor für ihn auf. Auch wenn sich jemand durch Scherze auf Kosten anderer profilieren will.
„Über sich selbst lachen können, ist die Königsdisziplin im Humor, und mit anderen gemeinsam lachen, ist noch besser“, schmunzelt er.
Zur Fastnacht wird er sich die ein oder andere Büttenrede im Fernsehen ansehen und dabei bestimmt auch laut lachen.