Bleiben Kirchen in Baden kalt?

Kirchen & Kunst
Energie sparen und Kosten senken - schon im Herbst 2022 haben Landeskirchen und Bistümer in Deutschland dazu aufgerufen, Kirchen im Winter so wenig wie möglich zu heizen. Das führte vor Weihnachten zu Schlagzeilen wie „Kirchen bleiben im Winter kalt“ oder „Gläubige müssen sich warm anziehen“. Auf was müssen sich Gottesdienst- und Konzertbesucher:innen künftig einstellen? Was wird in der Evangelischen Landeskirche in Baden überlegt und geplant?
Ein kühler Morgen Ende Januar 2023. Architektinnen und Architekten versammeln sich zusammen mit Interessierten an Umwelt- und Energiefragen in der Dorfkirche in Bretten-Ruit. Die Evangelische Landeskirche in Baden hat zu einem ökumenischen Fachtag zum Thema „Körpernahe Erwärmung in Kirchen – weg von der Warmluftheizung“ eingeladen. Der Ort ist bewusst gewählt, denn die Kirche in Ruit ist mit einer neuen Infrarot-Unterbankheizung ausgestattet. Die Anwesenden spüren an diesem Morgen, wie die Wärme da ankommt, wo sie sitzen.
Körpernahe Erwärmung für Kirchenbesucherinnen und -besucher bieten auch akkubetriebene Heizkissen. Ursprünglich wurden sie für die Außen-Gastronomie entwickelt. Inzwischen sind schon einige Kirchen damit ausgestattet. Auch die Heizkissen werden in Ruit vorgestellt.
Auf dem Weg zur Klimaneutralität
Die Herausforderungen für die Kirchengemeinden in Baden sind groß. Explodierende Energiepreise und unüberschaubare Mehrkosten müssen gestemmt werden. Besucherinnen und Besucher sollen sich in kirchlichen Gebäuden aber trotz aller Sparmaßnahmen wohlfühlen. Und es gibt ambitionierte Klimaschutzziele: alle Gebäude der badischen Landeskirche sollen bereits bis 2040 klimaneutral sein.
„Klimaneutralität in Kirchen ist zurzeit DAS Thema“, sagt Jochen Rapp einführend. Er leitet die Abteilung Bau, Kunst und Umwelt der Evangelischen Landeskirche in Baden. Am Anfang aller Überlegungen steht für ihn die Klärung, „welches Gebäude in die Zukunft geht und welches nicht.“ Er berichtet vom sogenannten „Ampelprozess“: Gemeinden müssen ihre Gebäude bis Ende 2023 als rot, gelb oder grün definieren. Nur die grünen Gebäude haben eine langfristige Perspektive und kommen für Maßnahmen zur Klimaneutralität in Betracht.
Kirchen sind klimatechnisch komplizierte Gebäude. Das hängt mit ihrer Größe, ihrem Alter und ihrer Nutzung zusammen. Welche Heizung in welcher Kirche sinnvoll ist, das beschäftigt auch die ökumenische Arbeitsgruppe „Erneuerbare Energien in Kirchen“. Für Christiane Kotte, Mitglied dieser Arbeitsgruppe, ist klar: „Die Umstellung auf körpernahe Heizsysteme ist einer der Bausteine auf dem Weg zur Klimaneutralität.“
Was empfiehlt die Landeskirche?
Im Erzbistum Köln hat im September 2022 die dringende Empfehlung an alle Gemeinden, Kirchenheizungen in den kommenden Monaten ganz auszuschalten, für Aufsehen gesorgt. Davon berichtet Dr. Christian Weingarten, Umweltbeauftragter des Erzbistums Köln.
So weit geht die Evangelische Landeskirche in Baden nicht. Sie rät Gemeinden zunächst, die Heizungssteuerung zu optimieren, Energieverbräuche zu erfassen und zu senken. Dabei unterstützt das Büro für Umwelt und Energie (bue@ekiba.de).
Sehen Sie hier die Energiespartipps für Kirchengemeinden und Privatpersonen vom Energieexperten der Evangelischen Landeskirche in Baden Felix Schweikhardt:
Gibt es sonst noch Sparpotential?
Kirchliche Gebäude sind ein großer Schatz, ihr Erhalt aber für so manche Gemeinde auch eine Last. Viele benachbarte Gemeinden überlegen in sogenannten „Kooperationsräumen“ wie sie Kirche sein wollen und welche Gebäude sie dafür benötigen. Wie das gelingen und was daraus werden kann, zeigt der Film "Die Zukunft unserer Häuser in der Ev. Landeskirche in Baden".