Den Überblick bewahren

Straßenkarte gefaltet

Axel Ebert

Wie gehen Sie durch’s Leben? Sind Sie eher Typ „Straßenkarte“ oder Typ „Navi“?

Wenn ich mich in mein Auto setze, dann schalte ich als erstes mein Navi ein. Vor allem, wenn ich in eine Stadt fahren muss, die ich nicht kenne. Mein Navi führt mich sicher ans Ziel. Auf dem kleinen Bildschirm ist zu sehen, wann ich das nächste Mal abbiegen und welche Straße ich benutzen muss. Und zusätzlich sagt mir eine freundliche Stimme: „In 200 Metern rechts abbiegen“ oder: „In 5 Kilometern die Autobahn verlassen“. 
 
Ich kann mich noch gut erinnern, wie das vor 20 oder 30 Jahren war. Da hatte ich noch kein Navi. Stattdessen eine Straßenkarte. Das war oft kompliziert. Ich musste die Straßenkarte auf der richtigen Seite auffalten, neben mir auf den Beifahrersitz legen und immer wieder anhalten, um herauszufinden, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. 
 
Doch einen Vorteil hatte die Karte: Sie hat mir nicht bloß die Straße gezeigt, auf der ich mich gerade befand, sondern die ganze Umgebung. Der Fluss, der etwas entfernt fließt, die Sehenswürdigkeiten der Stadt, und die vielen anderen Straßen um mich herum. Eine Karte gibt einen Überblick. Ein Navi zeigt immer nur den nächsten Schritt.
 
Manchmal denke ich: So unterschiedlich gehen wir Menschen auch durch unser Leben. Die einen suchen den großen Überblick. Sie wollen verstehen, warum die Dinge in ihrem Leben geschehen. Sie haben ein Ziel und das behalten sie im Blick. 
Anderen dagegen reicht es zu wissen, wie der nächste Schritt aussehen soll. 
 
Ich gehöre eher zu den Ersteren. Ich möchte gerne wissen, wohin mein Leben führt und welchen Sinn all die Dinge am Rand meines Lebensweges haben. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir dabei mein Glaube an Gott hilft. Mein Glaube bietet mir so etwas wie eine Straßenkarte für den Lebensweg. Er zeigt mir nicht nur den nächsten Schritt, sondern hilft mir, einen Überblick über mein Leben zu bekommen. Warum sind bestimmte Dinge geschehen? Hatten die einen Sinn? Und warum läuft mir gerade dieser Mensch über den Weg? Was hat Gott mit mir vor? 
In meinem Auto möchte ich auf das Navi nicht mehr verzichten. Was aber meine Lebensreise angeht – da bleibe ich ein überzeugter Landkartentyp.