Mit dem Tod ist nicht alles zu Ende — Ostern feiern

Glaube & Spiritualität
Ostern ist das wichtigste Fest der Christenheit. Gefeiert wird die Auferstehung von Jesus Christus. Es ist ein Fest des Lebens. Hoffnungsvoll wie der Frühling.
Grau und regnerisch ist es heute Morgen. Auch für die nächsten Tage ist Wind und Regen vorausgesagt. Immerhin blühen die Magnolien in der Nachbarschaft und an manchem Baum ist das erste zarte Grün zu sehen. Dunkles und Farbiges - bildhafter kann es gar nicht sein in der Kar- und Osterwoche.
Ich mag die Passions- und Osterzeit. In ihr ist die ganze Bandbreite des Lebens enthalten: Leid und Trost, Finsternis und Licht. Ich kann in Abgründe blicken und ins Staunen geraten.
Unerschütterliche Hoffnung - Videogruß zu Ostern 2023 von Landesbischöfin Heike Springhart
Palmsonntag bis Karfreitag
Die Woche vor Ostern wird nach dem althochdeutschen Wort „Kara“ für Klage und Trauer „Karwoche“ genannt. Sie beginnt mit dem Palmsonntag. Jesus zieht feierlich in Jerusalem ein. Die Menschen jubeln ihm zu und streuen Palmzweige auf den Weg in die Stadt.
Es folgt der Gründonnerstag. In einem Haus in Jerusalem kommt Jesus ein letztes Mal mit seinen Jüngern zusammen. Er wäscht ihnen die Füße, teilt noch einmal Brot und Wein mit ihnen.
Dann geht er in den Garten Gethsemane, wo er betet und schließlich verhaftet wird.
Bis heute ist dieser Tag sowohl von Abschied und Schmerz als auch von Gemeinschaft und Erinnerung geprägt.
In Jerusalem wird Jesus verhört und verurteilt. Er wird nach Golgatha gebracht und dort gekreuzigt. Daran wird am Karfreitag erinnert. Es ist ein Tag der Stille und Ruhe. Die Kirchenglocken läuten nicht. Je nach Gegebenheit wird in der Kirche der Altar abgeräumt und das Kreuz verhüllt. Die Orgel wird nicht gespielt. In vielen Gemeinden findet um 15 Uhr eine Andacht zur Todesstunde Jesu statt.
Im Neuen Testament wird in allen vier Evangelien von den Ereignissen, die zur Kreuzigung Jesu geführt haben, berichtet: Matthäus 26-27, Markus 14-15, Lukas 22-23, Johannes 18-19.
Ostern feiern
Jedes Jahr versuche ich die Karwoche bewusst zu durchleben, als Vorbotin des Osterfestes, aber auch als notwendige Trauerzeit. So wie es mir die Natur vormacht: das Leben muss immer erst durch den Tod.
Zuhause gibt es wenig Schmuck, nur ein paar Dornenzweige. Erst am Karsamstag verwandelt sich die Stille allmählich. Ich kaufe ein, besonders gern Blumen. Später hole ich die Kiste mit Oster-Deko aus dem Keller. Behänge Zweige mit buntem Schmuck. Richte Osternester mit Moos und Schokoladeneiern. Koche Ostereier und färbe sie. Die Farben sind wieder da. Das Haus verwandelt sich. Und ich mit ihm. Das Klagen ist vorbei. Eine neue Leichtigkeit kommt in mein Leben.
An Ostern feiert die Christenheit, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist. Das ist das Fundament des christlichen Glaubens: nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz ist Jesus Christus von den Toten auferstanden.
Die biblischen Osterberichte (Matthäus 28; Markus 16; Lukas 24; Johannes 20) erzählen vom leeren Grab Jesu, von der Nachricht des Engels, dass Jesus auferstanden ist und von der Begegnung mit Jesus, zum Beispiel auf dem Weg nach Emmaus. Jesus hatte den Tod besiegt. Staunen und Jubel breiteten sich aus.
In der Osternacht und am Ostermorgen erklingen Glocken und Orgel wieder in den Gottesdiensten, fröhliche Osterlieder werden gesungen, Osterfeuer und Osterkerze werden entzündet. Der Neuanfang wird sichtbar und erlebbar.
Osterbotschaft von Landesbischöfin Heike Springhart

Landesbischöfin Heike Springhart
Quelle: Uli Deck - ARTIS-Photographie
"An Karfreitag und Ostern erleben wir eine doppelte Erschütterung. Als Jesus am Kreuz starb, bebte die Erde, so wird es in der Bibel berichtet. Der Gekreuzigte steht an der Seite derer, für die eine Welt zusammenbricht, weil die Erde bebt und Häuser zerfallen wie in der Türkei und in Syrien, weil der Krieg in der Ukraine tobt, weil Gewalt und Terror sich immer wieder Bahn brechen. Er steht an der Seite derer, deren Hoffnungen sich zerschlagen auf Heilung, auf Beziehungen, auf Liebe und Vertrauen
An Ostern wird dann der Tod selbst erschüttert. Auch am ersten Ostermorgen bebte die Erde. Jesus ist dem Tod und dem Grab entrissen. Er ist bei uns in unserem Alltag, auch in diesen Tagen, in denen wir deutlicher spüren als sonst, dass der Tod der letzte Feind ist. Ostern ist die klare Absage Gottes gegen die todbringenden Mächte und Gewalten.
Unsere Hoffnung hat ihren Grund im Leben des Ostermorgens und ihren Realismus im Schmerz des Karfreitags. Von Ostern her speist sich die Aussicht darauf, dass etwas Neues wachsen kann – selbst da, wo es so aussieht als würde alles nur kleiner, schwächer und weniger. Diese Hoffnung ist lebendig und kraftvoll, wenn sie auch angesichts von Leid und Schuld, an Gräbern und auf Schlachtfeldern das große Dennoch wachhält. Für dieses Dennoch und unsere Zukunft steht Gott und die Kraft der Auferstehung, die wir an Ostern feiern."
Lesen und sehen Sie hierzu auch