Flüchtlingshilfe in Gengenbach — Ohne Kirche geht es nicht

Politik & Gesellschaft
In der beschaulichen Kleinstadt Gengenbach leben nicht nur syrische Geflüchtete, sondern auch Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine oder aus dem Iran. Die Evangelische Kirchengemeinde Gengenbach bietet viele Begegnungsmöglichkeiten für Geflüchtete. Im Verbund mit weiteren Akteuren innerhalb der Stadt hilft die Kirchengemeinde den Geflüchteten und unterstützt sie beim Ankommen in Deutschland.
Yara Sajjee kam mit ihrem Mann und ihren Eltern 2015 aus Syrien nach Deutschland. Nach einem Jahr Bundesfreiwilligendienst im Familienzentrum Gengenbach gehört sie dort zum Team. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin vermittelt Geflüchtete für verschiedene Aushilfsjobs und hilft ihnen anzukommen. Yara Sajjee weiß aus eigener Erfahrung, welche Hilfe Menschen nach ihrer Ankunft in Deutschland brauchen: „Sie suchen zuerst Wohnungen, Klamotten oder einen Kindergartenplatz.“
Ihr Mann Salah Alghabbach war in Syrien Jurist. In seinem alten Beruf konnte er in Gengenbach nicht berufstätig werden und entschied sich für ein Studium der sozialen Arbeit. Auch er unterstützt mittlerweile Geflüchtete beim Ankommen: „Niemand verlässt seine Heimat freiwillig. Und wenn man hier ist, dann weil man für sich keine andere Lösung gefunden hat. Man sucht für sich und die Familie nach einem besseren Leben – als Schutzsuchende, die wegen des Kriegs geflohen sind. Hier sucht man nach einem Neuanfang, möchte die Sprache lernen, sich in die Gesellschaft integrieren, Arbeit finden oder eine Ausbildung bzw. ein Studium beginnen.“
Die Evangelische Kirchengemeinde Gengenbach macht viel für geflüchtete Menschen. Sie vernetzt sich mit Akteuren aus der Region, beteiligt sich an Aktionen, stellt Räumlichkeiten und Begegnungsmöglichkeiten zur Verfügung, bietet Taufunterricht für Geflüchtete an. Pfarrerin Deborah Martiny sieht darin eine Bereicherung: „Mir ist einfach wichtig, dass diese Menschen, die zu uns kommen, eine Bereicherung sind für uns als Kirche, für uns als Gemeinde. Diese anderen Lebensgeschichten, diese anderen Blicke auf den Glauben, auf den christlichen Glauben. Was diese Menschen bei uns einbringen können, das ist einfach toll und macht unsere Kirchengemeinde irgendwie lebendig und bunt.“
Eine dieser Begegnungsmöglichkeiten in der evangelischen Kirchengemeinde ist das „Café Welcome“. Eva Gimmel hatte 2013 die Idee zum „Café Welcome“. Die ehemalige Lehrerin engagiert sich seit ihrem Ruhestand ehrenamtlich für die Kirche. Sie liebt es, Deutsch zu unterrichten und nutzt gerne ein besonderes Buch für den Sprachunterricht: „Ich hatte Taufbegleitung machen dürfen und eine der taufwilligen jungen Frauen, wollte auch noch Deutsch lernen. Und dann dachte ich ‚Wie machen wir das am besten?‘ Und ich hatte eine Elementarbibel. Und anhand dieser Elementarbibel haben wir Deutsch gelernt.“
Die evangelische Kirche begleitet Engagierte und Initiativen in ganz Baden. Seit sechs Jahren gibt es die kirchlich diakonische Fachberatung, die mit hohen fachlichen Standards Ehrenamtliche und Kirchengemeinden vor Ort unterstützen. Aus der eigenen Heimat flüchten zu müssen, ist ein schweres Schicksal. Heute sind viele Geflüchtete bereits Teil der Gesellschaft in Deutschland. Und das war nur möglich durch die Unterstützung engagierter Bürgerinnen und Bürger sowie kirchlicher Ehrenamtlichen.