"Wir verschenken Zuversicht" - Kirche auf der Bundesgartenschau in Mannheim
Engagement & Freizeit
Was sie gedacht, geplant und gestaltet haben, muss sich nun bewähren. Koordinatorin Valentina Ingmanns, Gemeindereferentin Barbara Kraus und Pfarrerin Nina Roller leiten das Projekt „Kirche auf der BUGA23“. Worauf sich Besucherinnen und Besucher bis zum 8. Oktober 2023 freuen können, erzählen sie im Interview.
Warum engagiert sich Kirche auf der BUGA23?
Nina Roller: Das ist ein Ort, an dem sehr viele Menschen unterwegs sein werden. Mit denen wollen wir in Kontakt kommen. Und es geht um ein Thema, das superaktuell und dringend ist, nämlich um die Frage: Wie geht eine gute Zukunft? Wie übernehmen wir Verantwortung für ein gutes Leben auf dieser Welt, in dieser Natur? Dazu haben wir etwas beizutragen. Die Bewahrung der Schöpfung ist nicht etwas, was man so ein bisschen on top macht. Das ist die Grundfrage: wer sind wir als Menschen in der Welt, miteinander und mit Gott? Da können wir uns konstruktiv einbringen.
Barbara Kraus: Wenn wir nicht dahin gehen, wo die Menschen sind, dann können wir unsere Tür zumachen. Ganz am Anfang war auch mal im Gespräch, ob man nicht eine der umliegenden Kirchen zur BUGA-Kirche macht. Aber davon sind wir schnell abgekommen, weil wir sagen: wenn, dann richtig mittendrin.
Worauf können sich Besucherinnen und Besucher der BUGA23 freuen?
Valentina Ingmanns, Nina Roller, Barbara Kraus
Valentina Ingmanns: Auf unseren Möglichkeitsgarten. Es gibt einen Bachlauf, der sich durch das Gelände zieht. Wir haben einen Kirchturm, den man von Weitem sieht, mit einem Sonnensegel, darunter einem Altar mit Bibel und einem Kreuz. Mittendrin die Glocke aus dem Jahr 1755. Und wir haben einen Kreuzgang, der auch aus Robinienhölzern ist, mit einem Flatterdach drüber aus lauter rosa-lila Fahnen. Da ist immer Bewegung. Einfach wunderschön.
Nina Roller: Es ist klar erkennbar, dass das ein kirchlicher Ort ist. Gleichzeitig wird das auch aufgebrochen. Bei manchen bewirkt das Abenteuer-Spielplatz-Assoziationen. Und ich finde, die Kirche als Abenteuerspielplatz ist doch was Schönes. Dieser Ort hat aber auch etwas sehr Friedliches. Man fühlt sich gut aufgehoben. Man kann hinkommen und einfach Pause machen, zur Ruhe kommen. Es gibt für alle Sinne was zu entdecken und zu erleben. Zum Beispiel die Klangdusche, die die Themen Mensch, Stadt und Natur miteinander verbindet. Wir haben sie „Klangdusche für eine lebendige Seele“ genannt. Hier sind Gebete und Glaubenszeugnisse von Menschen aus Mannheim und Umgebung verarbeitet Ein Sound, der religiös total berührend ist. Es ist auch ein guter Raum, um zu beten.
Barbara Kraus: Aus einem ehemaligen Militärgelände wird jetzt etwas Gutes. Besucherinnen und Besucher können sich auch auf die 25 Themenwochen freuen mit gesellschaftlichen Themen und Fragen, wo Kirche eine Rolle spielen und Antworten geben kann.
Das Motto der Kirche auf der BUGA23 lautet „Hier wachsen Perspektiven“. Wie ist das zu verstehen?
Nina Roller: Kirche auf der BUGA23 ist ein Projekt auf Zeit. Hier wächst ein Netzwerk, neue Beziehungen entstehen, innerhalb von Kirche, aber auch über Kirche hinaus, in die Stadtgesellschaft hinein, interreligiöse Verbindungen, Verbindungen in Kunst und Kultur. Ich wünsche mir, dass Leute zuversichtlicher von uns weggehen als sie gekommen sind und neue Einsichten mitnehmen für ihr Leben.
Barbara Kraus: Eine Perspektive, die schon ganz lange gewachsen ist, ist, dass es von Anfang an ganz selbstverständlich ein ökumenisches Projekt war. Ich finde, das ist eine Perspektive, die für Kirchenentwicklung ganz wichtig ist: dass Ökumene ganz unkompliziert gehen kann.
Worauf freut ihr euch besonders?
Valentina Ingmanns: Ich freue mich, wenn wir es schaffen, Leute, die nicht so kirchennah sind, zu überraschen mit „Ach so, das ist auch Kirche!“ Ich kann mir gut vorstellen, dass das bei uns passiert, dass Besucherinnen und Besucher reinkommen und der eine oder die andere einfach überrascht ist über die Themen, die wir haben, darüber, wie wir uns darstellen und wie wir draufsind. Und auf die Abendsonne freue ich mich. Das ist so wahnsinnig schön, einfach hinsitzen und genießen, eine wunderbare Stimmung.
Nina Roller: Ich freue mich sehr auf den Ort und richtig doll auf die Gottesdienste. Was da alles inhaltlich und musikalisch geht, das ist cool. Und ich freue mich auf die vielen Menschen. Ich bin gespannt auf die Dynamik, die sich entwickelt und über das hinausgeht, was wir geplant haben. Wir verschenken Zuversicht, Zeit, gute Begegnungen, neue Lebenseinsichten.
Möglichkeitsgarten BUGA23 von oben
Barbara Kraus: Für mich sind es die Begegnungen. Jetzt kommt das, was wir inhaltlich geplant haben, in die Realität. Ich bin gespannt, ob das aufgeht. Ich wünsche mir, dass wir als Kirche noch mal anders wahrgenommen werden, offen und luftig, und diesen Charme versprühen. Auf jeden Fall möchte ich nichts verpassen. Und ich freue mich auf den ersten Erwachsenen, der sich traut bei heißem Wetter durch den Bach zu gehen und dann vor Freude jauchzt.
Was sollten sich Besucherinnen und Besucher, auch wenn sie wenig Zeit haben, auf keinen Fall entgehen lassen?
Nina Roller: Die Klangdusche – sich fünf Minuten unter die Klangdusche stellen und das auf sich wirken lassen. Dann hat man ganz viel mitgenommen, was einem guttut.
Valentina Ingmanns: „Singen & Segen“. Das findet jeden Abend um 17 Uhr statt, in der Zeit der Abendsonne. Ich glaube, dass der kurze musikalische Impuls nach einem Tag auf der BUGA guttut. Ein guter Impuls für den Nachhauseweg.