"Dadurch sind wir erst zu einer Familie geworden" - wenn eine Patchworkfamilie kirchlich heiratet

Brautpaar sitzt vor dem Pfarrer während der Trauzeremonie

Taufe & Konfirmation & Hochzeit & Beerdigung

Kann man kirchlich heiraten, wenn man vorher schon einmal verheiratet war? Wie werden Familienmitglieder und der Freundeskreis reagieren? Sandra und Christoph sind unsicher. Doch ihre kirchliche Hochzeit sorgt für Begeisterung bei allen, die dabei waren.

Als Sandra (49) und Christoph (51) einander kennenlernten, merkten beide schnell: „Wir gehören zusammen“. Dass sie heiraten wollten, war bald klar; allerdings stand nicht von Anfang an fest, dass sie sich auch kirchlich trauen lassen wollten: „Wir waren beide zuvor schon einmal verheiratet gewesen. Deshalb waren wir zunächst etwas skeptisch“, erinnert sich Sandra. „Gleichzeitig war da aber auch eine große Sehnsucht in uns, die Kirche als besonderen Ort mit einzubeziehen. Mit der kirchlichen Trauung wollten wir Danke sagen, dass wir einander gefunden haben.“
 
Brautpaar auf dem Weg zur Trauzeremonie
Sandra und Christoph
Die meisten der weiter entfernten Familienmitglieder und Freunde des Paares kannten einander zum Zeitpunkt der Trauung noch nicht: „Wir waren uns nicht sicher, wie sie aufeinander reagieren würden − auch, weil wir zuvor ja andere Ehepartner gehabt hatten“, sagt Christoph. „Aber die ergreifende Zeremonie und die charismatische, humorvolle Art unseres Pfarrers haben Berührungsängste gar nicht erst aufkommen lassen“, sagt das Paar überzeugt.
 
Die Hochzeit fand im Freien statt, mitten im Wald; die Vögel zwitscherten. Mittelalterliche Zelte und Gewandungen aus dem historischen Verein, in dem Christoph Mitglied ist, bildeten die romantische Kulisse. „Der Gottesdienst war unbeschreiblich schön“, schwärmt Sandra. „Es hat sich angefühlt, als würde er unserer Liebe noch mehr Größe und Gefühl verleihen, wenn das überhaupt noch möglich war. Sowas kann man nicht planen, das durchflutet einen plötzlich einfach!“ Viele Gäste hätten geweint vor Glück und Ergriffenheit. „Und das nicht nur, weil sie sich mit uns freuten, sondern auch weil die Zeremonie sie so bewegt hat.“
 
Die standesamtliche Trauung einen Monat zuvor sei ebenfalls schön gewesen, meint Christoph, aber es sei nun mal ein rechtlicher Akt. „Bei der kirchlichen Trauung hatten wir dagegen das Gefühl, da hält jemand seine Hand über uns. Der Kreis schließt sich: Sandra mit ihren beiden Kindern und ich mit meiner Tochter − wir sind dadurch erst zu einer neuen Familie geworden.“