Sammeln und sortieren – Hinter den Kulissen eines Diakonie-Ladens

Kaffeeservice blau-weiß im Secondhand-Laden

Ab und zu packt mich das Ausmistfieber und ich beginne Dinge auszusortieren. Dinge, für die ich selbst keine Verwendung mehr habe, die aber zu schade sind, um sie wegzuwerfen. Eine neue Zwischenheimat meiner aussortierten Sachen sind die zwei Second-Hand-Läden der Diakonie in Karlsruhe. Die schiere Größe der zentralen Annahmestelle beeindruckte mich bei jedem meiner Besuche und machte mich neugierig: Was passiert, nach dem ich meine Dinge abgegeben habe?

Ich gehe einen Tag dort auf Entdeckungsreise. Bereichsleiter Marc Beck begrüßt mich am Hintereingang: „Schön, dass Sie da sind.“ Beeindruckend ist die Größe des Gebäudes, ein ehemaliger Boden- und Teppich-Fachmarkt. Umgeben sind wir von einigen gefüllten Rollwägen - wie man sie aus den Supermärkten kennt, um Neuware in die Regale zu räumen.
 
Waren im Lager Diakonie-Laden
Blick auf die Waren im Sammellager
„Wir bekommen am Tag vier Tonnen Sachspenden: Textilien aller Art, Schuhe, Handtaschen, Koffer, Geschirr, Haushaltswaren, Kleinelektronik, Teppiche, Wohnaccessoires, CDs, DVDs, Bücher, Schmuck, Spielzeug und Möbel“, erzählt Marc Beck. Wir gehen hinein und ich bekomme einen Eindruck, was „vier Tonnen am Tag“ bedeuten. Dort stehen dutzende Rollwägen, die bis oben hin gefüllt sind und darauf warten, sortiert zu werden, bevor deren Inhalt dann in die beiden Second-Hand-Läden in den Verkauf kommt.
 
„Ein Gegenstand bleibt, bevor er käuflich erworben werden kann, ca. zwei Tage bei uns in der zentralen Annahmestelle.“ Schon nach kurzer Zeit bin ich noch mehr beeindruckt: Welch eine Logistik! Damit Karlsruher Bürgerinnen und Bürger es leicht haben, durch ihre Sachspende Gutes zu tun, z.B. für diakonische Projekte in der Stadt: „Durch den Verkauf der Waren finanzieren wir zuerst einmal den Betrieb der Second-Hand-Läden. Mögliche Überschüsse aus den Verkaufserlösen refinanzieren andere soziale Projekte des Diakonischen Werkes mit“, so Beck.
 
Gleich öffnet der Annahmetresen. Es gibt eine kurze Einweisung durch Otto (Name geändert): „Klamotten kommen in den Container hier, Haushaltswaren in den Rollwagen hier, große elektronische Geräte bringst du gleich nach hinten.“ Dann bekomme ich live mit, was es heißt, vier Tonnen Sachspenden am Tag entgegenzunehmen: An diesem – Otto meint sehr ruhigen - Freitag bringen in den 90 Minuten meiner Schicht Spenderinnen und Spender gepackte Kartons und randvolle Tüten. Otto und ich sortieren durchgehend ohne Unterbrechung. Alles, was jemand kaufen würde, nehmen wir entgegen. Einen alten vergammelten Tapeziertisch weisen wir ab: „Der gehört nicht zu uns, sondern auf den Sperrmüll!“
 
„80% der Spenden sind über unsere Läden verkaufbar bzw. können als Wertstoff recycelt werden,“ erklärt mir Marc Beck in der Pause. Nachhaltigkeit sei ein wichtiger Aspekt ihres Tuns: „Beispielsweise werden aus alten Wachsresten, von einem Kooperationspartner neue Kerzen gemacht. Die Tagesstätte "Club Pinguin" stellt hierzu aus alten T-Shirts Dochte her. So erhalten Menschen mit Einschränkungen eine Aufgabe. Sie werden gebraucht.“
 
Auch ich habe gemerkt, wie dankbar man für jede helfende Hand ist – getragen vom großen Teamgeist. Man hilft sich gegenseitig, bekommt Verantwortung und spürt das Zutrauen, dass in dich und deine Arbeitskraft gesteckt wird. Ich habe an diesem Tag mit Festangestellten, langzeitarbeitslosen Menschen und sog. Maßnahmeteilnehmer*innen zusammengearbeitet. Otto bringt es auf den Punkt: „Nur gemeinsam lassen sich die Mengen Tag für Tag sortieren, durchschauen und in den Läden verkaufen.“
 
Mit Antworten auf meine Frage am Anfang verlasse ich am Nachmittag das Gelände. Auch Tage danach erinnere ich mich gerne an die durchgehend spürbare Dankbarkeit: Von denen die spenden, weil sie wissen, dass sie mit ihrer Spende anderen eine Freude machen. Von denen, die sortieren und verkaufen, weil sie sich einbringen können. Und von denen, die sich für wenig Geld ein kleines bisschen Wohlstand kaufen können.
 
Weitere Informationen finden Sie hier