Putzmittel - Ein Impuls zur Putzkraft des Menschen

Schwamm, Putzhandschuhe und Putzmittel im Glas

Thomas Weiß

Wenn ich mal wieder den halben Wanderweg mit nach Hause getragen und im Flur verteilt habe (haftet so schön am Profil der Wanderschuhe) oder mir das Rotweinglas aus der Hand gerutscht ist (aus Versehen, nicht vor lauter Trunkenheit – und zum Glück nicht auf den cremefarbenen Teppich!) und nun die Scherben zusammengesammelt werden müssen, wenn sich die Papierschnipsel vom Manuskript der missratenen Predigt (die ich vor Wut zerrissen habe) im Raum verteilen – dann brauch ich sie, die Altbewährten: Kehrschaufel und Handbesen. Damit kann ich sauber machen, die Krümel aufnehmen, die kleinen Steinchen zusammenkehren.
Schaufel und Besen (und mancherlei anderes, das der Pflege von Parkett und Fenster und Küchenboden dient) sind: Putzmittel.
 
Ach ja – putzen! Haben Sie Putzkraft? EINE Putzkraft (mit unbestimmtem Artikel) hat ein Mensch, wenn er oder sie es sich leisten kann oder wenn die Pflegekasse eine zugesteht. Im Studium war ich mal als Putzkraft unterwegs auf Baustellen – das bringt Knete, ist aber ein saures Geschäft.
 
Doch ich rede nicht von EINER Putzkraft, sondern von DER Putzkraft. Habe ich Putzkraft? Es kommt darauf an, wie ich „putzen“ verstehe!
Im üblichen Sprachgebrauch (der auch meiner ist), bedeutet „putzen“: Dreck wegräumen, saugen, fegen, Staub wischen, Fenster putzen im Frühjahr, den Garten putzen im späten Herbst. Für meine Großmutter war der Satz „Die sieht, wo geputzt werden muss!“ ein sehr großes Lob; und das blieb ganz im Rahmen des herkömmlich-veralteten Frauenklischees. Aber so veraltet vielleicht doch nicht: Reinigungskräfte sind zu zwei Dritteln weiblich, Putzhilfen in Privathaushalten zu 90 Prozent! So gesehen spricht schon mein Geschlecht dagegen, dass ich Putzkraft habe …
 
Aber: Männern, Frauen und Diversen ist grundsätzlich Putzkraft zu wünschen. Denn geputzt wird nicht nur, wo es dreckig ist, staubig und unaufgeräumt. „Putzen“ heißt – in seiner alten Bedeutung – auch: sich schön machen. Diese Bedeutung steckt noch im heute abschätzigen Wort „herausputzen“. Wenn einer sich herausputzt, dann ist er ein Angeber, dann wirft er sich in Schale, sorgt für den schönen Schein.
Und wenn es nicht nur Schein wäre?
 
„Dass das Antlitz des Menschen schön werde“ – das wünscht sich der Dichter des 104. Psalms. Der ist ein Schöpfungspsalm, der Gottes unvergleichliches Werk lobt – so wie Gott es selbstzufrieden tut, als er am Ende der ersten Schöpfungswoche die Dinge und Wesen anschaut und nicht ohne Genugtuung feststellt: „Schau nur, es ist sehr gut!“.
Von Gott her sind wir das also: schön. Und da schadet es nicht, sich zu putzen, d.h.: die uns zugehörige, die uns eigene Schönheit herausstellen, strahlen lassen. Wir sind schön, im alten Sinne „putzige“ Leut. Nett anzusehen und mit Glanz gesegnet.
 
Und wie geht das, sich als Gottes schöne Geschöpfe herauszuputzen? Dazu brauchen wir: Putzmittel! Nicht um das Staubige, Unliebsame wegzuräumen (wie Schaufel und Besen es tun) sondern um das Vorhandenen, Gegebene leuchten zu lassen. Welche Mittel helfen uns putzen?
Das geht mit einem Lächeln, mit freundlichen Blicken, mit Aufmerksamkeit, klaren Worten. Mit Geschichten, die wir erzählen können, und mit Träumen, an die wir glauben. Mit Zuwendung, Gelassenheit, Mut.
Die Putzkraft dazu haben wir, wenn wir nur Gott glauben, dass er uns schön gemacht hat.