Ringelsocken - Marotte oder Statement?

Schwarze Schuhe mit Blumen und Ringelsocken

Thomas Weiß

Die gehören mir: Ringelsocken. Also jedenfalls innerfamiliär. Wir vier tragen alle sehr gerne „lustige Socken“, solche mit Motiv: Planetenbahnen oder berühmte Malerinnen, Tiergesichter oder Blumenmuster. Bunt müssen sie sein. An Weihnachten (da versorge ich die Familie immer sockentechnisch) habe ich diesmal die Beatles verschenkt, Figuren aus „Yellow Submarine“. Sie können sich vorstellen: Beim Wäschewaschen ist nicht immer klar, welcher Sock an welchen Fuß gehört. Daher habe ich deklariert: Die Ringelsocken, die sind meine. Darum habe ich sehr viele davon: in grün gehaltene und überaus bunte, mit dicken Ringeln oder ganz dezenten, potthässliche (manchmal rächt sich der eine oder andere Sohn auch für die Sockenzuteilung …), die ich gerne anziehe, oder hübsch fröhliche. Es ist halt so eine Marotte …
 
Vor Kurzem erst habe ich gelesen, dass da in Wahrheit viel mehr dahintersteckt. Das wusste ich bisher nicht: Ringelsocken sind ein „Statement“. Wer Ringelsocken trägt, hat was zu sagen, will etwas zum Ausdruck bringen. Mir war das bisher nicht klar, aber es könnte ja was dran sein. Es heißt, Ringelsocken stehen für Flexibilität, für Lust am Spiel und Lebendigkeit, Ringelsocken sind widerständig, mit Ringelsocken grenzt sich eine*r ab von der allgemeinen Mode und Bürgerlichkeit. Das ist mir neu, aber gar nicht unsympathisch. So gesehen, könnten Ringelsocken ein wenig zur Standardmode von Christinnen und Christen werden …
 
Da frage ich mich: Trug Jesus auch Ringelsocken? Denn unangepasst war er sicher, er widersprach den Gewohnheiten und den Autoritäten, er hatte Lust am Leben – so sehr, dass er den Tod nicht gelten ließ, sondern lieber auferstand. Aber ich glaube das nicht – dass Jesus Ringelsocken trug, meine ich. Allenfalls Jesuslatschen, die meinem Vater ein Graus waren, wenn ich sie überstreifte, weil er sie den „Hippies“ zuordnete, nicht seinem wohlerzogenen Sohn.
 
Freilich: Jesus brauchte auch keine Ringelsocken. Sein ganzes Leben, sein Tod und sein Auferstehen waren ein einziges Statement! Das Spiel der Liebe ist wichtiger als die Strenge von Gesetz und Gewohnheit; Zugewandt-Sein bedeutet mehr als sich durchzusetzen; was den Menschen dient, hat mehr Recht als was der Macht zugutekommt; und was nützt es wohl einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und seine Seele würde Schaden nehmen? Nichts. Jesus hat seine Aufmerksamkeit darauf gerichtet, dass dieses durchaus gefährdete Leben ein Geschenk ist, dass Gott es bewahrt und ihm einen weiten Horizont verleiht, dass es herausfordert und wir Verantwortung tragen darin und dafür. Aber ohne Furcht, wie den Lilien auf dem Felde und den Vögeln unter dem Himmel abzulauschen ist.
Dieses Leben, meinte Jesus, ist nicht lustig (wie Socken), aber es kann gelingen. In Jesuslatschen oder Ringelsocken, egal – Hauptsache, wir tun unsere Schritte.