Ein Sabbat in Raum und Zeit – Was Kirche im Nationalpark Schwarzwald tut

Engagement & Freizeit
Wandern und dabei auf die Natur achten, das kenne ich. Was eine spirituelle Wanderung ist und warum es überhaupt kirchliche Angebote im Nationalpark Schwarzwald gibt, will ich bei einer Wanderung im Rahmen der Sommertour von Landesbischöfin Heike Springhart erfahren.
Mit dem Bus geht es am Samstagmorgen von Oppenau hinauf zum Nationalparkzentrum am Ruhestein. Dort begrüßt Thomas Waldenspuhl, der Leiter des Nationalparks Schwarzwald, die Wandergruppe um Landesbischöfin Heike Springhart. Die Kirchen sind für den Nationalpark wichtig, betont er. Gemeinsam könne man den Menschen die Bedeutung der Schöpfung nahebringen. Er schwärmt: „Der Nationalpark ist ein Sabbat im Raum und Zeit.“
Den Nationalpark Schwarzwald gibt es seit 2014. Sein Motto lautet „Natur Natur sein lassen“. Die natürlichen Prozesse werden geschützt und Raum für biologische Vielfalt wird geschaffen. Zugleich soll der Nationalpark den Menschen als Freizeit- und Erholungsort zur Verfügung stehen.
„Wir bewegen uns in einem besonderen Schutzraum“, sagt Achim Brodback zu Beginn der Wanderung. Deshalb sollen wir nur auf Wegen gehen, nichts mitnehmen und nichts dalassen. Brodback ist Pfarrer im Nationalpark Schwarzwald und führt die Tour, gemeinsam mit seiner katholischen Kollegin Helga Klär. Er ist überzeugt davon, dass sich im Hinblick auf Umweltschutz durch Sehen und Erfahren mehr ändern lässt als durch bloße Theorie. „Es fällt mir leichter das zu schützen, was ich kenne und liebe.“
Brodback und Klär vertreten das ökumenische Netzwerk Kirche im Nationalpark Schwarzwald. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen bieten sie Touren für Besucherinnen und Besucher des Nationalparks an, die an christlich-spirituellen Inhalten interessiert sind. „Unsere Touren ermöglichen Menschen, in der Natur noch mal anders mit sich selbst in Berührung zu kommen und auch mit Gott Erfahrungen zu machen. Unterwegs in der Natur kann man eine neue Offenheit spüren.“
Nach einem ersten kleinen Anstieg halten wir an. Helga Klär bittet uns, die Augen zu schließen und sie auf ein Zeichen hin kurz zu öffnen. Das wiederholen wir noch an einer anderen Stelle. Dann tauschen wir uns zu zweit über das aus, was wir gesehen haben. Es ist nur eine kleine Anregung, aber sie schärft den Blick, lässt mich innehalten und wahrnehmen, was da ist. Ein anderes Element einer spirituellen Wanderung erleben wir wenig später: ein Stück des Weges legen wir schweigend zurück. Besonders stark und anschaulich wirken die Worte „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ aus Psalm 121 kurz vor der Ankunft auf dem Schliffkopf.

Landesbischöfin Springhart mit Achim Brodback und Thomas Waldenspuhl
Teil der Wandergruppe am Samstag ist auch Gabriele Rahaian. Sie arbeitet ehrenamtlich für die Kirche im Nationalpark. Letztes Jahr hat sie die Ausbildung als Pilgerbegleiterin absolviert und bietet nun selbst Wanderungen an. Neben der herrlichen Natur liebt sie die Begegnungen. „Man weiß nie, was kommt, lernt immer neue Leute kennen. Das ist immer wieder bereichernd. Und man kann Leute für die Natur begeistern.“
Am Nachmittag erreichen wir Allerheiligen. An der Klosterruine vorbei geht es noch einmal einen kleinen Anstieg hinauf zur Kapelle. Dort beschließen wir die gemeinsame Wanderung mit einer Andacht. Landesbischöfin Heike Springhart greift den Anblick der Klosterruine auf. „Sie ist für mich ein Sinnbild für Kirche. Das, was wir sehen, ist nicht alles.“ Bei allen Herausforderungen, vor der auch die Kirche stehe, ermutigt sie: „Gerade das Nichtvollkommene lässt uns auf das sehen, was noch werden kann.“
Nach dieser Wanderung mit Informationen zum Nationalpark, geistlichen Impulsen, Wahrnehmungsübungen und Gesprächen verlasse ich den Schwarzwald in einem neuen Bewusstsein für die Vielfalt der Natur, der Pflanzen- und Tierwelt. Es wird noch dauern bis der Wald sich spürbar verändert. Aber schon jetzt gibt es viel zu entdecken. Für mich hoffentlich schon bald bei einer nächsten Wanderung. Dann will ich den Buhlbachsee besuchen, einen der Lieblingsplätze von Achim Brodback.
Hier finden Sie mehr Informationen zur Kirche im Nationalpark Schwarzwald und zur Sommertour der Landesbischöfin.
