Paradiesleuchten- Impuls zum Musik hören

Junge Frau mit Kopfhörern

Dr. Ute Niethammer

Wo sind wir eigentlich, wenn wir Musik hören?
Ziemlich nah am Paradies! findet der Philosoph Sloterdijk. Er hat vor einigen Jahren diese Frage gestellt: wo sind wir eigentlich, wenn wir Musik hören?

Eine gute Frage, finde ich. Wahrscheinlich hat das jede*r schon mal irgendwie erlebt. Dass man durch Musik völlig abheben kann. Musik kann in eine Art Ausnahmezustand versetzen. Oder wenigstens die Laune verändern.

Wenn ich mich ganz auf Musik einlasse, ist das, wie wenn ich einen anderen Raum betrete. Sobald ich mich dieser Klangwelt wirklich öffne, beginnt sie mich auszufüllen und trägt mich. Es ist dann, als ob ich mal kurz an einem anderen Ort bin, an dem andere Regeln gelten, an dem ich etwas bekomme und nichts geben muss.

Es gibt noch eine andere Tür in diesen Raum - das Beten.
Musik hören und Beten haben für mich vieles gemeinsam. Sowohl Musik hören als auch Beten versetzen mich in einen Raum, in dem ich immer willkommen bin. So, wie ich bin.
Mit allem, was mich beschäftigt. Und dort ist es ziemlich paradiesisch: Egal, mit wie viel Ballast ich ankomme, dort zieht mich nichts runter. Im Gegenteil: Ich kann immer wieder etwas dort abladen und fühle mich aufgehoben.

Musik hören und Beten kann trösten, fröhlich machen, zu Tränen rühren oder Mut machen. Egal, ich bekomme immer etwas, was mich trägt und mir leben hilft.
Sloterdijk hat diesen Ort „Nachleuchten des Paradieses" genannt. Ziemlich treffend, finde ich, sowohl für's Musik hören als auch für's Beten. Auf jeden Fall ein Ort jenseits aller Erdenschwere, der uns zum Glück überall offensteht. Vielleicht treffen wir uns mal dort.
 
  

Dr. Ute Niethammer

Landeskirchliche Beauftragte für den Prädikantendienst