Aus der Tiefe des Raumes – Impuls über die Sprache beim Fußball und in der Kirche

Blick auf Feld im Fußballstadion

Thomas Weiß

Einen „falschen Fuffziger“ kenn ich (noch), aber was ist denn eine „falsche Neun“? Oder wie soll ich verstehen, dass eine Mannschaft „die Räume eng“ macht – wo die doch auf freier Rasenfläche spielen, ganz ohne Räume, Wände, Türen – und wenn dann einer „aus der Tiefe des Raums“ kommt, wo kommt der eigentlich her (aus dem Weltall)? Neuerdings gibt es auch eine „Box“, die meistens leer ist (Das finden Kommentator*innen und deren Expert*innen oft nicht gut: „Da musst du stehen!“ – aber wieso ich?). Und ich weiß nicht: Ist einer Mannschaft wirklich gedient, wenn „hinten die Null steht“? Dann „pressen“ sie noch und „schieben“ und spielen „ohne Ball“ (Hä? Das macht doch keinen Spaß!). Dass die „Wahrheit auf dem Platz liegt“, tut mir eigentlich leid; und wenn „der Rasen brennt“ klingt das gefährlich. Wird für den „Abstauber“ das Spiel unterbrochen, damit er den Lappen schwingen kann, brauchen die kickenden Kollegen für die „Englische Woche“ einen Sprachkurs oder einen Übersetzer?
 
Fußballsprache – ich versteh sie nicht. Dabei schau ich ganz gerne, wenigstens Bundesliga 1 und 2, und seit ein paar Wochen hab ich sogar einen Fan-Schal des SC Freiburg. Aber die fußballerische Sprachwelt bleibt mir verschlossen. Geht das nur mir so? Ich glaube es eigentlich nicht. Aber gut: Es gibt ja die, die sich hineingehört haben, die im Laufe von tausend Fußballübertragungen und Stadionsprecheransagen das Vokabular gelernt haben – und andere, denen einfach die Leidenschaft genügt und die an spannenden Partien und eindrücklichen Bildern Genüge haben.
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Kirchensprache – es gibt nicht wenige, die einstimmen: „Ich verstehe sie nicht!“. Wie die Fußball-Fans und -Fachleute auch sehen wir ja nicht immer ein, dass wir ab und an eine Milieu- oder Geheimsprache sprechen, die sich anderen nicht (mehr) erschließt. Und wenn schon – sollen die anderen sie doch lernen! Aber, naja, das kirchensprachliche Vokabular erschließt sich selbst Eingeweihten nicht mehr selbstverständlich; und womit sollte ich denn Menschen motivieren, sich die Mühe zu machen?
 
Durch: Leidenschaft. Wenn ein Spiel spannend ist, wenn da schön gespielt wird, wenn ich das Spiel lesen kann und wenn’s am Ende auch noch günstig ausgeht (d.h.: der SC gewinnt und Bayern verliert …), dann macht es nichts, wenn mir die eine oder andere Vokabel verborgen bleibt. Dann kann ich mich an der Sprachfantasie der Kommentierenden erfreuen, das Entscheidende findet aber auf dem Platz statt. Dort, wo wir hinsollten, als Kirche, auf die Plätze, wo die Spiele und Tragödien der Menschen ihre Orte haben.
 
Ob wir dort sind? Da sollten wir uns wohl ab und an prüfen, so wie der Fußballphilosoph Andreas Möller das mal gesagt hat: "Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber." Ist doch gut!