Nachhaltig Gutes tun – gewusst wie

In den Händen einer Person liegt ein rotes Herz

Geld & Spenden

Wer Geld vererben oder stiften möchte, sollte sich beraten lassen. Luise Bröther und Dr. Torsten Sternberg erzählen im Interview von ihren Gesprächen mit Menschen, die mit ihrem Geld langfristig Gutes tun wollen.

„Ich habe noch nie jemanden aktiv angesprochen. Die Menschen kommen auf uns zu, weil sie von uns gehört oder gelesen haben,“ sagt Luise Bröther. Sie begleitet für die Evangelische Landeskirche in Baden Großspenderinnen und -spender, die mit ihrem Geld eine Stiftung gründen wollen. „Beim Stiften ist es so, dass das Vermögen dauerhaft angelegt ist und die Erträge für den Stiftungszweck ausgegeben werden.“ Deshalb sollte man für eine eigene Stiftung mindestens 200.000 Euro oder eine entsprechende Erbschaft in Aussicht haben. Aber auch für kleinere Beträge finden sich Mittel und Wege, zum Beispiel bei der landeskirchlichen Dachstiftung. „Wenn jemand kommt, dann hören wir erst mal zu.“
 
Wie wichtig das ist, unterstreicht Dr. Torsten Sternberg, Leiter der Servicestelle Fundraising, Engagementförderung und Beziehungspflege. „Ein Spender kam zu uns, der vorher bei sechs anderen Institutionen war. Ich habe ihm eine halbe Stunde zugehört und dann hat er gesagt: ‚Sie sind der erste, der mich ernst nimmt. Alle anderen haben mir nicht zugehört und nur gesagt: Wunderbar, wenn Sie das Geld haben, wir wissen schon, wofür wir es brauchen‘.“ Sternberg und Bröther gehen anders vor. „Es geht nicht ums Geld, sondern um den Ertrag eines Lebens, um die Biografie eines Menschen, um das, was ihm am Herzen liegt. Dafür nehmen wir uns Zeit. Im Gespräch wird oft klarer, welcher Wunsch hinter dem Stiften steht. Im zweiten Schritt überlegen wir dann, was dafür die geeignete Form sein kann.“
 
Ingeborg und Walter Herrmann
Tun Gutes: Das Stifterehepaar Ingeborg und Walter Herrmann
36 Stiftungsgründungen haben die beiden inzwischen begleitet. Mal kann eine Gründung innerhalb von drei Wochen realisiert werden, mal dauert es drei Jahre. Waren besondere Highlights darunter? Torsten Sternberg sieht es so: „Wenn wir am Schluss von einem Prozess Menschen haben, die eine Form gefunden haben, von der sie sagen: ‚Jetzt passt es zu mir als Mensch, zu der Absicht, die ich habe und ich weiß, das geht gut weiter‘, dann ist das jedes Mal ein Highlight.“
 
Aber nicht nur große Beträge ermöglichen diakonische oder kirchliche Projekte. Luise Bröther ist überzeugt: „Jede Spende hilft, einen guten Zweck zu erfüllen. Mit einer Spende kann ich unmittelbar etwas bewegen, weil sie direkt dem Zweck zugeführt wird.“
 
Für Torsten Sternberg ist klar: „Neben der Kirchensteuer brauchen wir mindestens eine weitere Finanzierungssäule. Das sind kleinere Spenden genauso wie größere Gaben. Unsere Motivation ist, dass möglichst viele Kirchengemeinden noch eine Kirchensteuer-unabhängige, nachhaltige, dauerhafte Finanzierungsquelle haben. Und eine Stiftung, in der größere Beträge auf Dauer angelegt sind, ist ein Instrument dafür.“
 
Menschen, die dieses Anliegen teilen, zusammenbringen und den Austausch fördern: Das geschieht beim jährlichen Forum für Engagierte und Stifter*innen, das am 5.10. hat im Karlsruher Stephanienbad bereits zum 10. Mal stattgefunden hat. Luise Bröther erläutert: „Wir möchten das stifterische Handeln in Baden fördern. Wir möchten Mut machen und Vorbilder aufzeigen. Das passiert durch die Evangelischen Stiftungspreise, aber auch über Persönlichkeiten, die Stifter-innen-Preisträger.“ Mit dem Evangelischen Stifter*innenpreis wurde in diesem Jahr das Ehepaar Ingeborg und Walter Herrmann (Pforzheim) ausgezeichnet.
 
Walter und Ingeborg Herrmann sind die Initiatoren und Finanzierer der Evangelischen Schule Pforzheim, die 2022 gestartet ist. Die Realschule möchte neben der christlich-religiösen Erziehung und Bildung junge Menschen gut auf das Arbeitsleben vorbereiten.
 
Stiftungspreise erhielten die Stiftung Arche Noah Ortenau, die Martin und Waltraud Kieber-Weiblen Stiftung und die CVJM Kinder- und Jugendstiftung Karlsruhe. 
 
Aktuell macht Bröther die Erfahrung, dass sich immer wieder Menschen melden, die ihr Vermögen vererben oder stiften möchten und sich dafür im Gegenzug ihre Versorgung im Alter wünschen. „Grundsätzlich erfolgen das Spenden und Stiften ohne Gegenleistung. Aber wir verstehen das Anliegen sehr gut. Früher haben sich Gemeindeschwestern oder Betreuungsvereine um diese Menschen gekümmert. Ab Januar 2024 können wir auf zwei Vorsorgelotsen verweisen. Die kommen zu den Leuten und schauen, welche Bedürfnisse und Bedarfe vorliegen. Noch ist es ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber vielleicht kommen ja noch mehr dazu, wenn die Finanzierung dafür gesichert werden kann.“
 
 
  

Luise Bröther

Beziehungspflege und Stiftungsberatung