"Ich arbeite bei der Kirche..." - Als Erzieher in einer evangelischen Kita

Kindergartenkinder spielen auf dem Boden

Bildung & Beruf

Er findet, dass männliche Ansprechpartner in der Kita wichtig sind. Deshalb will er Erzieher werden. Schon nach kurzer Zeit ist Marlon Steinberg für Jungs die Nummer eins.

Marlon Steinberg mag Tattoos. An beiden Armen und am Hals sind sie zu sehen und fallen gleich auf.  Dazu Ohrringe und ein Nasenpiercing. Jetzt ist die Frage, was Marlon Steinberg beruflich macht. Richtig, der 24-Jährige ist angehender Erzieher. Und das sieht man auch, macht ihm sichtlich Spaß.
 
Marlon Steinberg in der Kita
Marlon Steinberg in der Kita
Dabei scheint der Beruf heute gar nicht so attraktiv zu sein. Vom Fachkräftemangel ist überall nicht mehr nur die Rede. Der Mangel an pädagogisch ausgebildetem Fachpersonal ist längst im Kita-Alltag angekommen. „Dabei kann ich meine Fähigkeiten und Interessen bei den Kindern sehr gut einbringen“, findet Marlon, der gerne Fußball und Gitarre spielt und damit bei den Kindern punktet. Eigentlich also ein „cooler Beruf“, findet Marlon, der die Freude daran während eines Freiwilligen Sozialen Jahres in einer deutschsprachigen Kita in Madrid entwickelte und seitdem wusste, dass er Erzieher werden will. Aber warum brechen dann neun von 20 Mitschülerinnen und Mitschülern aus seinem Jahrgang nach wenigen Monaten die Ausbildung ab, fragt er sich.
 
Noch eine weitere Besonderheit bringt Marlon Steinberg mit: Er ist männlich. Das ist zwar nicht mehr untypisch für seinen Berufsstand. Immerhin sind vier von elf Mitschülern aus seinem Jahrgang männlich. Doch muss der 24-Jährige konstatieren: „Als Mann bin ich in meinem Beruf immer noch eine Minderheit“. Dass dieser Beruf bis heute vor allem weiblich geprägt ist, sieht Marlon auch an den Schulbüchern, in denen meistens von „Erzieherinnen“ gesprochen wird. Die männliche Form fehlt. Noch.
 
Dabei sind Erzieher gerade für die Jungs eine wichtige Bezugsgröße im Kita-Alltag. Wenn es zum Beispiel um Fußball oder Toben geht, dann ist Marlon ihr Ansprechpartner Nummer 1. Und auch zu den Mädchen entwickelt er einen Draht. Auch wenn das etwas länger dauert als bei den Jungs.
 
In seiner dreijährigen Ausbildung sind Theorie und Praxis eng miteinander verknüpft. An drei Tagen in der Woche ist Marlon Steinberg an der Elisabeth-Selbert-Schule und an den anderen beiden Tagen in der evangelischen Kita „Trinitatis“ in Durlach-Aue. Diese Abwechslung gefällt ihm. „Das Gute daran ist, dass ich so gleich das, was ich in der Schule lerne, hier umsetzen kann“, erklärt Marlon, der auch froh ist, bei einem christlichen Träger arbeiten zu können.
 
Sprüche über seine Berufswahl muss er sich nur noch selten anhören. Aber es gibt sie noch. Warum er sich das antue, das Geschrei und den Stress? Marlon Steinberg fasst diese Sprüche dann eher humorvoll auf.
 
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