Spenden sind wichtig – Kirchensteuer auch

Geld & Spenden
„Ihre Spende für …“ - fast täglich liegt ein neuer Spendenbrief in der Post, gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit. Auch für kirchliche und diakonische Projekte wird geworben. Aber braucht die Kirche überhaupt meine Spende? Reicht es denn nicht, dass ich Kirchensteuer zahle? Warum Kirchensteuer und Spenden wichtig sind, erklärt der landeskirchliche Fundraisingbeauftragte Torsten Sternberg im Interview.
Die Kirche erhält von ihren Mitgliedern Kirchensteuern, bittet diese aber auch immer wieder um Spenden. Wofür braucht sie beides?
Die Kirchensteuer ist für die Grundversorgung der kirchlichen Arbeit wesentlich, die Spenden sind für alles, was darüber hinausgeht. Im kommenden Jahr erwartet die Evangelische Landeskirche in Baden etwa 366 Millionen Euro durch Kirchensteuern. Hinzu kommen etwa 20 Millionen Euro Spenden.
Was gehört denn zur Grundversorgung?
Im Wesentlichen sind das die Gehälter unserer Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakone und der Menschen, die verwaltend und organisierend im Hintergrund alles am Laufen halten, sowie der Unterhalt für unsere Gebäude. Der Anteil der Ausgaben für Leitung und Verwaltung ist mit 10 Prozent übrigens eher geringer als bei anderen gemeinnützigen Organisationen.
Welche wichtigen kirchlichen Aufgaben werden über die Kirchensteuer getragen, an die man im ersten Moment eher nicht denkt?
Beispielsweise die Telefonseelsorge, die Krankenhaus- und Notfallseelsorge, die Angebote der Erwachsenenbildung. Auch unsere „Stimmen“ im Landtag und bei der EU, aber auch im öffentlichen Rundfunk: Wer weiß beispielsweise, dass wir gemeinsam mit Württemberg eine Rundfunkpfarrerin haben, die dafür Sorge trägt, dass unsere Botschaft im Rundfunk verkündet wird? Auch unser Engagement im Bereich Klimaschutz wird durch die Kirchensteuer getragen.
Andererseits: Was wäre nicht ohne zusätzliche Spenden möglich?
Alle besonderen Projekte, das außergewöhnliche Konzert, die Schaukel auf dem Kita-Spielplatz, die Kaffeemaschine für den Seniorentreff; es beginnt im Kleinen und geht zum Großen bis zur Renovierung von besonderen Gebäuden wie der Heiliggeist-Kirche in Heidelberg. Der große Vorteil von Spenden ist, dass ich selbst entscheiden kann, wofür ich spende und meist die Wirkung unmittelbar sehe. Und wer seine Spende für kirchliche oder diakonische Zwecke ausgibt, weiß, dass diese zu 100 Prozent in das Projekt fließt, weil die Verwaltungskosten über die Kirchensteuern getragen werden.
Gibt es besondere Gefahren, die Sie in einer rein durch Spenden finanzierten Kirche sehen?
Kirche kann abhängig werden von den Interessen einzelner Spender. Bekommt die Familie der Großspenderin dann ein eigenes Tauffest? Wieviel möchten ältere Gemeindemitglieder in Jugendarbeit investieren? Was fließt in die Flüchtlingsarbeit? Die Unabhängigkeit und die Freiheit in der Entscheidung, welche Schwerpunkte eine Gemeinde setzen möchte, wären dann gefährdet.
Außerdem hängt beides oft unmittelbar zusammen. Eine Spende für die Kirchenorgel beispielsweise ist sinnvoll, wenn es vor Ort auch einen Kantor oder eine Kantorin gibt, welche/r auf der Orgel spielt. Und diese Person wird in der Regel über Kirchensteuermittel finanziert.
Also ist beides für Kirche wichtig – die Kirchensteuer und die Spenden?
Auf jeden Fall: Ohne die Grundsicherung der Kirchensteuer käme es zu drastischen Einsparungen. Durch Spenden kann man aber Dinge unterstützen, die einem besonders am Herzen liegen. Und Menschen, die Kirchenmitglieder sind, sich aber nicht oder nicht mehr an der Kirchensteuer beteiligen, können durch ihre Spende etwas zur kirchlichen Gemeinschaft beitragen.
Übrigens können Kirchensteuern und Spenden gleichermaßen bei der Steuererklärung als Sonderausgabe abgesetzt werden. Auf unserer Website kirchensteuer-wirkt.de kann man sich seine reale Kirchensteuer nach Abzug der Steuerersparnis anzeigen lassen. Und sogar für die Sonntagskollekten gibt es die Möglichkeit, eine Zuwendungsbestätigung zu erhalten, wenn man seinen Beitrag online spendet unter www.ekiba.de/kollekten.
Weitere Informationen über den Haushalt der Landeskirche finden Sie unter www.ekiba.de/haushalt