Alle Jahre wieder – Impuls zum Weihnachtsfest

Heide Reinhard
Ein Post-it Zettel an der Tür, ein Knoten im Taschentuch, ein Memo im digitalen Kalender. Es gibt viele Arten, sich an etwas zu erinnern, das nicht vergessen werden darf. Zum Glück gibt es deshalb alle Jahre wieder das Weihnachtsfest. Denn dieses ist mit seinem ganzen bunten Drumherum, vom Schenken bis zum Plätzchenessen, auch so etwas wie eine Erinnerungshilfe.
Das Weihnachtsfest erinnert an die Geburt Jesu Christi und damit an den Liebens- und Friedenswillen Gottes. Gott wird Mensch, kommt zur Welt im kleinen Kind, schutzlos, bedroht, in Solidarität mit Armen und Schwachen. Eine Botschaft, immer wieder gehört und immer wieder erstaunlich: Gott wird Mensch, um den Menschen nahe zu sein. Niemand kann mehr sagen, Gott ist zu weit weg und zu erhaben. Gott wird Mensch, um der Welt Frieden vorzumachen, mitten in einer friedlosen Welt: Niemand kann mehr sagen, Frieden sei aussichtslos.
Deshalb gefällt mir, wie der Evangelist Matthäus von der Geburt Jesu berichtet (Matthäus 2,1-12). Er erzählt davon, wie kluge, sternkundige Männer aus Babylonien nach Jerusalem kommen, um diesen besonderen neugeborenen König der Juden zu finden. Was liegt näher als diesen unter den Mächtigen der Welt zu suchen? So gehen sie zu Herodes, dem von den römischen Machthabern eingesetzten König. Ein Mann, der für seine Brutalität bekannt ist, der sich nicht um sein Volk kümmert und seine Macht immer wieder missbraucht. Als Herodes von der Geburt Jesu erfährt, erschrickt er und sieht darin seine Macht bedroht. Er fordert die Weisen auf, nach Bethlehem zu gehen und ihm anschließend zu berichten. Sein Plan: die Friedenshoffnung zu zerstören.
Die Weisen finden das Kind in der Krippe und erkennen in ihm Gott. So beugen sie die Knie vor dem machtlosen Kind. Das verändert sie. Im Blick auf die Krippe gewinnen sie einen anderen Blick auf die Verhältnisse in der Welt. Auf dem Rückweg meiden sie den gewalttätigen Herodes. Sie erkennen, welch unmenschliche Absichten er hegt und nehmen einen anderen Weg.
In einer seiner modernen Legenden erzählt der Theologe Werner Reiser wie die „Drei heiligen Könige auf dem Heimweg“ an einer unwegsamen Stelle den richtigen Weg suchen. Einer ihrer Knechte macht ihnen einen Vorschlag, weil er die Gegend kennt. Zwei der Könige reagieren wie gewohnt und empören sich über die Einmischung des Knechts. Der dritte König allerdings erinnert sie daran, wie sie gemeinsam vor dem Kind gekniet hatten und sie jetzt nicht mehr wie früher mit den Menschen umgehen könnten. Und so vertrauen sie sich dem Knecht an, der - wie sich herausstellt - den Weg kennt. Die drei Könige machen also Ernst mit der Botschaft von Weihnachten und beginnen, die Liebe und den Frieden Gottes selbst weiterzutragen.
Gut, dass wir Weihnachten haben. Und solange Weihnachten gefeiert wird, habe ich die Hoffnung, dass sich etwas ändert, dass Frieden möglich wird.
Ich wünsche Ihnen ein friedliches und zuversichtliches Weihnachtsfest. Möge Gott Sie stärken und sein Liebes- und Friedenswillen Sie tragen beim Weitergehen ins neue Jahr.