„Der Baum bleibt bis Lichtmess!“, damit erstaunte mich in diesen Tagen ein katholischer Freund, als ich mich wunderte, dass sein Christbaum Ende Januar noch im Wohnzimmer stand. Früher ging die Weihnachtszeit bis Lichtmess, so die einfache Erklärung. Tatsächlich stehen bis heute in manchen katholischen Kirchen die Christbäume und teilweise auch Krippen bis zum 2. Februar, dem früheren Fest „Mariä Lichtmess“. Bis zur Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil endete damit der Weihnachtsfestkreis. Der Name stammt von den Kerzen und Lichterprozessionen, die es seit dem 5. Jahrhundert dabei gab. Heute hat das Fest den Namen „Darstellung des Herrn“. Es erinnert daran, dass entsprechend dem jüdischen Gesetz Maria und Joseph 40 Tage nach der Geburt ihres erstgeborenen Sohnes Jesus ein Opfer im Tempel darbrachten (Lukas 2, 22-24).
Bis Lichtmess. Eigentlich sympathisch, Weihnachten so lange dauern zu lassen. Zumindest mehr als den Christbaum gleich nach den Feiertagen vor das Haus zu stellen. Sicher, mancher Baum lässt schon nach wenigen Tagen die Nadeln hängen. Immerhin: Ich habe den Christbaum in diesem Jahr erst in der letzten Woche noch recht grün abgebaut.
Im Grunde wäre es doch richtig, das ganze Jahr an Weihnachten zu feiern. Der Weihnachtsbaum schafft das sicher nicht. Es geht ja auch nicht um mehr Lametta, sondern um das Licht im Dunkel, den Zuspruch in diesen verwirrenden und verstörenden Zeiten. Eine Botschaft, die mir Halt, Trost und Hoffnung schenken kann: Ich lebe im Namen des Wunders, dass Gott kein schweigender Weltgrund ist, sondern dass er zu mir in die Tiefe kommt.
Jesus Christus ist in die Welt der kleinen Dinge, meiner kleinen Dinge eingegangen. Er ist nicht im Himmel geblieben und ruft aus sicherer Distanz tröstende Worte auf die Erde. Nein, er kommt dorthin, wo es Heimatlosigkeit und Flüchtlingselend gibt; dorthin, wo schikaniert, gequält, gestorben und umgebracht wird.
Er ist in jedes Dunkel gekommen und hat es erhellt. In das Dunkel unserer Welt, das Dunkel meines Lebens, meiner Krankheit, der Beziehungen und Krisen, auch in das Dunkel unserer Kirche. Mit diesem Licht können wir nichts vollständig ausleuchten, es ist kein Flutlicht. Aber wir können jeweils den nächsten Schritt gehen. Es ist das Licht, das uns eine Vorahnung davon geben kann, dass diese Welt mit all ihren Schrecken, mit ihrer Ungerechtigkeit, dem Hass und Mangel an Liebe nicht das Ende ist, sondern einmal verwandelt werden wird. Und dass schon in diese Welt ein Licht von dieser kommenden Welt hineinblitzt. Überall dort, wo Liebe statt Hass, wo Versöhnung statt Krieg, wo Hoffnung statt Trostlosigkeit dem Leben die Bahn bricht.
Zu „Lichtmess“ gibt es einige Wetterregeln. Sie drücken wie das Licht in der Dunkelheit die Vorfreude auf das Leben, auf den Frühling aus. Bekannt ist der Spruch: „Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.“ Schnee brauche ich jetzt nicht mehr. Aber die Ahnung des Frühlings sowie das Licht im Herzen, das mir Mut schenkt. Und im nächsten Jahr gebe ich dem Weihnachtsbaum noch eine weitere Chance – „bis Lichtmess“.
