„Ich arbeite bei der Kirche…“ - Als Architekt im Evangelischen Oberkirchenrat

Dach mit Photovoltaik-Anlage

Bevor er zur Kirche kam, war er Bauunternehmer. Dass es für einen Architekten in der „Verwaltung“ abwechslungsreich und kreativ zugehen kann, konnte er sich nicht vorstellen. Das hat sich geändert. Hans Reichert erzählt von seinen Highlights und den aktuellen Aufgaben.

Es war ein schwieriges Projekt. Über Jahre hat es sich hingezogen und zu viel Streit in der Gemeinde geführt. Und doch ist es für ihn so etwas wie ein Lebenswerk. Hans Reichert hat die Renovierung der Friedenskirche in Heidelberg-Handschuhsheim begleitet. „Als die Architekten das Projekt damals vorstellten, habe ich gedacht: Wenn uns das gelingt, wird das eine richtig große Sache.“ Lebhaft erinnert er sich auch noch über zehn Jahre nach der Renovierung an den Prozess vor Ort. „Dass wir es geschafft haben, finde ich total klasse. Es ist eine tolle Kirche geworden. Ich war erst neulich wieder zum Konzert dort.“   
 
Hans Reichert ist seit 2001 Architekt bei der Evangelischen Landeskirche in Baden. „Genau genommen ist mein Sohn Louis daran schuld. Der kam auf die Welt und saß dann ein halbes Jahr lang in so einem Maxi Cosi auf dem Schreibtisch unserer Holzbaufirma, während meine Frau und ich die Planungen gemacht haben. Eines Tages saßen wir uns gegenüber am Schreibtisch, guckten uns an und uns war klar, dass das mit Kind nicht so richtig funktioniert: morgens um sieben auf der Baustelle, mittags wieder im Büro und nachts mit dem Kunden verhandeln. So bin ich dann in der Verwaltung bei der Pflege Schönau gelandet.“
 
Nicht immer hatte Hans Reichert einen Bezug zur Kirche. Doch mit der Geburt seines ersten Kindes hat sich viel für ihn verändert: „Ich habe dann gemerkt: jetzt kommst du in eine ganz andere Rolle.   Selbstbestimmung und Selbstverantwortung haben absolute Grenzen. Parallel dazu habe ich mich mit unserem Dorfpfarrer getroffen, weil ich Streit mit einem Maurerkollegen hatte, der für mich gearbeitet hat. Ich dachte: jetzt fragst du mal den Pfarrer, was der dazu sagt. Der hat mit mir wirklich so ein bisschen Konfirmandenunterricht gemacht und dann haben wir für den Maurer gebetet. Und so bin ich den Brass auf diesen Maurer losgeworden.“ Reichert ist mit dem Pfarrer in Kontakt geblieben und hat sich noch vor der Geburt seines ersten Sohnes taufen lassen. Er lacht: „Ja, der hat mein Leben so verändert, dass ich dann auf einmal bei der Kirche war.“
 
Selbst gläubig zu sein, findet Hans Reichert hilfreich für seine Aufgabe als Architekt bei der badischen Landeskirche: „Für mich erklärt sich vieles von dem, was wir in den Gebäuden jetzt zu machen haben, aus der Liturgie. Wenn man sich für die Liturgie nicht interessiert, dann fehlt ein ganz großer Zugang zu dem Gebäude.“ In seiner jetzigen Heimatgemeinde war er lange im Kirchengemeinderat und gehört immer noch dem Bauausschuss an. Auch das hilft ihm beruflich. „Im kirchlichen Umfeld hat man es mit netten, engagierten Leuten zu tun. Die wollen etwas, aber sie machen es „on top“ zu irgendetwas ganz anderem, das in ihrem Leben wichtig ist. Sie brauchen so etwas wie einen Schlüssel, wie es gehen kann. Man muss verstehen, wie die Leute drauf sind und wie sie miteinander reden.“     
 
Architekt für die Kirche zu sein, ist also anders als für ein Unternehmen? „Du bist komplett in anderen Regionen unterwegs. Das Miteinander ist völlig anders als das, was wir in der Bauwirtschaft im Regelfall haben, wo Termine, Kosten und Renditen im Vordergrund stehen, und dann kommt ein Gebäude raus. Bei der Kirche haben die Leute eine Idee, wie sie Gemeindearbeit machen wollen. Das ist eine völlig andere Ausrichtung.“
 
Seit kurzem prägt das Thema „Photovoltaik“ den Arbeitsalltag von Hans Reichert. Die evangelische Landeskirche in Baden hat im April 2023 ein Klimaschutzgesetz beschlossen. Darin verpflichtet sie sich zur CO2e-Neutralität bis 2040. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen u.a. alle Kirchengemeinden die geeigneten Dächer ihrer Gebäude für Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung stellen. Hans Reichert koordiniert diesen Prozess mit viel Überzeugung und Energie. Die Landeskirche investiert dafür viel Geld, vorgesehen sind drei Millionen Euro pro Jahr. „Natürlich kann man fragen, ob das unser Kerngeschäft ist und wir das Geld nicht lieber anders verwenden sollten? Ich sage: es ist unser Geschäft, denn an der Verantwortung für die Schöpfung kommen wir nicht vorbei. Klimaschutz kostet, aber kein Klimaschutz kostet noch mehr.“
 
Das Klimaschutzgesetz wird die Arbeit von Hans Reichert und seinen Kolleg*innen in den nächsten Jahren bestimmen. Aber auch die zunehmend leeren Kassen. Für Neubauten oder aufwändige Umgestaltungen wird kein Geld da sein. Außerdem wird sich die Landeskirche von Gebäuden trennen müssen. Dennoch werden auch in Zukunft Architektinnen und Architekten gebraucht. Da ist sich Hans Reichert sicher. Er kann inzwischen auf viele schöne Projekte zurückblicken. Dazu gehört u.a. die Peterskirche in Heidelberg. Sie war sein erstes großes Projekt. Oder die Dorfkirche in Linx. „Da hat der Pfarrer mit der Hilti im Heizkeller gestanden und die Wände rausgebollert. Das war schon auch Klasse. Das hast du nur bei der Kirche. Erst der deep dive in die Verwaltung hat mir gezeigt, dass es da unglaubliche Spielräume gibt. Das hätte ich nicht gedacht. Das macht Spaß und dafür arbeite ich auch gern.“
 
Lesen Sie hier Informationen zum Klimaschutzgesetz und zur Photovoltaik-Offensive der Landeskirche.
 
  

Hans Reichert

Architekt - Ansprechpartner Photovoltaik