"Ich arbeite bei der Kirche ..." - Als Bezirksjugendreferent im Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg

Bühne auf dem LKW beim Jugendgottesdienst und Besucher:innen

Bildung & Beruf

Er hat ehrenamtlich eine Jugendgruppe geleitet. Diskussionen über christliche Themen, Gottesdienste und kirchliche Großveranstaltungen liebte er schon damals. Dann hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Jetzt ist Gerald Vogt Bezirksjugendreferent im Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg. Von seinen Aufgaben und den Herausforderungen erzählt er im Interview.

Mal eben mit dem Fahrrad, Bus oder Bahn zu einem Konzert fahren oder ein paar Orte weiter, um sich im Freundeskreis zu treffen – auf dem Land ist das oft nicht so einfach. Zum Beispiel für die Jugendlichen im Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg und damit auch für die kirchliche Jugendarbeit dort. „Bei uns auf dem Land ist die Infrastruktur eine besondere Herausforderung. Man muss immer genau schauen, wo man welche Angebote macht“, berichtet Gerald Vogt. Er ist hier seit 2018 Bezirksjugendreferent und sieht in dieser Herausforderung auch eine Chance: „Ich freue mich darauf, die mobile Jugendarbeit auszubauen, durch Aktionen wie die LKW-Jugendgottesdienst-Tour, mit der wir in der Corona-Zeit begonnen haben.“
 
Mit einem LKW und rund 30 Jugendmitarbeiter*innen ist er damals durch den Bezirk gefahren, um vor Ort Jugendgottesdienste zu feiern. Das ist Jugendarbeit, wie Gerald Vogt sie schätzt: „Der Kern der Arbeit ist für mich, dass sich Jugendliche nach ihren Fähigkeiten und Interessen einbringen können, ganz individuell. Dass sie ihren Glauben auf unterschiedliche Weise ausdrücken können. Es müssen nicht alle auf der Bühne stehen und beim Anspiel mitmachen.“ Deshalb gibt es für die LKW-Jugendgottesdienst-Tour inzwischen verschiedene Teams, zum Beispiel für Technik, Vorprogramm, Musik, Organisation oder Service. Vogt möchte, dass junge Menschen „die Bezirksjugend auch ein bisschen als Spielwiese sehen: ich darf Dinge einfach auch mal ausprobieren. Raum zu schaffen für die Kommunikation des Evangeliums in vielfältiger Weise, das ist mir besonders wichtig.“
 
Porträtbild von Gerald Vogt
Bezirksjugendreferent Gerald Vogt
Als Bezirksjugendreferent sind die Aufgaben von Gerald Vogt vielfältig: „Beispielsweise biete ich die Sozial-Mentoren-Ausbildung an, damit Schülerinnen und Schüler dann Sozialprojekte in den Schulen durchführen können. Oder ich übernehme ein bestimmtes Thema in einem Konfi-Jahrgang. Wir bieten Erlebnisübernachtungen an, Freizeiten und Ausflüge, Jugendgruppenleiter- und Alle-Achtung-Schulungen. Gerade starten wir ein neues Projekt, das wir 2-F-Abend nennen. 2-F steht für Film und Fortbildung. Es ist ein kleines Fortbildungsformat, wo wir neue und aktuelle Themen aufgreifen können.“
 
Auch wenn er in seiner Heimatgemeinde Jugendgruppenleiter war und ihm die Gemeindearbeit gefallen hat, hat sich Gerald Vogt nicht direkt für einen kirchlichen Beruf entschieden. „Nach der Fachhochschulreife im Bereich Wirtschaft habe ich erst mal eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann gemacht und dann ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem christlichen Freizeitheim. Irgendwie lag es nahe, danach BWL zu studieren.“ Sich mit theologischen Fragestellungen auseinanderzusetzen und in der Kirchengemeinde aktiv zu sein, blieb zunächst sein Hobby. Das Hobby dann doch zum Beruf zu machen, dafür war schließlich eine Begegnung bei einem Besuch im Krankenhaus ausschlaggebend: „Ich habe da einen Patienten kennengelernt, der ernsthaft krank war. Wir haben uns gegenseitig über unsere Lebenswege erzählt. Das war ein ganz intensives und tolles Gespräch. Irgendwann hat er gesagt: ‚Wir kennen uns nicht, aber so wie Sie strahlen, wenn Sie von der Jugend- und Gemeindearbeit erzählen, rate ich Ihnen: Machen Sie das doch. Das Leben ist viel zu kurz.‘ Als ich rausgegangen bin, war die Entscheidung klar für mich.“    
 
Kürzlich ist die Studie „Jugend zählt 2“ erschienen, die die Statistik 2022 der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Baden und Württemberg auswertet. Ist Gerald Vogt von den Ergebnissen der Studie überrascht? „Die Studie hat viele gute Erkenntnisse gebracht. Und sie hat etwas bestätigt, was ich schon länger sehe, was wir aber noch nicht ausreichend berücksichtigen: für viele Jugendliche ist die Konfi-Zeit der letzte Kontaktpunkt zur Kirche. Die Ressourcen, die hier liegen, müssen wir zur Entfaltung bringen. Deshalb ist mir für unseren Bezirk die Verbindung von Jugendarbeit und Konfi-Arbeit so wichtig. Wir brauchen aber auch noch mehr Anknüpfungspunkte und Angebote für 18 plus, zum Beispiel Freizeiten für junge Erwachsene.“
 
Gemeinsam mit den Jugendlichen aus dem Leitungskreis überlegt Gerald Vogt jedes Jahr neu, welche Projekte und Aktionen stattfinden sollen und welchen Bedarf es bei den Jugendlichen gibt.
„Eigentlich geht es immer um ermutigen und befähigen. Wir müssen den Jugendlichen Mut machen, Dinge auszuprobieren, damit sie erleben können: ich kann etwas. Und ich sehe einen ganz großen Bedarf nach Gemeinschaft. Natürlich hat das auch mit Corona zu tun. Diese Isolierung, die viele Jugendliche erlebt haben, zu Hause sein, allein sein, keine Gemeinschaft haben, das sind schon Probleme, die Jugendlichen mittragen. Deswegen braucht es die Ermutigung, sich wieder in die Gemeinschaft einzubringen.“ Die Basis kirchlicher Jugendarbeit sieht Gerald Vogt darin, „den Raum zu schaffen, dass Jugendliche sich auch wirklich äußern können, ihre Gefühle und ihre Bedürfnisse aussprechen können, überhaupt eine Sprache dafür zu finden. Da sein, zuhören und ernst nehmen.“
 
Durch das Studium an der Evangelischen Hochschule Freiburg und das Praxissemester fühlt der Bezirksjugendreferent sich gut auf seinen Berufsalltag und die kommenden Herausforderungen vorbereitet. „Das war ab dem ersten Tag wirklich genau das, was ich machen wollte. Und das hat sich - ich bin jetzt seit 10 Jahren im Dienst - dann auch in der Praxis bewährt.“
Würde er diesen Weg noch einmal einschlagen? Ohne Zögern antwortet er mit einem freudigen „Ja! Wir dürfen uns in unserem Beruf mit existenziellen Fragen auseinandersetzen, die Menschen bewegen. Wir dürfen Gemeinschaft leben mit anderen, können nah dran sein an den Menschen und unsere Ideen umsetzen. Dieses breite und bunte Arbeitsfeld finde ich sehr positiv.“