Wo Gott wohnt – Impuls über Straßen und Plätze

Straßenschild Neues Leben

Thomas Weiß

In Überlingen (wo ich grad was zu schaffen hab), da gibt es eine „Frohsinnstraße“! Ist das nicht herrlich: ein ganzer Straßenzug, in dessen Namen schon Lust und Laune schwingen? In Karlsruhe können Sie im Lachenweg wohnen, in Friedrichshafen sogar in der Glückstraße. Mönchengladbach bietet Heimat in der Hoffnungsstraße und in Münster können Sie über den Platz des Friedens flanieren. Ach, so freundliche Namen! Davon gibt’s gar nicht so wenige: Wohllebengasse (Wien), Heilstraße (Essen), Liebessteig (Forchheim). Da und dort schlüge ich schon gerne mal mein Zelt auf oder baute ich Hütten!
 
Es steht nur zu befürchten, dass alle die, die solche erfreulichen Adressen haben, nicht immer auch das Glück empfinden, nach dem ihre Straße heißt, und dass auch denen in der Lachenstraße bisweilen das Lachen im Halse stecken bleibt. So geht’s im Leben halt nicht zu, dass aus der Friedenshortstraße nicht bald mal ein Leidensweg (Krauschwitz) werden könnte, sogar in Freudenberg, wo die Friedenshortstraße nämlich liegt.
 
Gut, sehr gut zu wissen, dass Gott auf all diesen Wegen, Steigen und Straßen zuhause ist. Da hat Gott seine Adresse, auf der Himmelreichallee (Münster) genauso wie auf der Via Dolorosa, dem „schmerzhaften Weg“. Den ist Gott in Jesus gegangen, oder besser: gestrauchelt und gestolpert, gefallen unter der Last des Kreuzes, das für alles steht, was uns straucheln und stolpern lässt. Und was uns der Heimat auf Freudenplanen (Goslar) oder in Troststraßen (Nürnberg) beraubt. Mich tröstet und begeistert (in Halle an der Saale gibt es die Geiststraße!), dass Gott gerade dort Wohnung nimmt, wo wir wohnen, dass er eben dort zuhause ist, wo wir lachen und weinen, zufrieden oder untröstlich sind.
 
Ich weiß nicht genau, ob das ein Leben in der Kriegsstraße (Karlsruhe), auf dem Streitplatz (Erndtebrück) oder dem Zweifelberg (Brackenheim) leichter macht, aber gewiss bin ich, dass ich und dass wir Menschen dann dort nicht alleine wohnen. Gott ist mit von der Partie. Was sich – zwischenrein und am Ende – so anfühlt, als lebte ich in der Frohsinnstraße (lange schon)!