„Wir können was bewegen“ - Die Youth Academy Baden

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Politik & Gesellschaft

Vielfalt, zahlreiche Chancen, aber auch viele Herausforderungen und eine Welt voller Konflikte – wie können sich junge Menschen da orientieren? Wie finden sie den richtigen Weg, um Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen? Die Youth Academy Baden möchte junge Menschen dabei unterstützen. Pfarrerin Claudia Rauch berichtet über aktuelle Themen und bisherige Erfahrungen.    

Sie sind zu Gast in einer Berufsschulklasse mit angehenden Informationstechniker:innen. Die Lehrerin möchte mit ihrer Klasse über das Thema „Demokratie“ sprechen. Deshalb hat sie Claudia Rauch und Max Wejwer eingeladen. Die beiden sind Referentin und Referent für gesellschaftspolitische Bildung der Youth Academy Baden. Zunächst geht es um Werte: Was sind Werte und für welche stehe ich ein? Dann werden die Schülerinnen und Schüler danach gefragt, wie groß sie ihre Mitgestaltungsmöglichkeiten einschätzen. In der Klasse, in der Familie, in der Gesellschaft. Dazu stellen sie sich im Raum auf. Verwunderung löst die Lehrerin aus mit ihrem Gefühl, gar nicht so viel mitbestimmen zu können, wie die Schülerinnen und Schüler dachten.
 
Claudia Rauch ist mit dem Vormittag in der …Schule zufrieden. „Für uns ist es ein Erfolg, wenn Jugendliche, die zuerst sagen: ‚Das interessiert mich nicht. Ich habe eh nichts zu sagen‘, merken, dass doch was geht. Unser Ziel ist es, dass Jugendliche ihre Selbstwirksamkeit entdecken und merken, sie können etwas beitragen und gestalten.“   
 
Porträt Claudia Rauch
Pfarrerin Claudia Rauch, Youth Academy Baden

Quelle: Ulli Naefken (EKIBA)

Mit der Youth Academy will die Evangelische Landeskirche in Baden jungen Menschen Räume für die Entwicklung ihrer politischen Urteilsbildung bieten. Dafür sind Claudia Rauch und Max Wejwer viel unterwegs. Gerade waren sie zu einer Gemeindefreizeit eingeladen und haben mit rund 60 Menschen zum Thema „Was prägt mein Leben? Wie kann ich prägen?“ gearbeitet. Regelmäßig werden sie für Workshops aus dem Themenspektrum Demokratie, Werte, Vielfalt mit Konfirmand:innen oder Jugendgruppen angefragt.  
 
 
Zum regelmäßigen Veranstaltungsformat der Youth Academy hat sich der Foto-Workshop entwickelt. Claudia Rauch ist begeistert: „Da kann man sehr gut mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen. Wir können schauen, was sie grad interessiert und was dran ist. Wenn wir zum Beispiel das Thema haben ‚Miteinander in der Welt‘, dann geht es natürlich um die Frage: Was gibt es für Möglichkeiten, wie wir das Miteinander in der Welt – vielleicht auch besser - gestalten können, auch besser gestalten können?“ Sie schätzt auch die Zusammenarbeit mit einer Theaterpädagogin, die bei den Workshops immer dabei ist. „Da sagen die Jugendlichen oft: ‚Am Anfang habe ich gedacht: Was soll das jetzt? Theater ist gar nicht so meins. Aber dann habe ich total viel über mich erfahren. Das war toll.‘“
   
2018 haben Rauch und Wejwer mit Gedenkstätten-Fahrten nach Auschwitz begonnen. Eine Woche sind sie dann gemeinsam unterwegs. „Natürlich melden sich da junge Leute an, die schon sehr reflektiert und bereit sind, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Aber das ist so intensiv, dass ich schon das Gefühl habe, wir können was bewegen und deutlich machen, dass es eben nicht egal ist, ob man gegen Antisemitismus und Rassismus was unternimmt oder nicht.“
 
Gut angenommen wird auch der Kleidertausch in Karlsruhe. „Anfang Mai ist der nächste. Der ist inzwischen gut etabliert. Da machen wir aber nicht nur Kleidertausch, sondern man bekommt zum Beispiel auch Infos über die Herstellung von Kleidern oder darüber, wie viel Wasser man braucht, um Jeans zu produzieren. Das sind eher Wissensmodule to go. Wir wollen gern anregen, sein eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen.“
 
Farben - Frische - Fotos (Beitrag über einen Foto-Workshop der Youth Academy, aus Himmel über Baden)
 
„Demokratie, Werte, Vielfalt“ ist das Motto der Youth Academy. Für Claudia Rauch ist klar: „Die Grundlage unserer Arbeit ist die Gottebenbildlichkeit jedes Menschen und die damit verbundene Würde. Das Wesentliche ist, dass vor Gott alle Menschen gleich sind.  Daraus ergibt sich, wie wir Demokratie gestalten wollen und was Vielfalt für uns bedeutet.“     
So manche Entwicklung beobachtet sie mit Sorge: „Unter anderem durch das Erstarken der AfD hat sich vieles verändert. Es wird suggeriert, dass rechtes Gedankengut ‚irgendwie‘ ok ist. Ich bin selbst viel im Internet unterwegs. Dass man scheinbar alles äußern kann, Dinge so unverblümt und unverschämt verdreht, das Gesprächsklima so rauh geworden ist, nehme ich mit großer Besorgnis wahr.“
 
Worauf wird es besonders ankommen in der nächsten Zeit? „Wir sind mit unserer Arbeit auch zu einer gewissen Neutralität verpflichtet. Trotzdem haben wir eine klare Positionierung und einen eigenen Standpunkt. Es wird darum gehen, Haltung zu zeigen und nicht einfach alles laufen zu lassen. Ich war nicht schon immer ein besonders politischer Mensch. Aber ich habe zunehmend gemerkt, wie wichtig es ist, als Christin in der Gesellschaft die Meinung zu sagen und für christliche Werte einzustehen. Unsere Demokratie ist nicht selbstverständlich.“
Persönlich heißt das für sie, dass sie auch auf Demos geht und sich auf Facebook oder Instagram in Diskussionen einmischt. „Und dass ich mich einfach auch mehr informiere. Das hat deutlich zugenommen bei mir.“
 
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