Mittenmang - Eindrücke vom Deutschen Evangelischen Posaunentag in Hamburg

Bläserinnen und Bläser beim Schlussgottesdienst

Gottesdienst & Kirchenmusik

Hamburg lockt. Mit Sehenswürdigkeiten, mit Kultur, mit Wasser. Und am ersten Maiwochenende mit dem Deutschen Evangelischen Posaunentag. 15.000 Bläserinnen und Bläser aus 1600 Posaunenchören aus ganz Deutschland lassen sich nach Hamburg locken und erleben ein glanzvolles Wochenende.

Den Landesposaunentag auf der Bundesgartenschau in Mannheim im letzten Jahr habe ich noch in guter Erinnerung. Gemeinsam mit 2.300 Bläserinnen und Bläsern zu musizieren, war wunderbar. In Hamburg wird es eine Nummer größer: 15.000. Und ich mittendrin. Oder wie es plattdeutsch heißt: mittenmang.
„Mittenmang“ ist auch das Motto des Deutschen Evangelischen Posaunentages (DEPT) in Hamburg. Im Herzen der Stadt soll die Musik die Herzen der Menschen erreichen.

Freitag – Leinen los

DJ-Pult im Sonderzug zum DEPT 2024
Im Sonderzug zum DEPT 2024

Quelle: Ralf Klöpfer

Die Vorfreude auf den DEPT ist groß. Besonders spürbar wird das im Sonderzug, der bereits am 1. Mai 800 Bläserinnen und Bläser aus Baden nach Hamburg bringt. Der Förderverein Badische Posaunenarbeit hat die Fahrt organisiert. Für Abwechslung unterwegs sorgen u.a. Zugkonzerte und ein DJ-Pult.
Auch andere der insgesamt rund 2000 badischen Teilnehmer:innen (nur aus Bayern haben sich mehr Bläser:innen angemeldet) sind schon vor dem Posaunentag angereist, um Zeit für die Sehenswürdigkeiten Hamburgs zu haben. Denn mit dem Start des DEPT am Freitag erwartet alle ein umfangreiches und buntes musikalisches Programm.
 
Offiziell beginnt der DEPT in Hamburg am Freitag um 18.00 Uhr mit einem Eröffnungsgottesdienst auf der Moorweide, einer großen öffentlichen Grünanlage am Bahnhof Dammtor. „Leinen los“ heißt das erste Musikstück. Der Vorsitzende des Evangelischen Posaunendienstes in Deutschland, Gerhard Ulrich, und der Leitende Obmann Frank Möwes stimmen auf die nächsten Tage ein und betonen: „Wir lassen klingen, was wir glauben“.
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht das Mottolied „Mittenmang“. Im Text von Christian Kollmar heißt es u.a.: „Unsre Gabe ist Lobgesang, viele Töne, ein großer Kang! Viele Menschen, ein frischer Wind: Frieden wächst, wo wir achtsam sind. Erde, atme auf, Menschen, kommt zuhauf, hört den Gottesklang mittenmang!“ Wie passend.
Auch die Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich, ist gekommen, mit ihrer Trompete und der Erfahrung, dass in Posaunenchören Glaube geteilt und erfahren wird.
Am Abend finden in 13 Hamburger Kirchen Konzerte von Auswahlchören und Bläserensembles statt. Alle sind ausgebucht.

Samstag – Hamburg klingt

Der Samstag ist voller Musik. Zuerst geht es mit allen anderen Bläser:innen für zwei Stunden in den Stadtpark zur Probe für die Serenade am Abend und den Gottesdienst am Sonntag. Wenn 15.000 Menschen ziemlich gleichzeitig an einen Ort wollen und von dort auch wieder weg, ist das eine Herausforderung für den öffentlichen Nahverkehr. Aber in keiner der Schlangen, in der ich während des DEPT stehe, macht sich schlechte Stimmung breit. Vielmehr kommt man ins Gespräch und tauscht sich aus.
 
Badische Bläser:innen beim Konzert in der St. Michaelis-Kirche Hamburg
Badische Bläser:innen beim Konzert in der Kirche St. Michaelis 

Quelle: Ralf Klöpfer

Nach der Probe heißt es „Hamburg klingt“, denn über die ganze Stadt verteilt finden über 120 Platzkonzerte statt, auch in Krankenhäusern und Altenheimen. An besonderen Orten in Hamburg werden Themen, die uns beschäftigen, musikalisch aufgegriffen. Beim Auswanderer-Museum heißt das Thema „Flucht und Migration“, am St. Pauli Fischmarkt „Klima“.
 
Die nächste Konzertrunde beginnt um 17.00 Uhr. Wieder gibt es in den Hamburger Kirchen Bläsermusik auf höchstem Niveau zu hören. Auch die beiden badischen Landesposaunenwarte musizieren mit ihren Ensembles. Heiko Petersen ist mit dem Mittelbadischen Bläserkreis und dem Südbadischen Blechbläserensemble in der St. Michaelis-Kirche zu hören, Armin Schaefer mit dem Nordbadischen Bläserkreisensemble und dem Bläserkreis der Hochschule für Kirchenmusik Heidelberg in der St. Johanniskirche.
 
Wenn ich im Vorfeld Leute gefragt habe, worauf sie sich am meisten beim DEPT freuen, hieß es fast immer: „Auf die Serenade!“ Die findet ab 20.24 Uhr auf der Jan-Fedder-Promenade statt. Allen, die an diesem Abend mit der U- oder S-Bahn an der Promenade vorbeifahren, bietet sich ein spektakuläres Bild: auf 1,2 km reihen sich Bläserinnen und Bläser aneinander. Und gegenüber, auf dem Museumsschiff Cap San Diego, sind rund 400 Mitglieder der Landesjugendposaunenchöre zum Spielen bereit. Vielfältiger kann Bläsermusik nicht sein als an diesem Abend. Auch Moderator Yared Dibaba ist begeistert. Und er sorgt auch selbst für ausgelassene Stimmung, in dem er uns „Plattdeutsch für alle Lebenslagen“ beibringt.
 
Bleib bei mir, Herr (aufgenommen bei der Abendserenade auf der Jan-Fedder-Promenade)

Sonntag – Großes Finale

Auch am Sonntagmorgen strömen alle in den Stadtpark. Zum Schlussgottesdienst, der um 12.00 Uhr beginnt. Den riesigen Posaunenchor aus allen Teilnehmenden leiten der badische Landesposaunenwart Heiko Petersen und sein Kollege aus der Nordkirche, Daniel Rau. Die Organisator:innen haben sich etwas Besonderes einfallen lassen: Im Stadtpark steht die Bühne in der Mitte, die Bläser:innen sind auf vier Blöcke verteilt. Das ergibt zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten beim Musizieren. Mal spielt Block A und C, dann B und D usw.
Bevor es losgeht, stellt der Armin Schaefer die Initiative „Gründung von Posaunenchören“ des Evangelischen Posaunendienstes in Deutschland vor.
Die Hamburger Bischöfin und kommissarische Vorsitzende des Rates der EKD, Kirsten Fehrs, betont in ihrer Predigt v.a. die Friedensbotschaft, die von den Posaunenchören ausgeht. „Hier heißt es: keine Angst, sondern Mut und Freiheit.“
Bläser:innen beim DEPT 2024 in Hamburg
Bläser:innen beim DEPT 2024 in Hamburg

Quelle: Ralf Klöpfer

 
Und dann heißt es auch schon „Tschüss Hamburg“. Für uns Bläserinnen und Bläser geht ein „Event der Sonderklasse“ zu Ende. „Wärme und Glanz mit nach Hause nehmen“, ist den einen wichtig. Andere schwärmen: „Alle haben etwas gemeinsam. Es ist so toll, mit Leuten zusammen Musik zu machen, die man gar nicht kennt.“
 
Alle acht Jahre findet der Deutsche Evangelische Posaunentag statt. Wo es nach Leipzig, Dresden und Hamburg in acht Jahren hingeht, ist noch nicht bekannt. Die Organisator:innen des Hamburger Festivals sind erst mal „froh und glücklich, wie alles gelaufen ist,“ sagt Heiko Petersen, der das Groß-Event in Hamburg sechs Jahre lang mitvorbereitet hat. „Da gibt es natürlich unterschiedliche Phasen, von den ersten Überlegungen, über den Kompositionswettbewerb bis zum Schallschutzgutachten und der Frage: wird das Wetter halten?“    
Es hat gehalten. Zumindest bis zum Abräumen der 15.000 Stühle im Stadtpark.
 
Hier finden Sie weitere Informationen zur Badischen Posaunenarbeit.