Kirche, Bühne, Stadion – Der Eventmacher und Landessynodale Martin Wacker

Fußball auf grünem Rasen

Engagement & Freizeit

Seine Stimme kennen viele. Aus dem Radio, aus dem Stadion, von großen Veranstaltungen und aus dem Theater. Martin Wacker ist eine feste Größe in der Karlsruher Event-, Kultur- und Sportszene. Seit April ist er auch Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden. Im Interview spricht er darüber, was Kirche für ihn ausmacht und was sie vom Sport auch noch lernen kann. 

„Das, was ich beruflich mache, und das, was Kirche für mich bedeutet, hat an einer Stelle ganz viel gemeinsam: Menschen begegnen sich und kommen zusammen. Davon lebt eine Gesellschaft.“ Martin Wacker ist Geschäftsführer der Karlsruher Marketing und Event GmbH und verantwortet Großveranstaltungen wie das Open-Air-Musikfestival „Das Fest“ oder die Karlsruher Schlosslichtspiele. „Dass Menschen sich friedlich begegnen und aufeinander aufpassen, das treibt mich an.“ Er sieht sich als „professionellen Begegnungsflächenschaffer. Und Kirche ist eben für mich eine, vielleicht die wichtigste Gemeinschaft, in der ich mit anderen zusammenkomme.“

Christlich geprägt

Porträtfoto Martin Wacker
Martin Wacker

Quelle: Michael Hornung

Von 2019-2022 hat Martin Wacker die städtische Geschäftsstelle der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe geleitet. Berührungspunkte mit der Kirche hatte er allerdings schon viel früher. „Meine Sozialisierung zum Menschen, der auf einer Bühne steht und der mit anderen Menschen Projekte und Veranstaltungen durchführt, begann in der Kirche. Man braucht ja immer offene Räume, um was auszuprobieren. Und die Kirche hat mir den ersten offenen Raum geboten. Das ist tatsächlich so.“ Nach seiner Konfirmation ist Martin Wacker der Kirche treu geblieben, hat eine Jungschar übernommen und mit anderen Konfirmand:innen Bühnenshows beim Gemeindefest organisiert. Über diese Bühnenaktivitäten ist er später an das Karlsruher Sandkorn-Theater gekommen.  
 
Was ist für den Eventmanager Wacker von der Vollversammlung des ÖRK geblieben? „Natürlich das Internationale, also diese Vielfalt, diese Offenheit und auch der Beweis, dass diese Stadt international und Offenheit kann.“  Aber er fühlt sich auch in seiner positiven, im christlichen Glauben begründeten Grundhaltung bestätigt: „Ich habe auch wieder gelernt, nie den Glauben zu verlieren. Weil die Stadthalle noch eine Baustelle war, wäre diese Weltkirchenkonferenz beinahe nicht nach Karlsruhe gekommen. Und dann wurde die Open-Air-Gottesdienstfläche mit dem magischen Riesenschirm zum Markenzeichen. Wunderbar!“  
 
Seit April ist Martin Wacker auch Landessynodaler der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Seine ersten Eindrücke sind sehr positiv: „Ich bin nach den ersten synodalen Tagen, die ich miterleben durfte, absolut begeistert von der Grundatmosphäre, von der Offenheit und von den Menschen, die ich kennenlernen durfte.“ Was möchte er bewirken? „Mit dem, was ich tue, kann ich ein Stück weit dazu beitragen, dass Christsein in der Stadtgesellschaft eine Bedeutung hat. Zum Beispiel beim Weihnachtliedersingen im Fußballstadion. Ich mache mir aber auch Sorgen um meine Kirche. Das erlebe ich auch täglich im Freundes- und Bekanntenkreis. Ich schätze die demokratische Arbeit der Landessynode. Die Mitarbeit ist für mich auch noch mal eine Horizonterweiterung, auf die ich mich gern einlasse.“

Von der Kirchenbank auf den Platz

Viele kennen Martin Wacker auch als Stadionsprecher beim Karlsruher SC. Zunächst war seine ausdrucksstarke Stimme dafür ausschlaggebend. Im Lauf der Jahre hat er viel erlebt. Besonders erinnert er sich ein eine Situation: „Wir hatten einmal einen Sturm, einen wirklichen Orkan. Der war zwar angekündigt, aber niedrig eingestuft. Während des Spiels kam dieser Sturm zum Stadion. Im alten Stadion saß ich ganz oben, praktisch unterm Dach. Ich konnte über die Stadionkante hinausschauen und sah, wie etwa fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff der alte Baumbestand ums Stadion umfiel, ein Baum nach dem anderen, wie Bleistifte, in Autos rein. Um mich herum war alles in Aufregung, aber keiner gab mir irgendeine Anweisung. Da habe ich im Stadion gesagt: ‚Liebe Leute, bleibt auf euren Plätzen, geht nicht an die Imbissstände, geht nicht nach draußen, bleibt alle drin.‘ Das hat sich im Nachhinein als total sehr richtig erwiesen, denn viele Buden und Autos waren von den Bäumen zerstört worden. Das war eine sehr brenzlige Situation, in der ich sehr viel Eigenentscheidung treffen musste.“ Deshalb geht es für Martin Wacker bei seiner Aufgabe als Stadionsprecher auch nicht um Show. „Sondern es geht um eine große Verantwortung für viele Menschen.“ Nach der Sommerpause geht Wacker in seine 25. Saison als Stadionsprecher.

Fußball schafft Verbundenheit

Davor findet aber erst mal die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland statt. Das Eröffnungsspiel am 14. Juni wird Martin Wacker nur teilweise sehen. „Ich stehe an diesem Abend mit dem Stück ‚Ein seltsames Paar‘ auf der Bühne im Sandkorntheater. Aber wir haben dann in der Garderobe einen Bildschirm stehen. Die zweite Halbzeit kann ich also in der Garderobe des Sandkorntheaters sehen.“
Das Motto der Europameisterschaft lautet „United by Football. Vereint im Herzen Europas“. Dass Fußball verbinden kann, steht für Martin Wacker außer Frage. Dazu tragen auch viele Fanprojekte bei, die in den 80er- und 90er- Jahren entstanden sind. „Bei uns gibt es zum Beispiel ‚KSC tut gut‘ oder ‚Fußball macht satt‘, zwei tolle Projekte, wo die enge Fanszene u.a. Geld für warmes Essen für wohnsitzlose Frauen sammelt. In der Fankultur und Fanarbeit hat sich viel zum Positiven verändert.“
Menschen beim Weihnachtsliedersingen im KSC-Stadion
Weihnachtsliedersingen im KSC-Stadion

Quelle: KME/Jürgen Rösner

 
Faszinierend ist für Martin Wacker immer noch das Gemeinschaftsgefühl, für das der Fußball sorgen kann. „Fußball kann jede und jeder spielen. Ball her und los geht’s. Das hat was. Gemeinschaftserlebnis und Gemeinschaftsgefühl ist aber auch das, was Kirche sehr gut kann.“ In seinen Augen nutzt die Kirche dieses Potential aber noch zu wenig. “Als in Corona-Zeiten zum Beispiel die Gottesdienste im Freien vor den Kirchen waren, waren die oft viel lebendiger als in den Kirchenräumen. Mut, mal was anders zu machen, auch mal an anderen Orten - ich sehe da eine große Chance, noch mehr Menschen zu begeistern.“ Seiner Erfahrung nach schaffen es die Fußballclubs auch sehr gut, mit den Menschen zu kommunizieren und sie an sich zu binden. „Also ich glaube, der Fußball hat es geschafft, in die Mitte der Gesellschaft zu kommen. Die Kirche ist eigentlich die Mitte der Gesellschaft, und manchmal guckt sie dann doch noch von außen zu. Ich glaube, das kann man lernen.“
 
Und wie weit wird die deutsche Mannschaft bei der Europameisterschaft kommen? „Ins Halbfinale“, antwortet Martin Wacker ohne Zögern. „Ein Ausscheiden in der Vorrunde schließe ich aus.“