Meine Stadt - Impuls zu den Ereignissen in Mannheim

Marktplatz Mannheim mit Wochenmarkt und Rathaus

Ilka Sobottke

Mannheim. Mannheim ist meine Stadt. Der Marktplatz mittendrin in dieser bunten lebendigen Stadt, ein Treffpunkt so vieler verschiedener Menschen, keine 100 Meter von unserer Kirche entfernt. 
 
Mannheim, unser Marktplatz in den Nachrichten, tagelang. Eine Messerattacke. Ein Mord. Die Stadt in Schock, Entsetzen, Trauer und Wut. Ein junger Mann aus Afghanistan hat Leute bei einer Demo angegriffen, eine antimuslimische Gruppe,  und er hat einen jungen Polizisten erstochen. 
 
Seit Wochen schon hat sich die Atmosphäre verändert. Wo sonst Leute entspannt auf dem Platz sitzen, Kinder Tauben hinterherrennen, Hochzeitspaare sich fotografieren lassen, wo sonst auf dem Wochenmarkt freundlich geplaudert wird, nun ständig Demonstrationen und Gegendemonstrationen. 
 
Die Weltlage ist in die Stadt eingedrungen mit Hassreden und Aggressionen. Die freundschaftliche Nachbarschaft von Kirchen, Moscheen und Synagoge ist herausgefordert. Wir reden miteinander, immer wieder. Tauschen uns aus über unsere Gedanken und Gefühle. 
Daneben immer mehr Leute, die nicht mehr zuhören wollen. Brüllen und gegenanbrüllen. Angst macht sich breit. Muslime, die hier seit Jahren ihre Heimat haben, ahnen: Jetzt wird es wieder heißen: die Muslime sind an allem schuld. Und genauso ist es: die Junge Alternative tritt auf, fordert Ausweisungen. Jüdische Mitbürger*innen fragen, wer sie schützt. Radikale Islamisten feiern die Gewalt im Internet. Die Tat wird instrumentalisiert. In der Stadt suchen dennoch viele nach verbindenden Worten.
 
Selig sind die Frieden stiften – Jesus sagt das, damals wie heute ist das kein einfacher Satz
Heute hier in meiner Stadt heißt das: gemeinsam trauern um einen jungen Mann, der starb, weil er andere beschützte. Dann: Zuhören, sich nicht mitreißen lassen vom Hass, den Aggressionen, nicht polarisieren. Wir beten und suchen nach Frieden. Schalom. Salam.