Alter Polizeibus auf neuen Wegen

Engagement & Freizeit
Mit 240.000 Kilometern auf dem Tacho ist der grüne Bus der sächsischen Polizei schon weit herumgekommen. Nun steht er in Südbaden noch einmal am Beginn einer neuen Reise. In Jestetten im Kreis Waldshut bauen Jugendliche und Handwerker aus dem Bus ein fahrbares Jugendzentrum.
„Die Idee entstand spontan nach einem Treffen im Kirchengemeinderat“, erinnert sich Andrea Kaiser, Gemeindepfarrerin aus Kadelburg und Bezirksjugendpfarrerin. „Roland Körner aus dem Gemeinderat erzählte damals von einem alten Reisebus, den er selbst umgebaut hatte.“ Im Gespräch habe sich der Gedanke entwickelt, etwas Ähnliches auch für die Bezirksjugend zu organisieren. „Roland Körner hat für uns diesen alten Bus gefunden und ihn von einem Händler aus Köln hierhergebracht. Jetzt begleitet er den Umbau fachlich.“
Viele Projektpartner arbeiten zusammen
Getragen wird das Projekt von den drei kooperierenden Kirchengemeinden Kadelburg, Klettgau und Jestetten zusammen mit der Bezirksjugend des Dekanats Hochrhein. „Mein Mann Thomas O.H. Kaiser ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Klettgau und hat die Vakanzvertretung für Jestetten. Er konnte Sponsoren, Bürgermeister, Handwerker und Geschäftsleute für das Projekt gewinnen und hat es dadurch auf den Weg gebracht“, berichtet Andrea Kaiser. „Ankauf und Umbau kosten etwa 40.000 Euro.“ Das Geld werde von den drei Gemeinden, vom Kirchenbezirk und durch einen Zuschuss des Landkreises aufgebracht. Der Bezirksjugendreferent Jan Welp begleitet eine Gruppe von Jugendlichen während des Umbaus. Die Kirchengemeinden unterstützen, indem sie die nötigen Kontakte herstellen. So habe man beispielsweise im Gespräch mit dem Bürgermeister und dem Forstamt in Jestetten einen Standort für den Bus gefunden. „Den können sie ja nicht einfach im Dorf vor die Bäckerei stellen.“
Seit der Bus im vergangenen Oktober gekauft wurde, wird in Jestetten geputzt, geschraubt und gehämmert. „Der Bus war noch komplett im Originalzustand mit 50 Sitzen“, erzählt Andrea Kaiser. Diese wurden von den Jugendlichen inzwischen ausgebaut, denn der Bus soll eine Küchenzeile erhalten, eine Lounge und einen kleinen Schlafplatz. „Die Jugendlichen machen all das selbst, was sie können.“ Professionelle Handwerker werden sich später um die Elektrik sowie die Beleuchtung kümmern und eine Musikanlage und die Küche einbauen. „Danach kommt der Bus noch einmal in die Werkstatt, und dann geht´s zum TÜV.“
Wenn der Bus fertig ist, soll er für Aktionen mit Jugendlichen im Landkreis zur Verfügung stehen. Das Team um Bezirksjugendreferent Jan Welp könne damit beispielsweise in Absprache mit den Kirchengemeinden verschiedene Konfi-Gruppen an ihrem Ort besuchen. „Man kann einen Jugendgottesdienst im Grünen feiern oder abends auch ein Fest.“ In den Gepäckfächern unter dem Fahrgastraum sind Bierbänke, Sitzhocker und ein Solarpanel immer mit dabei. „Jugendliche auf dem Land sind oft nicht besonders mobil“, sagt Pfarrerin Andrea Kaiser. „Es liegt nahe, ihnen mit dem Bus ein Stück weit entgegenzukommen.“
Jugendtreff auf Rädern
Die Jugendlichen sollen die Aktionen selbst mitplanen und gestalten. Deshalb sind sie von Anfang an auch schon in den Umbau eingebunden. Der 15-jährige Carlo Walser aus Jestetten berichtet: „Meine Rolle in diesem Busprojekt ist es, zu organisieren, zu planen und Gespräche mit Sponsoren zu führen. Ich bilde die Brücke zwischen den Jugendlichen und den Projekt-Verantwortlichen. Unser Ziel ist es, einen Raum für uns Jugendliche zu schaffen und gemeinsam zu gestalten. Dieser mobile Freiraum soll von Gemeinde zu Gemeinde fahren und unter anderem als Jugendtreff dienen, sei es für Gesprächsrunden, Filmabende und oder auch Partys. Wir Jugendliche wollen die Gemeinschaft stärken und zusammen eine gute Zeit haben. Zu sehen, wie groß die Begeisterung unter den Jugendlichen und auch seitens der Sponsoren und der Kirchengemeindemitglieder ist, steigert die Vorfreude auf dieses Projekt.“
Das fahrbare Jugendzentrum bekomme viel Unterstützung, sagt Pfarrerin Andrea Kaiser: „Ein örtliches Küchenstudio hat uns die Küchenzeile gespendet. Außerdem hat sich eine Firma gemeldet, die vielleicht bei der Fahrzeugwartung helfen kann. Und wir haben das Angebot von einer professionellen Busfahrerin und einem Busfahrer, für uns bei Bedarf ehrenamtlich den Bus zu fahren.“
Und wann wird der umgebaute Bus zum ersten Mal auf die Reise gehen? „Am 27. und 28. Juli 2024 beim Familien-Open-Air in Küssaberg-Reckingen. Andrea Kaiser lacht: „Das ist unser ambitioniertes Ziel, wenn alles gutgeht mit den Handwerkern und der TÜV mitspielt.“
Mehr über die Evangelische Jugend Hochrhein und ihr Bus-Projekt


