Der Weg ist das Ziel – Frauenpilgerweg „Pilger.Schön“ in Baden

Engagement & Freizeit
Auf den Jakobsweg kam sie eher zufällig. Inzwischen hat sie ihr Leben dem Pilgern gewidmet. Beate Steger arbeitet als Pilgerexpertin. Sie gibt Pilgertipps, veröffentlicht Pilgerporträts und schreibt Pilgerführer. Vor einem Jahr hat sie das Projekt "Pilger. Schön" in Baden übernommen. Wie sie beim Planen einer Pilgerstrecke vorgeht und was ihr wichtig ist, hat sie Uta Vorbrodt von Domradio.de erzählt.
Domradio.de: Ich lese gerade ein sehr lustiges Buch über eine Avon-Beraterin, die verstirbt, und ihr Mann, der eigentlich gar kein Avon-Berater-Typ ist, übernimmt ihr Geschäft - grob gesagt - und darum musste ich sofort an Beautyness und Gesichtsmassage denken, als ich von unserer Pilgerexpertin Beate Steger die Info bekam, dass sie vor einem Jahr das Projekt Pilger.Schön übernommen hat, bei dem es um Frauenorte geht. Geht es beim Frauenpilgern um Gurkenmasken?
Beate Steger: Nein, aber man könnte natürlich abends nach erfolgreichem Pilgern, wenn man normalerweise die Füße pflegt, eine Gurkenmaske auflegen.
Domradio.de: Sie haben die Aufgabe übernommen, bei Etappe 7 durch die Ortenau von Achern nach Ettenheim die Wegplanung für Pilger.Schön zu machen. Wie gehen Sie vor?

Beate Steger
Quelle: privat
Domradio.de: Wenn es um Märchen und Sagen geht, kommt man vielleicht auch am Lebkuchenhaus der Hexe vorbei?
Beate Steger: Ja, Hexen natürlich auch. Wobei wir versuchen, auch andere Frauen in den Vordergrund zu rücken, nicht nur Hexen oder alte Bekannte. Natürlich sind es, wenn ich nach Kirchen gehe und nach Frauenfiguren schaue, zu 80 % Marienfiguren, die zu finden sind. Aber manchmal gibt es auch die Heilige Barbara, Elisabeth von Thüringen oder vielleicht auch unbekanntere Frauen. Ich freue mich sehr, wenn ich so etwas finde.
Domradio.de: Es geht um bedeutende und wichtige Frauen. In Offenburg zum Beispiel haben Sie Aenne Burda mit dabei. Was war mit der?
Beate Steger: Aenne Burda war eine sagenhafte Frau. Sie hat sich selbstständig gemacht und die bekannte Zeitschrift „Burda Moden“ herausgebracht. Das alles, nachdem sie entdeckt hatte, dass ihr Mann sie mit einer anderen Frau betrogen hatte, mit ihr sogar ein Kind hatte. Es gibt übrigens einen sehr sehenswerten Zweiteiler dazu, der in noch in der ARD-Mediathek zu sehen ist. Von ihr findet man vieles in Offenburg. Sie hat viele Spuren hinterlassen. Es gibt ihr Grab, die Kirche, in der sie getauft worden ist, oder auch das Verlagsgebäude, in dem sie die Zeitschrift „Burda Moden“ groß gemacht hat.
Domradio.de: Da kommt man überall vorbei auf dem Frauenpilgerweg auf der siebten Etappe. Gibt es noch andere Frauen, die thematisiert werden?
Beate Steger: Uta von Schauenburg war eine ganz wichtige Dame des 12. Jahrhunderts. Sie war mit einem Markgrafen verheiratet und Tochter eines Pfalzgrafen. Wir lernen sie einmal beim Kloster Allerheiligen in der Oppenau kennen. Das Kloster hat sie gestiftet und es ist jetzt eine Ruine. Wir haben dort auch eine Pilgerunterkunft. Das sind besondere Bedingungen für Pilgerinnen und Pilger. Es dürfen ja auch Männer den Pilger.Schön-Weg gehen. Wir haben auch noch die Schauenburg selber bei Oberkirch dabei. Das ist heute auch eine Ruine. Dort hat sie wahrscheinlich auch länger gelebt. Man kann der Uta von Schauenburg toll begegnen auf diesem Weg.
Domradio.de: Die siebte Etappe hat 110 Kilometer, die Sie zusammengestellt und vorrecherchiert haben. Gibt es für den Pilgerweg eine offizielle Einweihung mit Bürgermeister und roter Schleife?
Beate Steger: Wir machen eine Eröffnungspilgertour von drei Tagen im September. Dafür haben sich schon 25 Frauen angemeldet. Aber eine Eröffnung mit Band durchschneiden gibt es nicht. Wir sind auf drei Etappen dieser 110 Kilometer unterwegs. Wir werden auch zum Kloster Allerheiligen gehen und zu den Edelfrauengrab-Wasserfällen. Das ist auch wieder ein Frauenort mit einer Edelfrau. Es sind alle eingeladen, diesen Weg zu gehen. Es gibt einen Pilgerführer, in dem ich den Weg genau beschreibe. Es gibt die GPS-Tracks, nach denen man gehen kann. Die Pilgerführer sind natürlich aussagekräftiger, weil man die einzelnen Frauenorte genau beschrieben hat und auch viele dabei Bilder sind. Wenn man bei schlechtem Wetter unterwegs ist, hat man wenigstens die Bilder aus dem Sonnenschein.
Mehr Informationen zum Frauenpilgerweg in Baden gibt's unter www.pilgerschoen.de