Um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht so genau, wie Sommerlöcher aussehen. Ist da gähnende Leere? Oder ein finsterer Abgrund? Oder eine düstere Höhle ohne Licht und Zugluft, so dass es müffelt? Ich weiß es einfach nicht.
Nach allgemeiner Definition durch Medienmächte und dem journalistischen Volksmund ist im Sommerloch: nichts. Nichts Berichtenswertes, nichts Aufregendes, nichts Schlagzeilenwürdiges.
Hm. Mich wundert das etwas. Vielleicht, weil ich keine Sommerlöcher kenne? Wissen Sie, irgendwie geht das Leben auch im August weiter, auch bei 34 Grad im Schatten und in tropischen Nächten. Auch dann kann es sein, dass ich trauere, dass ich von Alpträumen erwache oder ratlos bin, neugierig oder verzweifelt. Und der Lärm der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, das Wimmern der verhungernden Kinder im Jemen oder im Sudan, die Angst der Gefangenen und Gefolterten, die gequält werden, weil sie ein offenes Wort gewagt haben, in Belarus oder im Iran – die verschwinden in keinem Sommerloch.
In der Bibel übrigens ist von einem Sommerloch auch nicht die Rede. Von Hitze ist da zu lesen und von Bächen, die versiegen (Hiob 6,17), dass die Sonne heiß aufgehen mag und dass das Gras verwelkt unter ihren Strahlen (Jakobus 1,11) – und ab und an weht auch in der Bibel ein heißer Wind (Jeremia 4,11), in dem nicht gut sein ist. Aber ein Sommerloch oder viele Sommerlöcher, in denen sich nichts Beachtliches ereignet? Fehlanzeige.
Was daran liegt, dass es für Gott nichts gibt, das nicht beachtlich wäre: kein Mensch, kein Ereignis, keine Not und kein Glück, die ihn nichts angingen. Auch um das, was in unseren Zeitungen nicht berichtet wird, was in den „Tagesthemen“ nicht relevant erscheint, was bei TikTok oder Facebook niemanden interessiert, auch darum weiß Gott. Und er lässt es nicht in einem Sommerloch seiner Unaufmerksamkeit verschwinden. Uns passiert oder gelingt das immer wieder – Gott hält es nicht so. „Ich gehe oder liege, so bist du um mich und sieht alle meine Wege“ (Psalm 139,3). Das gilt für alle und alles, für jede und jeden.
Sommerloch? Nein! Sommerfülle der Nähe Gottes? Ja!
