Jetzt passen Sie mal gut auf! Besser vielleicht, Sie gehen in Deckung – mag sein, Sie kriegen dann nichts ab. Obwohl: Die begegnen uns ja allenthalben, dagegen ist kein Kraut gewachsen. Wenn’s dich erwischt, erwischt‘s dich – und dann gnade dir Gott.
Was ich meine: Es gibt Worte, die sind einfach brutal. Dabei habe ich gar nicht die üblichen Schimpfwörter im Sinn (Armleuchter, Depp) oder derbe Flüche (Verdammt nochmal!), fiese Verbalinjurien (idiotisch, pfäffisch) oder hochmütig Despektierliches (Na, Kleiner? Du Opfer!); nein, mir geht’s um die, die ganz alltäglich daherkommen, aber sehr gewaltsam wirken.
„Alternativlos“ ist ein solches Wort, das keinen Widerspruch mehr duldet, oder die „Freistellung eines Mitarbeitenden“, die den, der da rausgeschmissen wird, doch nur verhöhnt (genau wie bei „Remigration“). Ein Wort wie „Arbeitsverweigerer“ will weh tun, und wer Menschen „abartig“ nennt – wie es rechte Politiker*innen wieder tun –, will sie ganz bewusst ins Abseits stellen.
Da gibt es viele Worte, die im wahrsten Sinne „Schlagworte“ sind, die ganz selbstverständlich oder mit Kalkül Gewalt ausüben, die „Schlagzeilen“ produzieren, um Menschen zu verletzten und abzuwerten.
Keine und keiner ist sicher, ob es sie oder ihn nicht auch mal trifft. Und dann gnade dir Gott.
Genau! Das ist’s, was hilft, was Sprache verändern und Menschen schützen kann.
Das alte Wort „Gnade“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und leitet sich von „Nähe“ und „Nah-sein“ her. Gottes Gnade (von der in der Bibel tausendmal die Rede ist und nicht einmal gewaltsam) bedeutet: Gottes Einfühlsamkeit, Gottes Zugewandtheit. Wenn Gott spricht, spricht er an – und über niemanden hinweg; wenn er sich zuwendet, dann sensibel und aufmerksam, nicht mit Schlagworten und mit „schlagenden Argumenten“. O ja, die Bibel kennt überaus deutliche Worte (Du sollst nicht: töten, lügen, stehlen …), aber die möchten werben, nicht zwingen.
Ich glaube, dass auf Gnadenworte statt auf Schlagworte zu hören, unsere Sprache verändern wird. Es wird ja allgemein beklagt, dass unsere Sprache verroht, die Sozialen Medien denkbar unsozial geworden sind. Gegen den Lärm der Meinungsschleudern und der Hasstiraden nützt, glaube ich, zu tun, was Gott tut. Er hört und schaut, bevor er spricht. Er hat den Menschen im Blick, den er anspricht. Er hat nicht immer das letzte Worte (allerdings das erste, in dem er feststellte, dass er seine Erde gut geschaffen hat – mit allen Möglichkeiten, ein friedlicher Planet zu sein).
So gnade uns Gott!
