"Wir sind auf dem richtigen Weg" - Synodalpräsident Axel Wermke wird 75

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Sitzungen des Präsidiums und des Landeskirchenrates, Delegiertenversammlungen, Empfänge und Synoden, dazu weitere Treffen und Termine – der Kalender des Synodalpräsidenten ist gut gefüllt. Seit zehn Jahren steht Axel Wermke, der am 30. Oktober seinen 75. Geburtstag feiert, an der Spitze der Synode der Evangelischen Landeskirche in Baden. Die Landessynode ist das „Parlament“ der Landeskirche, das wesentliche Entscheidungen über das geistliche, rechtliche und finanzielle Leben trifft.
Dabei war Wermkes Weg zum Glauben und zur Kirche keineswegs vorgezeichnet. „In meiner Familie hat man natürlich die christlichen Feste gefeiert, speziell Weihnachten. Aber ansonsten hatte man mit der Kirche keinen Kontakt. Dabei war sie nur 30 Meter entfernt“, erzählt der gebürtige Heidelberger, der in Mannheim aufgewachsen ist. „Der Kontakt kam, als der Pfarrer meinen Großvater zum Geburtstag besuchte und mich zum Kindergottesdienst eingeladen hat. Da bin ich dann auch hin, und da war immer was los: Erst ist man in den Gemeinde-Gottesdienst, dann ging man in einen Nebenraum zum Kindergottesdienst“, erinnert sich Axel Wermke.
Durch den Kontakt mit Vikaren, „weil man da ganz anders ins Gespräch kam“, habe Wermke schließlich begonnen, sich intensiver mit Glaubensfragen zu beschäftigen. „In ganz unterschiedlicher Form. In der Zeltfreizeit damals in Pfronten haben wir über das bei uns so beliebte Lied ‚Ich zieh meine dunkle Straße‘ eine Andacht gemacht. Aber nicht so, dass einer diese Andacht vorbereitet und gehalten hat, sondern dass man sich miteinander an dem Lied, an den Strophen, am Inhalt entlanggehangelt hat. Das waren so die Anfänge.“
Schon damals als Jugendlicher in den 1960er Jahren hat Axel Wermke seine Kirche mitgestaltet – nach seiner Konfirmation als Jugendgruppenleiter an der Friedenskirche in Mannheim. „In meiner Heimatgemeinde wurde ich dann auch in den Ältestenkreis gewählt. Aber es war damals schon so, dass man nicht aus dem Vollen der Kandidierenden schöpfen konnte. Ich war auch Vorsitzender des Jugendausschusses der Gesamtkirchengemeinde. Das klingt aber alles viel wichtiger, als es war. Da hat man sich zweimal im Jahr getroffen.“
Die Arbeit mit Jugendlichen sollte Axel Wermke fortan begleiten – ehrenamtlich und beruflich. Ehrenamtlich unter anderem als Leiter des „Jugendzentrum Mannheim Innenstadt“, als Vertreter in verschiedenen kirchlichen Gremien und als Organisator zahlreicher Freizeiten. Jahr für Jahr war er unterwegs - erst allein, später mit seiner Frau. „Wir waren früher in den Sommerferien grundsätzlich 14 Tage auf Jugendfreizeit.“ Die Erinnerungen sind lebendig - an den Geruch des Lagerfeuers, die Wärme von vorn und die Kälte von hinten, an die einfache Küche. Privat würde er nie auf die Idee kommen, den Urlaub auf dem Campingplatz zu verbringen. „Freizeitzelten ist etwas völlig anderes“, sagt Wermke.
Lebendig sind auch die Erinnerungen an die Begegnungen während des Kalten Krieges. „Man fuhr mit der Bahn oder dem Auto nach West-Berlin, wohnte in Wannsee in einem Haus der Kirche und ist morgens nach dem Frühstück sofort in den Osten und nachts, kurz vor Mitternacht, wieder zurück – und traf sich dort mit den Vertretern aus Brandenburg. Da gab es einige Begegnungsmöglichkeiten – einmal allerdings sollte einer unserer Vertreter von der Stasi als Spitzel angeworben werden. Das ging bis zum Verfassungsschutz.“
Auch später über die Evangelische Kirchengemeinde in Ubstadt, wo Axel Wermke 1975 mit seiner Familie hingezogen ist und wo er als Lehrer und Schulleiter gearbeitet hat, gab es Kontakte in die ehemalige DDR – nach Beesenstedt in der Nähe von Halle. „Ab Anfang der 80er Jahre haben wir Fahrten dorthin durchgeführt – abenteuerlich, vor allem an den Grenzübergängen. 1977 beim Kirchentag in West-Berlin haben sie einer Teilnehmerin unserer Gruppe die Handtasche bis ins Letzte rumgedreht und das Gepäck durchsucht. Das war furchtbar.“
Und als dann 1989 die Fluchtbewegungen und die gewaltfreien Demonstrationen zur friedlichen Revolution führten? „Natürlich hat man gehofft, dass sich was ändert“, blickt Wermke zurück „aber letztendlich habe ich auch gedacht, die Staatsmacht wird das zu verhindern wissen, siehe 1953. Bis zum letzten Moment, bis Schabowksi gesagt hat: ‚Die Grenze ist offen.‘“ Es folgten gemeinsame Jugendfreizeiten mit den Partnergemeinden aus der ehemaligen DDR. Parallel engagierte sich Wermke neben seiner kommunalpolitischen Arbeit auf bezirks- und landeskirchlicher Ebene, auf Kirchentagen, ab 1990 in der Landessynode, ab Oktober 2001 im Landeskirchenrat und seit Oktober 2014 als Synodalpräsident.
Wie man so eine Fülle von Aufgaben bewältigen kann? „Indem einem die Frau den Rücken freihält, sie aber auch immer wieder mit dabei ist“, sagt der Pädagoge. Zudem sei der Umfang der sonstigen Hobbys überschaubar. „Das ist ein bisschen Gartenarbeit, da bin ich für die zuständig für Rasen mähen und Fahrten zum Häckselplatz. Die Kinder sind erwachsen und verheiratet, die jüngste Enkelin ist fünfzehn.“ Da bleibe genügend Zeit.
Und was wünscht sich der Jubilar zum 75. Geburtstag? „Für mich persönlich hätte ich gern, dass unser Familienleben – ich meine da die Großfamilie mit neun Enkeln - weiterhin so gut funktioniert. Und für die Landeskirche, dass all das, was wir momentan erarbeiten – also Transformation und alles, was damit zusammenhängt -, besser angenommen wird. Und dass man bis in die Gemeinde hinunter merkt, dass nichts so bleiben kann, wie es noch ist.“ Denn er weiß: „Wir müssen uns bewegen, und ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg.“ (16.10.2024)
Weitere Informationen zur Landessynode finden Sie hier: www.ekiba.de/landessynode
