Musik mit europäischem Esprit

2 Musikerinnen

Engagement & Freizeit

Wo Sprache aufhört, fängt Musik an“, lautet ein Zitat des Schriftstellers E.T.A. Hoffmann. Über 200 Jahre nach seinem Tod konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Europe Spirit Songwriting Seminar im August in Straßburg den Wahrheitsgehalt dieser Worte selbst erleben. Mehr dazu in unserem Journalbeitrag. 

28 Musiker aus Frankreich, Deutschland, England, Italien und der Schweiz trafen sich zunächst online und schließlich live vor Ort in Straßburg, um Lieder rund um das Thema „Dialog“ zu schreiben und aufzunehmen.  Dabei sind 30 neue Songs in ganz verschiedenen Musikstilen entstanden.
 
„Die meisten unserer Teilnehmer schreiben Popsongs, die durch christliche Gedanken getragen sind. Und manche Lieder sind auch als Gospel oder als neues geistliches Lied im Gottesdienst nutzbar“, erläutert Pfarrer Gunter Hauser, der zusammen mit seinem musikalischen Partner Paul Douglas (Großbritannien) die Songwriting Seminare seit 2001 in Baden und seit 2012 auf europäischer Ebene organisiert. Unterstützt wird das Projekt dabei unter anderem vom Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal und von der Baden-Württemberg Stiftung im Programm „Nouveaux horizons“.
 
Seit Hauser 1993 das erste Mal in London an einem internationalen Songwriting
2 Frauen an Klavier und Computer
 Seminar teilnahm, sei er fasziniert von dieser Szene. Von dieser Faszination berichten auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Treffens.
„Die Zusammenarbeit war wirklich toll. Jeder hat jedem geholfen“, stellt Carla Ligotino fest, die mit 18 Jahren eine der jüngsten Musikerinnen war. Zugleich brachte sie aber durch ihre Teilnahme an der Fernsehsendung „The Voice Kids“ bereits Erfahrungen aus der professionellen Musikbranche mit. Sie hat den starken Wettbewerbsgedanken, der dort vorherrscht, selbst erlebt: „Bei Voice Kids war die Atmosphäre ganz anders als hier. Dort habe ich viel Konkurrenz gespürt. Beim Songwriting Seminar gab es dagegen nur volle Unterstützung.“
 
Die besondere Atmosphäre bestätigt auch Michael Princip aus Stettfeld, der bereits zum zweiten Mal dabei war. Vor seiner ersten Teilnahme hatte er Bedenken, ob er für dieses Seminar gut genug wäre. Die Bedenken haben sich sofort zerschlagen: „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, außen vor zu sein. Es gibt kein ‚du kannst das nicht‘, sondern eine große Akzeptanz und eine liebevolle Atmosphäre.“
Die Zusammenarbeit mit den Musikern, die ganz unterschiedliche Erfahrungen und Musikstile mitbringen, sei erstaunlich kreativ und befruchtend, stellt Michael Princip fest. „Die Idee entwickelt im Seminar eine neue Dynamik. Ich habe ein Lied auf einer Gitarre geschrieben, ein anderer hört eine Klavierstimme dazu und dann wird die Idee zusammen ausgearbeitet“, erläutert Michael Princip.
 
4 Sänger*innen am Mikrofon
Ähnliche Erfahrungen hat auch Sabine Schäfer gesammelt. Die Bruchsalerin ist seit 2017 dabei und ist fasziniert von dem Gemeinschaftsgefühl, das in diesen internationalen Begegnungen aufkommt. „Alle schreiben Musik, das ist etwas, das sofort verbindet. Jeder bringt Ideen in die Projekte ein, dadurch entsteht eine Eigendynamik, die nicht planbar ist. Jeder hat die Möglichkeit, seinen Stil zu leben, vom christlichen Lied über die Lagerfeuerromantik oder Hip-Hop bis zu experimenteller Musik“, versucht Sabine Schäfer, das Besondere in Worte zu fassen. „Sogar bei Musikgenres, die sich in der ‚realen Welt‘ eher abfällig beäugen oder im Konflikt zueinander stehen: Hier ist jeder bereit, bei den anderen mitzumachen.“
Besonders die internationale Zusammenarbeit sei sehr inspirierend, stellt sie fest. „Aus der Schweiz kommen immer kraftvolle Gospelsongs, auch dieses Jahr war wieder ein tolles Projekt dabei; aus Frankreich kommt eine gewisse Leichtigkeit, die Lieder haben einen einzigartigen Groove, einen bestimmten Esprit, ein französisches Flair.“
Und auch die unterschiedlichen Sprachen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer seien kein Problem, so Michael Princip: „Die Sprachbarriere ist nicht schlimm, man hilft sich gegenseitig. Wir haben einen lockeren Umgang miteinander, essen zusammen, es gibt keine Berührungsängste.“
 
Selbst der Organisator Gunter Hauser zeigt sich von der Atmosphäre immer wieder
Teilnehmer*innen beim Europe Spirit Songwriting
 begeistert: „Ich frage mich nach dem Seminar immer, warum nicht die ganze Welt so gut funktionieren kann.“ Er sei überzeugt, dass diese internationale Gemeinschaft von Musikern auch ein Beitrag zum Frieden ist, und dass das diesjährige Thema „Dialog“ - im Anschluss an den Brettener Reformator Philipp Melanchthon - eigentlich ein Friedensthema ist.
 
Ein besonderes Highlight und Ergebnis des Seminars ist ein hybrides Konzert mit den neu komponierten Liedern. Dieses wird am 2. November um 20 Uhr in der Stiftskirche Bretten aufgeführt und gleichzeitig live gestreamt. Zugleich wird es online vernetzt mit einer Parallelveranstaltung in Straßburg. Auch aus Birmingham (Großbritannien) und aus St. Gallen (Schweiz) wird es Online-Beiträge geben. Das Publikum in Bretten erlebt also die Hälfte des Programms direkt vor Ort und die anderen Teile auf einer großen Leinwand. (23.10.2024)
 
Infos und der Link zum Livestream am 2. November, 20 Uhr, unter: http://www.europespirit.eu/.