Allein verstorben, gemeinsam verabschiedet

Statue eines Engels mit ausgebreiteten Flügeln

Taufe & Konfirmation & Hochzeit & Beerdigung

Persönliche Einblicke in eine Karlsruher Trauerfeier mit einem würdevollen Abschied für Verstorbene ohne Angehörige.

An einem verregneten Montagmorgen im Oktober mache ich mich auf den Weg zum Karlsruher Hauptfriedhof. Hier werden heute vier Personen in einer Trauerfeier verabschiedet, die allein gestorben sind und keine Angehörigen hatten, die eine Beerdigung organisierten. Ich weiß nicht genau, was mich erwartet und es drängen sich einige Fragen in meinen Kopf: Wer waren die Verstorbenen? Hatten sie einen würdevollen Tod? Wer kommt zu diesem Trauergottesdienst?  
 
Mit Fragen und Gedanken beladen betrete ich den Friedhof und mache mich auf den Weg zur großen Kapelle. Ich treffe meinen Kollegen vom evangelischen Rundfunkdienst Baden und wir warten auf den Chorleiter Andreas Rüdiger. An jedem ersten Montag im Monat finden hier auf dem Friedhof diese Trauerfeiern statt. Dafür hat sich ein ehrenamtlicher Chor zusammengefunden. Sie proben gemeinsam und begleiten die Trauerfeier musikalisch. Den Chormitgliedern ist es wichtig, den Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen und ihrer zu gedenken. 
 
Trauerhalle; vier Urnen mit Rosen bedeckt

Quelle: Sara Keller/ekiba

Bevor es mit der Trauerfeier losgeht, kann ich dem Chor beim Einsingen lauschen: Eine Gitarre und um die 20 Sänger*innen. Die Chormitglieder stellen einen großen Teil der Trauergemeinde dar. Nach und nach kommen noch ein paar Personen in die Kapelle, die Abschied nehmen möchten - vielleicht Nachbar*innen, Kolleg*innen oder alte Bekannte.  

Pfarrer Eberhard Weber sagt im Gespräch, er glaube fest daran, dass die Namen von allen Menschen bei Gott aufgeschrieben sind. Auch die Namen derer, die allein sterben. Das mache diese Trauerfeier auch so wichtig, denn auch im Tod soll die Würde der Menschen gewahrt werden. 
Pfarrer Eberhard Weber
Pfarrer Eberhard Weber

Quelle: Sara Keller/ekiba

 
Die Glocken läuten, die Orgel erklingt – der Trauergottesdienst beginnt. Pfarrer Weber findet die passenden Worte für die, die wir nicht alle kannten. Er schafft eine Verbundenheit über Konfession, soziale Schicht, Vorlieben und Gewohnheiten hinweg, in der wir uns als Menschen begegnen. 
 
Die Namen der Verstorbenen werden am Ende verlesen und aus dem Chor legen Mitglieder für die Verstorbenen Rosen auf den Urnen ab. Dieser Moment ergreift mich besonders. Hinter jedem dieser Namen steckte ein ganzes Leben, das ich nicht kenne. Was haben diese Personen erlebt auf ihrem Weg? Was war ihnen wichtig? Wonach haben sie sich gesehnt?  
 
Auf all diese Fragen, habe ich keine Antwort. Ich stehe in der Kapelle und blicke auf die Urnen. Obwohl ich alle vier nicht kannte, fühle ich mich in unserem gemeinsamen Menschsein verbunden. Ich bin froh, dass es diese Art von Gedenken gibt. 
Gott, lass sie in Frieden ruhen. 
 
Diese Form der Gedenkgottesdienste findet in vielen Stadt in unterschiedlichen Formen und Rhythmen statt. 
 
  
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