In der Adventszeit wird in unserer Landeskirche Jahr für Jahr für „Brot für die Welt“ gesammelt. Manchmal frage ich mich: „Kann ich mit meiner Spende wirklich etwas bewirken?“ Denn: Hunderte Millionen von Menschen leiden weiterhin an Hunger und Mangelernährung, obwohl unsere Erde alle satt machen könnte. — Doch es gibt sie, die Erfolgsmeldungen: Dank unserer großzügigen Spendenbereitschaft in den vergangenen Jahren konnte „Brot für die Welt“ vielen Menschen helfen und „Wandel säen“ für eine Welt ohne Hunger – beispielsweise in Peru.
„Wandel säen“ - für eine Welt ohne Hunger

Politik & Gesellschaft
Wenn Javier Quispe Valle in der Vergangenheit wissen wollte, ob seine Familie im kommenden Jahr hungern oder satt werden würde, ließ er am 15. August ein schwarzes Meerschweinchen zu Wasser. Paddelte das Tier mit seinen kurzen Beinchen zum anderen Ufer des flachen Sees und erzeugte sein Körper links und rechts kleine Wellen, würde es bald regnen und Mais auf den Feldern wachsen. Verharrte das Meerschweinchen hingegen träge auf der Stelle, fiel die Ernte schlecht aus. Schon seine Vorfahren, die Inkas, hätten dieses Ritual zu Ehren der Göttin Pachamama, der Mutter Erde, jedes Jahr an dem für sie heiligen Ort befolgt, erzählt Valle. Bislang habe die Vorhersage immer gestimmt.
Drei Monate später, im November, steht Valle auf der Hochebene des Apu Anccara, um vor dem Mais erst einmal das Wasser zu ernten. Seinen Hut hat der Kleinbauer tief ins Gesicht gezogen: „Früher hat uns die Sonne gewärmt, heute verbrennt sie uns.“ Der Apu Anccara ist für die Menschen aus Valles Dorf Huanimpampa ein heiliger Hügel und Wasserquelle ihres Lebens. Was hier oben, auf mehr als 4.300 Metern Höhe, an Regen fällt, versorgt die ganze Region. Fließt hinunter ins Dorf, weiter bis in den Apurímac und von dort in den Amazonas im heißen Tiefland. So auch an diesem Tag. Die Regenzeit hat begonnen. Valle blickt zu den dunklen Wolken, die sich seit ein paar Tagen am Horizont türmen. Das Meerschweinchen hatte sie im Sommer angekündigt: Das Tier hatte es ans andere Ufer geschafft, das erste Mal seit zwei Jahren. Auch die Wetter-App auf Valles Smartphone verheißt den sehnsüchtig erwarteten Regen – und endlich wieder eine gute Ernte.
„Wir können den Klimawandel nicht stoppen – aber wir können dafür sorgen, dass der wenige Regen aufgefangen und besser genutzt wird,“ sagt Javier Quispe Valle, er sitzt seit zwei Jahren dem lokalen Wasserkomitee vor und vertritt 950 Familien in acht Gemeinden. Dass der Berg wieder grün wird. Das, fügt er hinzu, „ist unser Ziel“. Dafür ziehen sie Gräben in den harten Boden des Apu Anccara, die parallel zum Hang verlaufen. Diese leiten das Regenwasser ins Tal und dort in die vielen neuen Gruben neben den Feldern sowie in das Reservoir vor dem Dorf, es fasst 16.000 Kubikmeter Wasser. Außerdem verhindern sie, dass ein Starkregen den ganzen Hang wegspült – auch dazu kommt es zwischen den Dürren nun immer häufiger. All diese Arbeiten machen sie gemeinsam. Auch an diesem Novembertag haben sich mehrere Männer auf dem Berg versammelt, um neue Kanäle auszuheben und alte von Steinen und Geröll zu befreien. Die meisten müssen wie Valle mehrmals mit aller Kraft ausholen, erst dann lockert sich die Erde unter der Spitzhacke, geben die Wurzeln der Grasbüschel nach. „Anfangs haben viele im Dorf gesagt: Was macht ihr da für einen Blödsinn, lasst den Berg in Ruhe, wir haben genug Wasser“, erzählt Valle. „Inzwischen wissen sie, dass es der einzige Weg ist, damit unsere Kinder künftig noch hier leben können.“
Gelernt hat Valle diese Techniken einer nachhaltigen Bewässerung in Workshops von ARARIWA, einer Partnerorganisation von „Brot für die Welt“. Zehn Monate dauert der Kurs, auf dem Lehrplan steht auch das Thema Klimawandel; was ihn verursacht, wie er sich auswirkt, welche Pflanzen weniger durstig sind. Warum die Gletscher in Chumbivilcas in den zurückliegenden 40 Jahren 60 Prozent an Eis verloren haben. Dank dem Workshop und der erfolgreichen Wasserernte haben nun 950 Familien genug zu essen.
Bis 2030 will die Weltgemeinschaft Hunger und Mangelernährung überwinden. Doch schon jetzt ist klar: Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird das nicht gelingen. Deshalb hat "Brot für die Welt" den Kampf gegen Hunger zu einem Schwerpunkt der 66. Spendenaktion gemacht.
(Text: Brot für die Welt / Ulli Naefken)
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(27.11.2024)

