Ein Türchen in die Freiheit

Traugott Schächtele
Impuls zum 1. Advent
Auf den Beginn des Advents habe ich in diesem Jahr noch mehr gewartet als sonst. Die Welt scheint außer Rand und Band. Und mein persönliches Adventsprogramm ist auch nicht grad ohne. Keine Zeit der stillen Erwartung. Volles Programm. So vieles, das noch gehen soll „vor Weihnachten“! Aber im Advent kommt für mich immer etwas Tröstliches dazu. Etwas, das mich ruhiger werden lässt. Mitten im alltäglichen Wahnsinn. Eine Art Entlastungsprogramm, das plötzlich mitläuft. Und Mutmachworte, die in mir aufsteigen: „Alles halb so wichtig! Am Ende geht alles gut aus. Du wirst schon sehen!“
Sichtbares Zeichen dieses adventlichen Entlastungsprogramms ist für mich mein Adventskalender. Ab heute kann ich wieder jeden Tag ein Türchen aufmachen. Ein Türchen in Richtung Weihnachten. In eine andere, hoffnungsvollere Welt. Ein Türchen raus aus allem, was mir die Luft nehmen will. Ein Türchen in die Freiheit.
Ich hab‘ mir vor ein paar Jahren den Adventskalender meiner Kindheit neu nachgekauft. Das Besondere an ihm: Er endet nicht am 24. Dezember. Sondern erst am 6. Januar. Advent auch noch im neuen Jahr. Advent plus sozusagen. Mein Kalender hat für jeden Adventssonntag sogar noch ein zusätzliches Türchen. Deshalb darf ich heute zwei Türchen aufmachen. Als klare Botschaft: Spätestens jetzt ändert sich die Richtung. Jetzt geht die Erwartung in Richtung auf jenes Kind, das der Welt ein anderes Gesicht gibt.
Wenn ich durch dieses adventliche Türchen gehe, muss ich mich nicht kleinmachen. Da kann ich aufrechten Gangs durch. Kann „mein Haupt erheben“. Deshalb hänge ich meinen Adventskalender auch nicht einfach auf Augenhöhe auf. Sondern immer etwas höher. Denn Advent heißt für mich: Ich richte meinen Blick nach oben! Gehe aufrecht und mit gestärktem Rücken durch die Türchen der adventlichen Hoffnung. Und die vielen Dinge, die anscheinend so wichtig sind, erscheinen von oben plötzlich viel kleiner. Und viel weniger bedeutend. Also Kopf hoch! Jetzt ist Advent! (29.11.2024)