Sternen-Advent

Leuchtender weißer Stern am Fenster

Ute Niethammer

Impuls über unperfekte Sterne

Schon beinahe dritter Advent! Höchste Zeit für die Transparent-Sterne! Zuerst nehme ich den großen roten Stern aus der flachen Schachtel. An einer Stelle sind die Zacken zu eng geklebt, dadurch ist er ein wenig asymmetrisch.
 
Ich erinnere mich: die jüngere Tochter hatte mit roten Backen und großem Eifer den ganzen Nachmittag gefaltet und geklebt. Und dann ist ihr am Ende was verrutscht beim Kleben. Eine Lücke klafft zwischen zwei der Zacken.  Sie war den Tränen nahe. Ihre ältere Schwester hat damals die Situation gerettet: „Das ist doch prima so. Da können die Engel viel besser durchspickeln.“Lächelnd bekommt der Engelstern seinen Platz am Fenster.
 
Dann hänge ich ein paar bunte Sterne auf. Jeder ist anders, alle haben eine kleine Macke. Die Kinder haben sie gebastelt, als Perfektion noch nicht wichtig war. Schließlich der große weiße Stern! Das war eine Gemeinschaftsarbeit von mir und den Kindern. Wir haben ihn kurz vor Weihnachten gemacht, und dann hatten wir Probleme beim Zusammenkleben. Der Klebstoff war aus! Mit den allerletzten Resten aus der Tube haben wir die Zacken zusammengefügt. Seither habe ich jedes Mal, wenn ich ihn aufhängen will, einzelne Teile in der Hand. Ich klebe sie auch dieses Mal wieder einzeln ans Fenster; am Ende ist es doch ein ganzer Stern.
 
Ich betrachte mein Sternen-Fenster. Es lässt die Engel durchspickeln, ignoriert die Perfektion und lässt Gott aus unserem Stückwerk ein großes Ganzes machen – das ist Advent! (13.12.2024)
 
  

Dr. Ute Niethammer

Landeskirchliche Beauftragte für den Prädikantendienst