Wie gelingt der Friede unterm Weihnachtsbaum?

Lebensfragen & Lebensformen
Wer kennt es nicht: Voller Vorfreude gehts zum Weihnachtsessen mit der Familie und dann kippt plötzlich die Stimmung, wegen diesem einen...
Wenn die (Wunsch)Vorstellung keine Realität wird
Wie sieht der Familienfriede zu Weihnachten eigentlich aus? Kein Streit, kein Theater, das Essen schmeckt herrlich und alle liegen sich liebevoll in den Armen?
Kann es sein, dass das zwar eine schöne Vorstellung ist, aber eben genau das bleibt: eine Vorstellung, Wunschdenken. Zumindest für manche von uns.
Kann es sein, dass das zwar eine schöne Vorstellung ist, aber eben genau das bleibt: eine Vorstellung, Wunschdenken. Zumindest für manche von uns.
Wünsche sind etwas Schönes. Gleichzeitig können sie unsere Erwartungen ganz schön in die Höhe treiben und manchmal in bitterer Enttäuschung enden.
Vielleicht gibt es noch etwas zwischen dem himmelhohen Wunschdenken und dem desaströsen Familienstreit. Wie so oft ist unsere Realität meist ein bisschen von beidem, würde ich sagen. Wer sagt denn, dass wir in der Realität dazwischen keinen Frieden und kein besinnliches Weihnachtsfest finden können?
Zur Geburt Jesu waren die Umstände auch weit weg von dem Geburtsszenario, das sich Maria und Josef vermutlich gewünscht haben: Hochschwanger zur Volkzählung aufbrechen, erschöpft in Bethlehem ankommen und dann keine Herberge finden, nur einen Platz im Stall. Und doch hat Gottes Licht auf sie geschienen. In ihrem unperfekten Drumherum kam das Weihnachtswunder auf die Welt. Wenn das keine Botschaft ist, weiß ich auch nicht.
Uneinig sein
Muss ich mir jetzt aber alles gefallen lassen, nur weil Weihnachten ist? Ich finde nicht. Vermutlich wird ein Punkt kommen, an dem Gedanken, Meinungen und Haltungen weit auseinander gehen. Vielleicht ist es genau dann bei einigen Punkten möglich, sich darauf zu einigen, dass man uneinig ist.
Zu behaupten, dass man sich bei allen Themen am Weihnachtstisch darauf einigen kann, dass man uneins ist, wäre wiederum Wunschdenken. Manche Gräben sind so tief, manche Wunden so schmerzhaft, dass sie nach Auseinandersetzung “verlangen”. Da kann und darf es auch mal laut werden zwischen Kerzen und Braten. Das ist menschlich, und solange es das bleibt, helfen mir diese Punkte:
- Bleib mit deinen Aussagen bei dir und deiner Perspektive.
- Formuliere eine Bitte an dein Gegenüber, wenn das Gespräch abdriftet.
- Du kannst klar machen, dass das Gespräch bei persönlichen Beleidigungen endet.
- Zu Themen mit hohem Konfliktpotential kannst du dir vorab etwas gedanklich parat legen, das du sagen könntest.
Trau dich, nach Hilfe zu fragen
Mit der Familie überm Weihnachtsessen zu zanken, kann für alle, die an den Festtagen allein sind, nach einem ziemlichen Privileg klingen. Ist es auch. Wir alle, egal wie unsere Umstände sind, dürfen uns Hilfe suchen, besonders an Weihnachten. Besonders dann, wenn dir der Abstand zwischen dir und deiner Familie, deinen Freund*innen oder der Gesellschaft als unüberwindbar vorkommt.
Hier findest du Hilfe: https://www.telefonseelsorge.de/
Hier findest du Hilfe: https://www.telefonseelsorge.de/
Wie gelingt der Friede unterm Weihnachtsbaum?
Womöglich muss hier gar nichts gelingen, denn da hätten wir schon wieder die Erwartung an das “perfekte Fest”. Ich gehe dieses Jahr in die Weihnachtszeit, um mit dem Unperfekten und dem Realen Frieden zu schließen. Ich blicke auf menschliche, vielleicht chaotische, stellenweise hitzige Weihnachten. Trotzdem bin ich mir sicher, dass ich auch Besinnlichkeit, Frieden und Liebe in all dem finde. Denn so hat Gott uns geschaffen – wunderbar unperfekt. (11.12.2024)