Lernen, Laufen, Lachen, Lieben

Frau im hohen Gras und blick in die Kamera

Klaus Nagorni

Impuls über ein Lebensmotto

Vor kurzem ist er hundert Jahre alt geworden: der Altersforscher und Arzt Helmut Luft. Dass er vom Älterwerden viel versteht, das hat er aus diesem Anlass in mehreren Gesprächen deutlich gemacht. „Mit einem Bein stehe ich bereits in der Ewigkeit“, hat er kürzlich in einem Interview gesagt. Und gleich hinzugefügt: „Bis es aber so weit ist, lebe ich nach dem Motto, das mich das Leben gelehrt hat: Lernen, Laufen, Lachen, Lieben.“
 
Das sind, finde ich, vier beherzigenswerte Ratschläge. Alles Tätigkeitswörter: Lernen, Laufen, Lachen, Lieben. Damit kann ich auch für mich viel anfangen.
 
Ersten: Lernen. Darum geht es ja auch im Glauben. Christsein, hat Martin Luther gesagt, ist nicht ein Sein, sondern ein Werden. Meinen Glauben habe ich nicht ein für alle Mal, sondern er ist eine Weise, mich mit der Welt auseinanderzusetzen. Mit Argumenten, mit Zweifeln und letztlich mit Vertrauen.
 
Zweitens: Laufen. Das bedeutet: in Bewegung bleiben. Nicht stagnieren. Das lerne ich von den Menschen der Bibel, die immer wieder neu aufbrechen. Ich denke an den Exodus Abrahams in ein Land, das Gott ihm verheißen hat. An den Wanderprediger Jesus, der mit seinen Jüngern durch ganz Galiläa unterwegs war, weil er davon überzeugt war, dass Gott unterwegs zu finden ist.
 
Drittens: das Lachen. Wer lachen kann, begegnet den eigenen Unzulänglichkeiten und denen anderer mit Nachsicht. Anmaßung und Selbstüberschätzung werden einfach ausgelacht.
 
Und viertens, das Wichtigste: Lieben. Wer liebt, schenkt Wärme. Lässt sich berühren und nimmt Anteil. Für Paulus steht die Liebe neben dem Glauben und der Hoffnung. Und überragt beide sogar. Weil Liebe das ist, was bleibt, wenn alles andere vergeht.
 
Mir gefällt es, wenn sich Menschen ein Lebensmotto wählen. Da steckt ja viel Lebenserfahrung drin. Die kann wie ein Geländer wirken. Bei dem Motto „Lernen, Laufen, Lachen, Lieben“ ist das so. Mich regt es an, zu überlegen, wie ich die vier Tätigkeitswörter künftig fülle. Bald liegt ja ein ganzes Jahr vor mir, in dem ich das ausprobieren kann. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen ich damit mache. (10.01.2025)
 
  

Klaus Nagorni

Akademiedirektor i. R.